Die Europäische Patentakademie fördert die
Innovation in Europa, indem sie Aus- und Fortbildungsveranstaltungen für die
Industrie und die Nutzer des Patentsystems und andere Interessenten organisiert
bzw. unterstützt.
Im Juli beteiligte sich die Akademie an der von rund 100 Teilnehmern besuchten Veranstaltung
„Geschäftssteigerung durch geistiges Eigentum" in Mailand, auf der Fachleute
aus der Industrie zwei Tage lang ihr Wissen über das Management und die Durchsetzung
geistiger Eigentumsrechte sowie den Markenaufbau weitergaben. Im September fand
in Den Haag das jährliche zweitägige Seminar „Search Matters" zur
Patentrecherche statt, bei dem Fachleute aus dem EPA einem Publikum von mehr
als 200 Patentrechercheuren aus der Industrie Rechercheninstrumente und
-techniken vorstellten.
Gemeinsam mit der European Patent Lawyers Association (EPLAW) organisierte die
Akademie im November in Venedig zum dritten Mal das Europäische Richterforum. Zu
dieser jährlichen Konferenz, die sich inzwischen zu einer „Denkfabrik"
entwickelt hat, finden sich rund 30 der erfahrensten europäischen Richter auf
dem Gebiet des geistigen Eigentums ein, um Erfahrungen auszutauschen und
Vorschläge zur Gestaltung des künftigen Streitregelungssystems für den
IP-Bereich beizusteuern.
Die wichtigsten öffentlichen Veranstaltungen des Jahres 2007 aber waren zwei
internationale Konferenzen, die beide in Venedig abgehalten wurden: Im Oktober
fand die gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) organisierte „Konferenz über Patentstatistik für den
politischen Entscheidungsprozess" statt, die von Fachleuten, Statistikern und
Analysten aus den Bereichen Innovation, Patentwesen und Wissenschaft und
Technik besucht wurde. Im November folgte die Konferenz „Innovationsmanagement und
-finanzierung sowie Innovationsschutz", die sich in erster Linie an
Führungskräfte aus der Geschäfts- und Finanzwelt und der Verwaltung wandte.
Darüber hinaus war die Akademie im Berichtsjahr wichtiger Partner der
Europäischen Kommission beim „ip4inno-Projekt", in dessen Rahmen Kursmodule für
Unternehmensberater und Mitarbeiter von Technologietransferzentren zu
verschiedenen Aspekten der Vermarktung und des Managements geistiger
Eigentumsrechte entwickelt werden. Die am Projekt beteiligten Partnerinstitutionen
setzen diese Module inzwischen in über 40 Kursen in ganz Europa zur Ausbildung
von Multiplikatoren ein, die später ihrerseits Berater und kleine Unternehmen
über die strategische Nutzung geistiger Eigentumsrechte in der Wirtschaft fortbilden
werden.
Fortgeführt wurde das Ausbildungsprogramm zur Innovationsförderung, das den nationalen
Ämtern helfen soll, die nationale und regionale Industrie in den Bereichen Innovation
und IP-Management wirksamer zu unterstützen. Im Berichtsjahr konnten die
folgenden vier Module erfolgreich umgesetzt werden: „Durchsetzung und
Anfechtung geistiger Eigentumsrechte", „Strategische Nutzung von
IP-Informationen", „Innovationsförderung und IP-Management" und „Finanzierung von
Innovationen und Aufbau von Netzwerken".
In Zusammenarbeit mit nationalen Ämtern veranstaltete die Akademie im
Berichtsjahr eine Reihe von "tourenden" Workshops, mit denen in
Wissenschaftskreisen ein grundlegendes Bewusstsein für IP-Fragen geschaffen werden
soll. An diesen Workshops nehmen Besucher von rund 100 Universitäten und
anderen akademischen Einrichtungen teil; 2008 sollen auch entsprechende
Schulungen zur Ausbildung von Lehrkräften angeboten werden.
Um allen Interessenten einen gleichberechtigten Zugang zum Ausbildungsangebot zu
gewähren, hat die Akademie 2007 ein Management-Informationssystem zum E-Learning
in Auftrag gegeben. Seitdem wurden über das Internet 50 E-Learning- Module für
externe Nutzer bereitgestellt. Neben Test- und Quizformaten, mit denen die
Nutzer eine Lernzielkontrolle vornehmen können, umfasst das System auch Module
für Rückmeldungen/Umfragen, mit denen das EPA die Qualität seines
Schulungsangebots überprüfen kann.
Wie attraktiv die E-Learning-Module sind, zeigt sich an der verstärkten Nutzung
des Assistenten von esp@cenet. Er wurde doppelt so häufig aufgerufen wie im Jahr zuvor. Im Spätherbst
wertete das Amt den Assistenten durch eine japanischsprachige Ober fläche
weiter auf. Außerdem wurden die Schulungen im Rahmen des „virtuellen Klassenzimmers"
wieder aufgenommen, bei denen Nutzer aus der ganzen Welt an Live-Schaltungen
teilnehmen und über das Internet mit dem Trainer und den anderen Teilnehmern in
Kontakt treten können.
Auch vor Ort wurden wieder Schulungen abgehalten, so das viertägige Einsteigerseminar
zur Patentinformation, das zwei Mal veranstaltet wurde, und erstmals ein
Patentinformationsseminar für Fortgeschrittene. Insgesamt nahmen 1 500 Personen
an 50 verschiedenen Veranstaltungen teil; darunter befanden sich neue Kurse wie
ein Workshop über Tools zur Patentbewertung, der es Nutzern ermöglichen soll,
ihre Stärken und Schwächen im Bereich des Patentportfolio- Managements zu
ermitteln.
Die Akademie unterstützte 2007 erneut die Kandidaten für die europäische
Eignungsprüfung; hierzu wurde insbesondere das einschlägige Internetforum
wieder eröffnet, in dem die Kandidaten Wissen und Erfahrungen austauschen und
Rechtsfragen bearbeiten können, wie sie auch in der Prüfung vorkommen, und ihre
Antworten mit den bereitgestellten Musterlösungen vergleichen können.
Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30- jährigen
Bestehen des EPA fand im April am Hauptsitz des Amts das European Patent Forum
statt, auf dem rund 450 Fachleute die Zukunft des Patentsystems und des
geistigen Eigentums im Allgemeinen erörterten. Den Auftakt bildete eine
Präsentation der EPA-Szenarien für die Zukunft. Anschließend wurde in
zahlreichen Podiumsdiskussionen und Workshops eingehend diskutiert, wie sich
die Globalisierung und andere Herausforderungen in den kommenden zwei
Jahrzehnten auf die IP-Landschaft auswirken könnten. Zu den Hauptrednern gehörten
Bundeskanzlerin Angela Merkel (damals auch EU-Ratspräsidentin) und der
Vizepräsident der Europäischen Kommission Günter Verheugen.
Während des Forums wurden vor rund 600 Gästen im Internationalen Congress
Center München die europäischen Erfinderpreise verliehen. In vier Kategorien
wurden Einzelerfinder und Teams ausgezeichnet, die einen außerordentlichen
Beitrag zur Innovation in Europa geleistet haben.
Die Jahreskonferenz der europäischen Patentinformationszentren, PATLIB2007,
fand im Mai in Sevilla statt und wurde von 450 Fachleuten für geistiges
Eigentum aus 41 Staaten, darunter 29 Mitgliedstaaten, besucht.
Im Oktober stellte das Amt auf der jährlichen Patentinformationskonferenz in
Riga 400 Patentrechercheuren und Informationsexperten ein Pilotprojekt für die
Humanübersetzung der Zusammenfassungen und Ansprüche chinesischer
Gebrauchsmuster aus ausgewählten technischen Gebieten vor.
Como war im November Austragungsort der Jahreskonferenz zu den Online-Diensten des
EPA. Die rund 500 Teilnehmer, zumeist Patentanwälte und Vertreter aus der Industrie,
befassten sich mit dem Thema der durchgängig elektronischen Bearbeitung und
hatten Gelegenheit, das erworbene Wissen in praxisbezogenen Workshops zu
vertiefen.
Im Juli und November organisierte das EPA ein jeweils eintägiges Forum in
Brüssel, das computerimplementierte bzw. biotechnologische Erfindungen zum Thema
hatte. Als Referenten konnten Fachleute aus dem Europäischen Parlament, der
Industrie und aus Nichtregierungsorganisationen gewonnen werden.
Im Rahmen seiner Patentsensibilisierungskampagne nahm das EPA 2007 an 21 Messen
und Ausstellungen teil, wo es 11 Präsentationen und Seminare mit den
Schwerpunkten Biotechnologie, Nanotechnologie und Computer abhielt. Darüber
hinaus präsentierte sich das Amt auf 11 weiteren Veranstaltungen, um für seine
Patentinformationsprodukte und -dienste zu werben.
Die europäische Eignungsprüfung fand im März
statt. Von den 2 311 Kandidaten legten letztendlich 2 045 die Prüfung ab; dies sind
4,5 % mehr als 2006. 407 Absolventen bestanden die Prüfung, was einer
Erfolgsquote von 20 % entspricht.
Im Jahresverlauf wurden 380 zugelassene Vertreter neu in die Liste aufgenommen,
306 wurden gelöscht und rund 1 200 beantragten eine Änderung ihrer Eintragung. Damit
betrug die Zahl der aktiven zugelassenen Vertreter in der Liste zum 31. Dezember
2007 insgesamt 8 866 gegenüber 8 792 im Vorjahr. 60 % von ihnen haben die
europäische Eignungsprüfung abgelegt. Fig. 1
Darüber hinaus wurden 20 neue Zusammenschlüsse von zugelassenen Vertretern eingetragen
und 6 gestrichen, womit sich ihre Gesamtzahl jetzt auf 220 beläuft. Die meisten
dieser Zusammenschlüsse sind in Deutschland angesiedelt, gefolgt von der Schweiz
und dem Vereinigten Königreich. Bei den Rechtsanwälten gab es 70
Neueintragungen, sodass nun insgesamt 1 216 Rechtsanwälte bevollmächtigt sind,
die Vertretung vor dem EPA wahrzunehmen.