Die spezifischen Fähigkeiten und Kompetenzen der beim EPA zugelassenen Vertreter sind ein wichtiger Baustein des europäischen Patentsystems. Mit ihrem Programmbereich "Zugelassene Vertreter" unterstützt und koordiniert die Akademie daher die Aus- und Fortbildungsveranstaltungen für die gleichnamige Zielgruppe; das Programm umfasst sowohl Maßnahmen für Berufsanfänger als auch Veranstaltungen zur kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung und sorgt damit für einen sehr hohen professionellen Standard.
Eine der Zielgruppen, für die der Programmbereich konzipiert wurde, sind Nachwuchskräfte, die sich auf die europäische Eignungsprüfung (EEP) vorbereiten, um eine Tätigkeit als zugelassene Vertreter aufnehmen zu können. Daneben werden auch zugelassene Vertreter mit langjähriger Erfahrung angesprochen, die die EEP-Kandidaten als Tutoren oder Betreuer begleiten. Bereits etablierte Patentvertreter erhalten ferner Unterstützung bei der Aneignung neuer Verfahren und Praktiken sowie bei der Erweiterung und Vertiefung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten.
Der Programmbereich pflegt eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut der beim Europäischen Patentamt zugelassenen Vertreter (epi), mit nationalen Patentämtern und Patentanwaltsverbänden sowie mit Kompetenzzentren für die Ausbildung von Patentvertretern wie dem Institut für internationalen gewerblichen Rechtsschutz (CEIPI) in Straßburg.
Ziel des Programmbereichs "Zugelassene Vertreter" ist es, dafür zu sorgen, dass alle Mitgliedstaaten gleichen Zugang zu Aus- und Fortbildungsmaßnahmen erhalten; der Schwerpunkt liegt dabei auf den Ländern, in denen die Erfolgsquote bei der EEP niedrig ist oder es nur wenig qualifizierte Vertreter gibt. Eine der Maßnahmen besteht darin, für die Prüfungskandidaten Schulungsunterlagen bereitzustellen, zu denen auch Online-Übungen gehören; mithilfe dieser Unterlagen können die Prüflinge ihre Lösungstechnik verbessern, mehr Sicherheit erwerben und sich gezielter auf die Anforderungen der Prüfung vorbereiten.
Bei der Prüfungsvorbereitung stehen den EEP-Kandidaten europaweit rund 200 Tutoren mit gezielter Hilfestellung zur Seite. Dieses Netz von Tutoren wird ständig erweitert, und die Tutoren erhalten ihrerseits die Unterstützung, die sie benötigen. Die Hauptverantwortung für die Vorbereitung und damit den Prüfungserfolg der Kandidaten tragen die Mentoren oder Betreuer, die junge Patentanwälte während ihres dreijährigen Praktikums vor Prüfungsantritt begleiten. Das Programm richtet sich auch an Betreuer in Patentanwaltskanzleien, die durch strukturierte Praxistipps und differenzierte Rückmeldungen unterstützt werden. In Zukunft sollen auch Schulungsangebote für Betreuer angeboten und ein regionales Betreuernetz geschaffen werden; dieses Netz soll für höhere Standards sorgen, die Solidarität innerhalb der Berufsgruppe fördern und eine Effizienzsteigerung ermöglichen.
Wenn der Europäischen Patentorganisation ein neuer Mitgliedstaat beitritt, müssen sich die nationalen Patentvertreter vor Ort vom erlernten nationalen Verfahren auf die europäischen Verfahren und Arbeitsweisen umstellen. Veranstaltungen für diese Zielgruppe müssen sehr praxisnah konzipiert sein: Sie sollen den Teilnehmern Gelegenheit geben, ihre Fähigkeiten zu optimieren, Feedback zu erhalten und fachliche Sicherheit zu erlangen.
Im Rahmen des Programmbereichs "Zugelassene Vertreter" nutzt die Akademie ihre einzigartige Stellung, um die im europäischen Raum existierenden optimalen Praktiken zusammenzutragen und diese Kenntnisse gewissermaßen mit Katalysatorwirkung weiterzuvermitteln. Dabei stützt sie sich zum einen auf die Kompetenz ihrer Partner, zu denen insbesondere das epi und das CEIPI zählen, zum anderen aber auch auf das Know-how des EPA.
Die hohen Standards der Branche werden durch die EEP gewährleistet. Nur durch eine fundierte Ausbildung und Betreuung der Prüfungskandidaten lässt sich der professionelle Nachwuchs heranziehen, der den Fortbestand der Berufsgruppe sichern kann.
Partner der Akademie in diesem Bereich sind Expertenpools in den einzelnen Ländern, die Schulungsveranstaltungen vor Ort unterstützen können. In neuen Mitgliedstaaten werden auch regionale Programme gefördert, die dafür sorgen sollen, dass diese Länder gleichberechtigten Zugang zu Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten haben. Eine Reihe regionaler Workshops, die im Rahmen des Programms ausgearbeitet wurden und über einen Zeitraum von 2 - 3 Jahren in mehreren Ländern durchgeführt werden, bieten Patentanwälten praktische Unterstützung und legen den Grundstein für künftige Schulungsveranstaltungen, die auf die Kompetenz vor Ort setzen.
Patentvertreter aus neuen Mitgliedstaaten haben bereits jetzt die Möglichkeit, sich bei Informationsbesuchen einen Einblick in die Arbeit des EPA zu verschaffen: sie können an mündlichen Verhandlungen teilnehmen, sich mit Prüfern austauschen und etwas über Arbeitsmethoden und neue Entwicklungen im EPA erfahren.