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Leitfaden für Anmelder, 2. Teil: PCT-Verfahren vor dem EPA (Euro-PCT-Leitfaden)

 
 
Anmeldungen mit Bezugnahme auf biologisches Material
147
Nach dem PCT wird die Frage, ob eine internationale Anmeldung eine Bezugnahme auf hinterlegtes biologisches Material enthalten muss, durch das nationale Recht der Bestimmungsstaaten geregelt. Der PCT schreibt jedoch den Inhalt einer ggf. erforderlichen Bezugnahme vor und setzt die Frist fest, in der sie vorzulegen ist.
PCT-Leitfaden der WIPO,  
11.075 - 11.087 
ABl. 2010, 506
Abschnitt 209 
PCT-Verw.vorschr.  
148
Eine den Erfordernissen des PCT entsprechende Bezugnahme auf biologisches Material ist im Hinblick auf ihren Inhalt und den Zeitpunkt ihrer Einreichung von jedem Bestimmungsamt als mit den Erfordernissen des nationalen Rechts übereinstimmend anzusehen. Jedoch können nationale Anforderungen in Bezug auf den Inhalt noch hinzukommen und zu PCT-Anforderungen werden, wenn dem IB davon Mitteilung gemacht wird. Das EPA hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht (vgl. 149 - 150).
149
Das EPA hat dem IB mitgeteilt, dass in Fällen, in denen das biologische Material nicht vom Anmelder, sondern von einem Dritten hinterlegt wurde, Name und Anschrift des Hinterlegers in der internationalen Anmeldung anzugeben sind. Außerdem sind innerhalb von 16 Monaten nach dem Prioritätsdatum Urkunden vorzulegen, dass der Hinterleger 
den Anmelder ermächtigt hat, auf das biologische Material Bezug zu nehmen, und
vorbehaltlos und unwiderruflich seine Zustimmung erteilt hat, dass dieses Material der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
150
Eine solche Vollmacht wird jedoch nicht benötigt, wenn der Hinterleger seine Rechte am hinterlegten Material dem Anmelder spätestens am Anmeldedatum übertragen hat. In diesem Fall ist die Urkunde über den Rechtsübergang vorzulegen. Weitere Informationen finden sich in Anhang L des PCT-Leitfadens der WIPO sowie im Leitfaden für Anmelder, Teil 1, 76 ff. 
151
Wird ein Erfordernis im Zusammenhang mit einer Bezugnahme auf biologisches Material nicht innerhalb von 16 Monaten nach dem Prioritätsdatum der Anmeldung erfüllt, so kann dies im Verfahren vor dem EPA als Bestimmungsamt, d. h. beim Eintritt in die europäische Phase, nicht korrigiert werden. Folglich kann die internationale Anmeldung im Prüfungsverfahren vor dem EPA als Bestimmungsamt/ ausgewähltem Amt wegen unzureichender Offenbarung zurückgewiesen werden.
152
Angaben über hinterlegtes biologisches Material, die nicht in der Beschreibung enthalten sind, können auf einem gesonderten Formblatt (PCT/RO/134) gemacht werden (Feld Nr. IX, Kästchen 7 des PCT-Antragsformblatts). Dieses Formblatt ist auch dann zu verwenden, wenn der Anmelder wünscht, dass Proben nur an einen Sachverständigen herausgegeben werden. 
153
Das EPA gibt Proben des biologischen Materials nach Maßgabe der Regel 33 EPÜ heraus. Wenn die Erfordernisse der Regel 33 EPÜ erfüllt sind, macht es daher als Bestimmungsamt vom Tag der Veröffentlichung der internationalen Anmeldung an, d. h. in der internationalen Phase, Proben des biologischen Materials für Dritte zugänglich. Das EPA hat dem IB mitgeteilt, dass der Anmelder, wenn er wünscht, dass das biologische Material nur durch Herausgabe einer Probe an einen vom Antragsteller benannten Sachverständigen zugänglich gemacht wird, das IB vor Abschluss der technischen Vorbereitungen für die Veröffentlichung der internationalen Anmeldung entsprechend informieren muss, wenn eine solche Veröffentlichung in einer der Amtssprachen des EPA erfolgt. Wurde die internationale Anmeldung nicht in einer Amtssprache des EPA veröffentlicht, so kann die Mitteilung über die Sachverständigenlösung noch bis zum Abschluss der technischen Vorbereitungen für die Veröffentlichung der Übersetzung dieser Anmeldung eingereicht werden. Die Wahl der Sachverständigenlösung wird dann auf dem Deckblatt der veröffentlichten Übersetzung der Anmeldung bekannt gegeben.
ABl. 1992, 470
ABl. 2010, 498
PCT-Newsletter, 
7-8/2010, 6 
11/2011, 5