T 0073/88 (Snack-Produkt) vom 07.11.1989
- Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
- ECLI:EP:BA:1989:T007388.19891107
- Datum der Entscheidung
- 7. November 1989
- Aktenzeichen
- T 0073/88
- Antrag auf Überprüfung von
- -
- Anmeldenummer
- 81301707.6
- IPC-Klasse
- A23L 1/10
- Verfahrenssprache
- Englisch
- Verteilung
- Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
- Download
- -
- Amtsblattfassungen
- Weitere Entscheidungen für diese Akte
- -
- Zusammenfassungen für diese Entscheidung
- -
- Bezeichnung der Anmeldung
- -
- Name des Antragstellers
- Howard
- Name des Einsprechenden
- Flessner; Convent
- Kammer
- 3.3.01
- Leitsatz
1. Ein technisches Merkmal im Anspruch eines europäischen Patents, das für die Bestimmung des Schutzumfangs wesentlich ist, ist nicht zwangsläufig auch für die Feststellung der Priorität wesentlich.
Ob ein bestimmtes Merkmal für Prioritätszwecke wesentlich ist und deshalb in der Prioritätsunterlage konkret offenbart sein muß, hängt davon ab, in welchem Zusammenhang es zum Wesen und zur Art der Erfindung steht. Steht ein Anspruchsmerkmal nicht in Zusammenhang mit der Funktion und der Wirkung der Erfindung, dann steht es auch nicht in Zusammenhang mit ihrem Wesen und ihrer Art, und sein Fehlen in der Offenbarung der Prioritätsunterlage hat keinen Prioritätsverlust zur Folge, sofern sich der Anspruch ansonsten im wesentlichen auf dieselbe Erfindung bezieht, die auch in der Prioritätsunterlage offenbart ist (in Fortbildung der Entscheidungen T 81/87 und T 301/87).
2. Stellt ein technisches Merkmal im Anspruch eines europäischen Patents eine besondere Ausführungsform eines in der Prioritätsunterlage mehr allgemein offenbarten Merkmals dar, dann führt dies nicht zum Prioritätsverlust, sofern durch dieses besondere technische Merkmal das Wesen und die Art der beanspruchten Erfindung nicht verändert werden, die Erfindung also im wesentlichen dieselbe bleibt wie in der Prioritätsunterlage.
3. Wird im Einspruchsverfahren dem Antrag eines Patentinhabers auf Aufrechterhaltung des Patents von der Einspruchsabteilung stattgegeben, so steht ihm gegen eine ihn belastende Feststellung in der Entscheidung (hier: zu seinem Prioritätsanspruch) keine Beschwerde zu, weil er durch die Entscheidung nicht im Sinne des Artikels 107 EPÜ beschwert ist (im Anschluß an die Entscheidung J 12/85, ABl. EPA 1986, 155). Wurde allerdings die Beschwerde von einem Einsprechenden eingelegt und will der Patentinhaber geltend machen, daß die belastende Feststellung unrichtig ist, so sollte er die Gründe für diese Behauptung in seiner Stellungnahme zur Beschwerdebegründung nach Regel 57 (1) EPÜ im Wege einer Anschlußbeschwerde vorbringen.
- Relevante Rechtsnormen
- European Patent Convention Art 107 1973European Patent Convention Art 87 1973European Patent Convention Art 88 1973European Patent Convention Art 89 1973
- Schlagwörter
- Beschwerde - Einsprechender auch ohne Einlegung einer Beschwerde am Beschwerdeverfahren beteiligt
Gleichbehandlung aller Beteiligten
Beschwert - Patentinhaber im Einspruchsverfahren
Priorität - Disclaimer - zusätzliches Merkmal im Anspruch kein Zusammenhang zum Wesen und zur Art der Erfindung - Orientierungssatz
- -
- Zitierte Akten
- -
- Zitierende Akten
- G 0001/97G 0002/98T 0604/89T 0268/90T 0551/90T 0678/90T 0886/91T 0131/92T 0491/92T 0500/92T 0573/92T 0893/92T 0923/92T 1054/92T 0296/93T 0669/93T 1052/93T 1056/93T 1082/93T 0134/94T 0178/94T 0413/94T 0088/95T 0364/95T 0707/96T 0188/97T 0218/97T 0909/97T 0109/99T 0507/99T 0199/00T 0961/00T 1072/00T 0244/01T 0454/01T 1147/01T 0084/02T 0424/02T 0404/03T 0790/03T 0001/04T 1178/04T 1213/05T 0902/07T 0840/09T 0557/13T 1852/13T 0558/16T 0956/19T 0613/22
ENTSCHEIDUNGSFORMEL
Aus diesen Gründen wird entschieden:
1. Die Entscheidung der Einspruchsabteilung wird aufgehoben.
2. Die Sache wird an die erste Instanz mit der Auflage zurückverwiesen, das Patent in der in der mündlichen Verhandlung eingereichten, geänderten Fassung aufrechtzuerhalten.
3. Die von der Beschwerdeführerin 2 entrichtete Beschwerdegebühr ist zurückzuerstatten.