T 0923/92 (menschlicher tPA) vom 08.11.1995
- Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
- ECLI:EP:BA:1995:T092392.19951108
- Datum der Entscheidung
- 8. November 1995
- Aktenzeichen
- T 0923/92
- Antrag auf Überprüfung von
- -
- Anmeldenummer
- 83302501.8
- IPC-Klasse
- C12N 15/00
- Verfahrenssprache
- Englisch
- Verteilung
- Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
- Download
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- Amtsblattfassungen
- Weitere Entscheidungen für diese Akte
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- Zusammenfassungen für diese Entscheidung
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- Bezeichnung der Anmeldung
- Human tissue plasminogen activator, pharmaceutical compositions containing it, processes for making it, and DNA and transformed cell intermediates therefor
- Name des Antragstellers
- GENENTECH
- Name des Einsprechenden
- KabiVitrum AB
The Wellcome Foundation Limited
Celltech Limited
Toyo Boseki Kabushiki Kaisha
Behringwerke Aktiengesellschaft
Boehringer Mannheim GmbH - Kammer
- 3.3.04
- Leitsatz
1. Für den Fachmann ist ein Verweis auf eine bestimmte Aminosäuresequenz in einem Anspruch ein echtes technisches Merkmal, das die Erfindung kennzeichnet. Einem solchen Anspruch steht nach Artikel 87 EPÜ nicht die Priorität einer früheren Anmeldung zu, in der die betreffende Aminosäuresequenz nicht offenbart war (s. Nrn. 8 und 16 der Entscheidungsgründe).
2. Ein Anspruch für ein Verfahren, das die Herstellung eines Proteins umfaßt, das die Funktion eines menschlichen Gewebeplasminogenaktivators (tPA) besitzt, ist ohne nähere Angaben darüber, welche der zahlreichen Funktionen von menschlichem tPA gemeint sind, nach den Artikeln 83 und 84 EPÜ nicht gewährbar. Der Fachmann wüßte nämlich sonst nicht, ob ein Derivat, das nur eine der für dieses Molekül typischen Funktionen besitzt, unter den Schutzbereich des Anspruchs fällt. Zudem ist das Erfordernis des Artikels 83 EPÜ nicht erfüllt, wenn sich der Anspruch - ausgehend von der breitestmöglichen Bedeutung der darin enthaltenen funktionellen Definition - auf eine Erfindung bezieht, die ein Fachmann mit seinem allgemeinen Fachwissen anhand der Beispiele und Angaben in der Patentschrift nicht ohne unzumutbaren Aufwand im gesamten beanspruchten Bereich ausführen kann (s. Nr. 27 der Entscheidungsgründe).
3. Liegen eine Beschreibung mit ausreichenden Angaben zur Herstellung von menschlichem tPA und ein Anspruch vor, der auf Derivate von menschlichem tPA gerichtet ist und einen Hinweis darauf enthält, auf welche Funktionen diese getestet werden sollen, so kann vom Fachmann erwartet werden, daß er ohne erfinderisches Zutun oder unzumutbaren Aufwand in der Lage ist, durch Aminosäuredeletion, -substitution, -insertion, -addition oder -austausch Derivate von menschlichem tPA herzustellen und zu testen, welche dieser Derivate den funktionellen Anforderungen entsprechen, so daß die beanspruchte Erfindung im Sinne des Artikels 83 EPÜ ausreichend offenbart ist (s. Nrn. 44 und 45 der Entscheidungsgründe).
- Relevante Rechtsnormen
- European Patent Convention Art 123 1973European Patent Convention Art 54 1973European Patent Convention Art 56 1973European Patent Convention Art 83 1973European Patent Convention Art 84 1973European Patent Convention Art 87 1973European Patent Convention Art 88 1973
- Schlagwörter
- Hauptantrag - Bestehen des Prioritätsrechts (verneint) - Sequenzunterschiede
Neuheit (verneint)
Hilfsanträge 1 und 2 - mangelnde Klarheit (bejaht)
Unzureichende Offenbarung (bejaht)
Hilfsantrag 3 - formale Zulässigkeit (bejaht)
Reformatio in peius (verneint)
Bestehen des Prioritätsrechts (bejaht)
Ausreichende Offenbarung (bejaht)
Neuheit (bejaht)
Erfinderische Tätigkeit (bejaht) - keine guten Erfolgsaussichten - Orientierungssatz
- -
- Zitierte Akten
- G 0011/91G 0009/92G 0004/93T 0292/85T 0161/86T 0281/86T 0081/87T 0269/87T 0301/87T 0073/88T 0212/88T 0816/90T 0184/91T 0409/91T 0435/91T 0626/91T 0065/92T 0223/92T 0296/93T 0412/93
- Zitierende Akten
- G 0001/99T 0311/93T 0386/94T 0916/94T 0078/95T 0542/95T 1002/95T 0223/96T 0315/97T 0333/97T 0148/98T 0120/00T 0753/00T 0966/00T 1074/00T 0118/01T 0351/01T 0030/02T 0940/02T 0666/05T 0710/05T 1213/05T 0250/06T 0418/07T 0902/07T 2049/07T 2224/08T 0501/09T 1484/11T 3037/19T 0056/21T 1669/21
ENTSCHEIDUNGSFORMEL
Aus diesen Gründen wird entschieden:
1. Die angefochtene Entscheidung wird aufgehoben.
2. Die Sache wird mit der Anordnung an die erste Instanz zurückverwiesen, das Patent auf der Grundlage der Ansprüche 1 - 15 für alle Staaten außer Österreich und der gesonderten Ansprüche 1 - 15 für Österreich gemäß dem in der mündlichen Verhandlung eingereichten neuen Hilfsantrag 3 aufrechtzuerhalten.