European Patent Office

T 0241/95 (Serotoninrezeptor) vom 14.06.2000

Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
ECLI:EP:BA:2000:T024195.20000614
Datum der Entscheidung
14. Juni 2000
Aktenzeichen
T 0241/95
Antrag auf Überprüfung von
-
Anmeldenummer
91302599.5
IPC-Klasse
A61K 31/135
Verfahrenssprache
Englisch
Verteilung
Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
Amtsblattfassungen
Weitere Entscheidungen für diese Akte
-
Zusammenfassungen für diese Entscheidung
-
Bezeichnung der Anmeldung
Use of R-Fluoxetine as selective serotonin IC-receptor ligands
Name des Antragstellers
ELI LILLY AND COMPANY
Name des Einsprechenden
-
Kammer
3.3.02
Leitsatz

I. Die selektive Belegung eines Rezeptors als solche kann nicht als therapeutische Anwendung angesehen werden; die Entdeckung, daß ein Stoff selektiv an einen Rezeptor bindet, stellt zwar einen wichtigen Beitrag zum wissenschaftlichen Kenntnisstand dar, muß jedoch in Form einer definierten, tatsächlichen Behandlung eines pathologischen Leidens zur praktischen Anwendung kommen, um als technischer Beitrag zum Stand der Technik und damit als patentfähige Erfindung zu gelten (s. Nr. 3.1.2 der Entscheidungsgründe).

II. Ist ein Anspruch auf eine weitere therapeutische Anwendung eines Arzneimittels gerichtet und ist das zu behandelnde Leiden funktionell definiert, z. B. als Leiden, das durch die selektive Belegung eines bestimmten Rezeptors gemildert oder dem dadurch vorgebeugt werden kann, so kann der Anspruch nur dann als deutlich gelten, wenn aus den Patentdokumenten oder dem allgemeinen Fachwissen eine technische Lehre in Form experimenteller Untersuchungen oder sonstiger in Versuchen überprüfbarer Kriterien zu entnehmen ist, anhand deren der Fachmann beurteilen kann, welche Leiden durch die funktionelle Definition erfaßt werden und damit in den Schutzbereich des Anspruchs fallen (s. Nr. 3.1.1 der Entscheidungsgründe) (in Anlehnung an T 68/85, Synergistische Herbizide/CIBA-GEIGY, ABl. EPA 1987, 228).

Schlagwörter
Hauptantrag: Deutlichkeit der funktionellen Definition (verneint)
Erster Hilfsantrag: Neuheit (verneint); therapeutische Wirkung bei Tieren bereits beschrieben
Zweiter Hilfsantrag: bestimmte, von der Prüfungsabteilung nicht geprüfte Krankheiten - Zurückverweisung an die erste Instanz
Orientierungssatz
-
Zitierte Akten
T 0068/85T 0158/96

ENTSCHEIDUNGSFORMEL

Aus diesen Gründen wird entschieden:

1. Die angefochtene Entscheidung wird aufgehoben.

2. Die Sache wird zur weiteren Entscheidung auf der Grundlage des zweiten Hilfsantrags, wie er in der mündlichen Verhandlung vorgelegt wurde, an die erste Instanz zurückverwiesen.