In
T 4/98 (ABl. 2002, 139) waren die unabhängigen Ansprüche in der "schweizerischen Anspruchsform" abgefasst. Das Merkmal, das die Einspruchsabteilung als eine bestimmte neue therapeutische Anwendung wertete, bezog sich aber auf die Verabreichung eines unbestimmten therapeutischen Mittels in liposomal verkapselter Form in einer Menge, die mindestens dreimal (oder zehnmal) so hoch ist wie die therapeutisch wirksame Menge dieses unbestimmten therapeutischen Mittels zur Behandlung einer unbestimmten Krankheit bei einem nicht näher bestimmten Individuum. Nach Ansicht der Kammer könne das Konzept der zweiten oder weiteren medizinischen Verwendung nach Maßgabe der in
G 1/83 (ABl. 1985, 60) aufgestellten Grundsätze und der späteren Rechtsprechung nur auf Ansprüche angewendet werden, die sich auf die Verwendung eines Stoffs oder Stoffgemischs zur Herstellung eines Arzneimittels bezögen, das zur Anwendung in einem in
Art. 52 (4) EPÜ 1973 genannten Verfahren bestimmt sei. Die Begriffe "Therapie" oder "therapeutische Anwendung" schlössen die Behandlung einer konkreten Krankheit mit einem bestimmten chemischen Stoff oder Stoffgemisch bei einem bestimmten menschlichen oder tierischen Individuum ein, das dieser Behandlung bedürfe. Stehe nicht wenigstens fest, i) welche Krankheit behandelt oder welchen Beschwerden abgeholfen werden solle, ii) welcher Art das für die Behandlung oder Heilung der Krankheit eingesetzte therapeutische Mittel sei oder iii) welches Individuum behandelt werden solle, so könne ein reines Verfahrensmerkmal nicht als Angabe einer bestimmten Behandlungsmethode oder therapeutischen Anwendung im Sinne des
Art. 52 (4) EPÜ 1973 (jetzt
Art. 53 c) EPÜ) verstanden werden. Somit gelangte die Kammer zu dem Schluss, dass der Gegenstand der unabhängigen Ansprüche als nicht therapeutische technische Tätigkeit (Verfahren) zu interpretieren sei. Das Merkmal der "Dreifachdosis" könne dann nur als eines der Verfahrensmerkmale verstanden werden, durch die das beanspruchte Verfahren gekennzeichnet sei (vgl. hierzu unten
T 1020/03, in der die in
T 4/98 festgehaltene Definition des Begriffs "Therapie" in Frage gestellt wurde).