R. 131 EPÜ enthält im Vergleich zur vorherigen Fassung (R. 83 EPÜ 1973) nur kleine redaktionelle Änderungen (s. ABl. SA 5/2007).
In der Entscheidung J 14/86 (ABl. 1988, 85) beschäftigte sich die Juristische Beschwerdekammer mit der Frage der Berechnung von Fristen nach R. 83 EPÜ 1973 und stellte Folgendes klar: In R. 83 (2) EPÜ 1973 sei der Beginn für alle Fristen als der Tag definiert, der auf das fristauslösende Ereignis folge; dies dürfe jedoch nicht dahin gehend ausgelegt werden, dass zu den in Wochen, Monaten oder Jahren ausgedrückten Fristen ein Tag hinzugefügt, d. h. aus Billigkeitsgründen ein zusätzlicher Tag gewährt werden müsse. Der Zeitpunkt des Ablaufs von Fristen, die in Wochen, Monaten oder Jahren ausgedrückt seien, ergebe sich aus R. 83 (3) bis (5) EPÜ 1973. Darin werde in Verbindung mit Absatz 2 eindeutig festgelegt, dass die Fristen nach vollen Wochen, Monaten oder Jahren berechnet werden und nicht verkürzt oder verlängert werden dürfen (s. auch J 9/82, ABl. 1983, 57).
Die Berechnung der Fristen nach R. 80 PCT erfolgt in gleicher Weise, obwohl die Formulierung dieser Regel die Verständnisschwierigkeiten, die R. 83 EPÜ 1973 aufwerfe, weitgehend vermeidet.
In der Entscheidung J 13/88 gibt die Juristische Beschwerdekammer unter Hinweis auf die Rechtsprechung ein Beispiel zur Berechnung von Fristen. In dem betreffenden Fall musste die Prioritätsfrist von 12 Monaten berechnet werden. Das Ereignis, aufgrund dessen der Fristbeginn festgelegt wird, ist der Anmeldetag der Anmeldung, deren Priorität in Anspruch genommen wird; im vorliegenden Fall war dies der 5.5.1986. Die Frist nach Art. 87 EPÜ 1973 wird in Monaten ausgedrückt; sie endete in dem maßgeblichen folgenden Monat, also im Mai 1987, an dem Tag, der durch seine Zahl dem Tag entspricht, an dem das Ereignis eingetreten ist, also am 5.5.1987 (R. 83 (2) i. V. m. R. 83 (4) EPÜ 1973).
T 2056/08 betrifft die Berechnung der Frist für die Einlegung einer Beschwerde in Verbindung mit einer Zehntagesfrist für die Zustellung durch die Post. Die Kammer stellte fest, dass die in Art. 108 EPÜ vorgesehene Frist von zwei Monaten ab dem Tag der mutmaßlichen oder tatsächlichen Zustellung läuft. Wenn eine Faustregel zur Berechnung der Beschwerdefrist vorgeschlagen werden könne, so solle diese "zehn Tage plus zwei Monate" lauten und nicht "zwei Monate plus zehn Tage".
Ausführungen zum fristauslösenden Ereignis bei Wiedereinsetzung in den vorigen Stand finden sich in Kapitel VI.E.3.2.1; zum fristauslösenden Ereignis "Zustellung" in Kapitel VI.K.5; zur maßgeblichen Anknüpfung der Berechnung der Frist nach Art. 78 (2) EPÜ 1973 (neue R. 38 EPÜ) s. J 13/04.