Das EPÜ verlange kein eigenes Interesse des Einsprechenden am Ausgang des Einspruchsverfahrens. Laut Art. 99 (1) EPÜ 1973 (grundsätzlich unverändert) ist "jedermann" zur Einlegung des Einspruchs berechtigt. Bereits in G 1/84 (ABl. 1985, 299) befand die Große Beschwerdekammer, dass die Beweggründe des Einsprechenden im Prinzip unerheblich seien (andernfalls hätte man zweifelsohne anstelle des Wortes "jedermann" die Worte "jeder Betroffene" gesetzt), während seine Identität in erster Linie verfahrenstechnische Bedeutung habe (ähnlich T 635/88, ABl. 1993, 608 und T 590/93, ABl. 1995, 337). Im Anschluss an diese Rechtsprechung führte die Kammer in T 798/93 (ABl. 1997, 363) aus, dass das EPÜ und die darauf fußenden Bestimmungen die Einspruchsberechtigung nicht von bestimmten persönlichen Gegebenheiten oder von besonderen Interessen abhängig machen. Anträge, den Einspruch als unzulässig zu verwerfen, sind daher zurückzuweisen, wenn dem Einsprechenden - wie im vorliegenden Fall - entweder ein bestimmtes Faktum wie sein Beruf (zugelassener europäischer Vertreter) oder sein technisches Fachgebiet (anderes Gebiet als beim angefochtenen Patent) oder mangelndes Interesse (Erklärung des Einsprechenden, dass er sich nur fortbilden wolle) vorgehalten werden.
In G 3/97 und G 4/97 (ABl. 1999, 245 und 270) wurde diesbezüglich ausgeführt, dass der Einspruch vom Gesetzgeber ausdrücklich als Popularrechtsbehelf ausgestaltet wurde, der nach Art. 99 (1) EPÜ 1973 (grundsätzlich unverändert) "jedermann" offen steht. Die Notwendigkeit der Darlegung eines wie immer gearteten Interesses des Einsprechenden an der Vernichtung des Patents wäre damit nicht vereinbar. Die Motive des Einsprechenden sind für das EPA unbeachtlich, dies jedenfalls solange, als sich nicht aus zusätzlichen Umständen ein missbräuchliches Verhalten ergibt.