Ein lebender Pass

Finalist in der Kategorie "KMU" beim "European Inventor of the Year 2009"

Dank John Daugmans Patent aus dem Jahr 2001 hat die Iriserkennung den Bereich der Science Fiction verlassen und im realen Leben Fuß gefasst. Der 52-jährige Professor an der Universität Cambridge hat einen Computer-Algorithmus entwickelt, der die Iris in eine Art digitale Unterschrift verwandelt.

John Daugman

Auf einen Blick

Erfinder: John Daugman (GB)

Erfindung: Iriserkennung

Sektor: Sicherheit

Unternehmen: Universität Cambridge

Was wäre, wenn Reisepässe überflüssig würden? Wenn man sich keine Passwörter, Türcodes oder andere Informationen mehr merken müsste, die das menschliche Gehirn doch so leicht vergisst? Und was wäre, wenn man nur durch einen Blick in eine Computerkamera Türen öffnen und Kontrollen passieren könnte?

Alle früheren Versuche, ein solches Augenerkennungssystem zu entwickeln, sind an den Zufallsmustern der menschlichen Iris gescheitert - Computer konnten sie einfach nicht erkennen.

Gelöst wurde das Puzzle schließlich vom britischen Erfinder John Daugman.

Er kam auf die Idee, dass gerade dieser Zufallscharakter der Schlüssel zur Lösung sein könnte.

1990 begann Daugman mit der Entwicklung eines Algorithmus, dem eine Art umgekehrter Ansatz zugrunde lag. Wer in Daugmans "Algorithmuskamera" blickt, besteht die Prüfung auf statistische Unabhängigkeit gegenüber einer Abbildung seines Auges nicht; gegenüber jedem anderen Auge wird diese Prüfung aber garantiert bestanden.

Das System funktioniert nur, wenn die betreffende Person in einer Datenbank registriert ist, anhand deren das Iriserkennungssystem ermittelt, wer vor der Kamera steht. Dies geschieht mit atemberaubender Geschwindigkeit: rund eine Sekunde für eine Million Abgleiche.

Diese Technologie findet immer mehr Anklang bei Regierungen, die sie als Ergänzung zu strengen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen und an Grenzübergängen einsetzen. Weil Irismuster viel stärker zufallsbestimmt sind als Fingerabdrücke, ist die Wahrscheinlichkeit von Verwechslungen hier wesentlich geringer.

Am Flughafen Schiphol in Amsterdam können Passagiere, die sich für das Iriserkennungsprogramm registriert haben, einreisen, ohne einem Beamten ihren Ausweis zeigen zu müssen. Stattdessen blicken sie einfach in eine Iriskamera, und die Schranke öffnet sich automatisch.

Im Vereinigten Königreich war bei einem ähnlichen Augenerkennungssystem im Jahr 2008 der Millionste Reisende zu verzeichnen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten kommt bei der Einreise ebenfalls ein vernetztes Iriserkennungssystem zum Einsatz. Laut dem dortigen Innenministerium hat das System bis 2007 über fünf Billionen Abgleiche vorgenommen, ohne dass auch nur eine Fehlentscheidung getroffen wurde.

Heute entwickelt Daugman sein System laufend weiter. Außerdem ist er als Berater für Unternehmen tätig, die seine Algorithmen einsetzen, und lehrt wieder in Cambridge.

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