Krebs schonend besiegen

Finalist in der Kategorie KMU beim "European Inventor 2010"

Wissenschaftler des französischen Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM) haben ein minimalinvasives Verfahren zur Zerstörung von Prostatakrebszellen entwickelt, bei dem das umliegende Gewebe nicht geschädigt wird. Mittlerweile wird das vom Medizintechnik­unternehmen EDAP TMS vermarktete Verfahren bei Krebspatienten in aller Welt eingesetzt.

Film

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Interview

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Interview transcript

Auf einen Blick:

Erfinder: Albert Gelet, Jean-Yves Chapelon, Dominique Cathignol und Emmanuel Blanc, Frankreich

Erfindung: Therapeutische Sonde zur Behandlung von Prostatakrebs

Sektor: Therapeutische Medizin/Medizintechnik

Unternehmen: Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM), EDAP TMS

Prostatakrebs ist heute der häufigste Krebs bei Männern in Europa. Jahr für Jahr erkranken allein hier 300 000 Männer an Prostatakrebs; weltweit sind es über 670 000.

Dank der Behandlungsfortschritte liegt die Fünfjahresüberlebensrate für Patienten mit Prostatakrebs in Europa mittlerweile bei 73,9 %. Doch viele Behandlungen sind sehr aggressiv und für die Patienten eine schwere Belastung.

Eine schonendere Behandlungsmethode ist der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU), der gemeinsam von den französischen INSERM-Wissenschaftlern Albert Gelet, Jean-Yves Chapelon, Dominique Cathignol und Emmanuel Blanc und dem Medizintechnikunternehmen EDAP TMS (vormals Technomed) entwickelt wurde.

Der Grundstein für diese Behandlungsmethode wurde Ende der 80er-Jahre gelegt, als das INSERM-Team damit begann, den Einsatz von Ultraschall zur Zerstörung von Krebsgewebe bei Prostatakarzinomen zu erproben. Ultraschall lässt sich sehr stark bündeln und damit auf einen eng begrenzten Bereich fokussieren, in dem die Krebszellen dann mit Temperaturen von 80 bis 100 °C abgetötet werden.

Der sogenannte hochintensive fokussierte Ultraschall oder kurz HIFU hat eindeutige Vorteile gegenüber anderen Therapieverfahren. Eine Behandlung mit Ultraschallwellen schädigt oft auch gesundes Nachbargewebe. Bei der HIFU-Methode dagegen wird - weil der Strahl so stark gebündelt und nicht ionisierend ist - das angrenzende Gewebe nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Die INSERM-Wissenschaftler entwickelten einen Geräteprototypen zur HIFU-Behandlung, den EDAP TMS dann zur Marktreife brachte und seither vertreibt. Das 1979 gegründete französische Unternehmen ist mittlerweile international führend auf dem Gebiet der HIFU-Behandlung.

2000 kam das HIFU-Gerät "Ablatherm" auf den Markt, dem die am INSERM geleistete Pionierarbeit zugrunde liegt. Mit dem robotergesteuerten Gerät, das einen bildgebenden und einen therapeutischen Schallwandler umfasst, werden seither Patienten in ganz Europa behandelt.

2009 lag die Zahl der HIFU-Behandlungen in den europäischen Krebszentren bei über 20 000. Das Unternehmen verkauft pro Jahr fünf bis zehn Ablatherm-Geräte, in erster Linie stellt es aber Mietgeräte für Eingriffe zur Verfügung.

Getragen vom europaweiten Erfolg des Ablatherm-Geräts, vermeldete EDAP TMS in den ersten drei Quartalen 2009 einen Umsatz von 16,8 Mio. EUR (23 Mio. USD) und damit eine Steigerung von insgesamt 19,8 % gegenüber dem Vorjahr. Die HIFU-Sparte des Unternehmens allein erwirtschaftete 6,3 Mio. EUR (8,7 Mio. USD). Das Unternehmen hat vor, die HIFU-Technologie so weiterzuent­wickeln, dass sie auch bei anderen Krebsarten eingesetzt werden kann.

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