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Ein natürlicher Kunststoff

Gewinner in der Kategorie KMU beim "European Inventor Award 2010"

Die deutschen Forscher Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (ICT) haben einen Kunststoff aus "flüssigem Holz" erfunden. Das Material, das von der Fraunhofer-Ausgründung Tecnaro zu Formteilen verarbeitet wird, hat das Potenzial, fossile Brenn­stoffe und natürliche Ressourcen zu schonen.

Film

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Interview

Pfitzer-NagelePreview (JPG)

Interview transcript

Auf einen Blick

Erfinder: Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele, Deutschland

Erfindung: Erneuerbarer Kunststoff Arboform

Sektor: Nachhaltige Fertigung

Unternehmen: Fraunhofer-Gesellschaft e. V., Tecnaro GmbH

Die Geschichte des Flüssigholzes begann 1992 in Rio de Janeiro, Brasilien. Dort nahmen Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele zusammen mit Vertretern aus 172 Ländern an der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED) - auch bekannt als Erdgipfel - teil.

Beflügelt durch diese Veranstaltung begannen Pfitzer und Nägele nach Werkstoffen zu suchen, die die Welt "grüner" machen könnten. Am Fraunhofer ICT stießen sie auf Lignin, eine im Holz vorkommen­de feste Substanz, die bei der Zellstoff- und Papierherstellung als Nebenprodukt anfällt.

Ligninquellen gibt es reichlich. Allein die Papierindustrie produziert rund 60 Millionen Tonnen im Jahr. In der Regel wird Lignin verfeuert oder zu Tierfutter und Zement weiterverarbeitet.  

Das ICT-Forschungsteam vermutete jedoch, dass dieser natürliche Rohstoff auch anderweitig genutzt werden könnte. Bald fand es heraus, dass Lignin in Verbindung mit Harzen, Flachs oder anderen Natur­fasern eine Masse bildet, die sich wie jeder andere thermoplastische Werkstoff verarbeiten lässt.

Der so entstandene Biokunststoff Arboform kann durch Spritzgießen in unterschiedlichste Formen gebracht werden. Er ist äußerst beständig und mit weitaus höherer Präzision formbar als herkömm­liche Kunststoffe.

Das wirklich Besondere an Flüssigholz aber ist, dass sich Arboform irgendwann - genau wie Holz - in die ökologisch unbedenklichen Bestandteile Wasser, Humus und CO2 zersetzt: ein klares Plus gegen­über den umweltschädlichen Rauchemissionen, die beim Verbrennen konventioneller Kunststoffe entste­hen.

1998 gründeten Pfitzer und Nägele auf Anraten des Fraunhofer-Instituts ein Spin-off-Unternehmen zur Vermarktung ihrer Erfindung. Die in Baden-Württemberg ansässige Firma Tecnaro beschäftigt inzwischen 14 Mitarbeiter und hat ihren Umsatz von 2005 bis 2009 verfünffacht.

Die Nachfrage nach Arboform explodiert geradezu. Dass dieses Material aussieht wie Holz, sich aber in runde Formen gießen lässt, macht es für Innenraumdesigner in der Automobilindustrie interessant. Tecnaro arbeitet mit Porsche, Daimler und Fischer Automotive an geeigneten Anwendungen.

Darüber hinaus wird Arboform zu Spielzeug, Möbeln, Uhrengehäusen, Designerlaut­sprechern - es hat holzähnliche akustische Eigenschaften -, biologisch abbaubaren Golftees und sogar Särgen verarbei­tet. Während herkömmliche Kunststoffe zwischen 1 und 5 EUR pro Kilo kosten, gibt es Arboform ab 2,50 EUR.

2009 hat Tecnaro 275 Tonnen Arboform und jede Menge anderer biologisch abbaubarer und erneuer­barer Polymere hergestellt. Helmut Nägele und Jürgen Pfitzer leiten Tecnaro als geschäftsführende Gesellschafter.

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