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Ingeborg Hochmair, Erwin Hochmair (Österreich)

Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2014

Ingeborg Hochmair, Erwin Hochmair (Austria)

Kategorie: Lebenswerk

Sektor: Medizintechnik

Unternehmen: MED-EL

Patentnummer: EP0076069

Erfindung: Cochlea-Implant für Gehörlose

Für das Verständnis von Gesprochenem ist das bloße Hören nicht alles: Auch über Tonfall oder Artikulierung des Sprechenden erhält das Gegenüber Informationen. Die Erfindung von Ingeborg und Erwin Hochmair - das Multikanal-Implantat - ermöglicht es Hörgeschädigten auf der ganzen Welt, Sprache als klare Signale und nicht nur als dumpfe Klänge wahrzunehmen.

Cochlear implant to restore hearing

Die Erfindung des Ehepaars setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: einem externen Prozessor, der akustische Signale in elektrische Impulse umwandelt, und dem eigentlichen Implantat, das diese Impulse ans Gehirn schickt. Das Implantat besteht aus einem Minicomputer, der Informationen vom Prozessor empfängt, und besonders ausgebildeten Elektroden, die diese Informationen weitergeben.

Anders als einkanalige Cochlea-Implantate, mit deren Hilfe Patienten nur vage Klänge unterscheiden können, gibt das mehrkanalige Implantat der Hochmairs seit 1980 völlig Gehörlosen oder stark Schwerhörigen ihren vollständigen Hörsinn wieder. Nach wie vor ist es das einzige Gerät, das je ein Sinnesorgan erfolgreich ersetzt hat.


Gesellschaftlicher Nutzen

Hörverlust gehört laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den sechs größten Leiden der Menschheit. Das Multikanal-Implantat überträgt alle Arten von Schallinformationen genau und ermöglicht es Hunderttausenden von Hörgeschädigten, Gesprochenes ohne Lippenablesen oder visuelle Reize wie Gesten zu verstehen.

Wirtschaftlicher Nutzen

MED-EL mit Sitz in Innsbruck (Österreich) ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Cochlea-Implantaten. Bis Dezember 2010 wurden 219 000 Menschen Cochlea-Implantate von MED-EL eingesetzt, was die wichtige Rolle des Unternehmens auf diesem Wachstumsmarkt deutlich macht.

Cochlea-Implantate sind das größte Segment auf dem Gesamtmarkt der Hörimplantate und erzeugten dort im Jahr 2010 über 80 % der Gesamterträge. Laut Prognosen wird der Gesamtmarkt für Cochlea-Implantate im Jahr 2017 bei 1,7 Milliarden Euro liegen - bei einer jährlichen Zuwachsrate von 14 %. Ursache dafür werden voraussichtlich das zunehmende Auftreten von Hörverlusten, die rasch wachsende Zahl potenzieller Patienten in Wachstumsmärkten wie China und Indien und technologische Fortschritte im Bereich der Cochlea-Implantate sein.

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    Erwin Hochmair, Ingeborg Hochmair

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    Ingeborg Hochmair, Erwin Hochmair

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    Cochlea-Implant für Gehörlose

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    Ingeborg Hochmair, Erwin Hochmair

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Funktionsweise

Bei einem Cochlea-Implantat nimmt ein Mikrofon Schallsignale auf und übermittelt sie an einen externen Minicomputer, der sie verarbeitet. Dabei werden sie in digitale Daten umgewandelt, die an den operativ implantierten Teil des Systems gesandt werden können. Das Implantat wandelt die Daten in elektrische Signale um und leitet sie an die Cochlea weiter, den für die Schallverarbeitung zuständigen Bereich des Innenohrs.

Beim Multikanal-Implantat der Hochmairs stimuliert eine Elektrodenanordnung an acht verschiedenen Stellen den Hörnerv. Die von ihnen entwickelten Elektroden sind wesentlich länger als bei anderen Implantaten und können so in die innersten Bereiche des Ohrs vordringen. Aufgrund ihrer Spiralform passen sich die Drähte flexibel in die Cochlea ein, ohne dort befindliche Nerven zu irritieren.

Die Erfinder

Ingeborg und Erwin Hochmair haben sich im Jahr 1975 an der Technischen Universität Wien kennengelernt und gemeinsam mit der Entwicklung des weltweit ersten mikroelektronischen Multikanal-Implantats begonnen. Schon zwei Jahre später konnte ihr erstes Gerät einem Patienten eingesetzt werden, und 1980 war die Erfindung vollendet.

1990 haben die beiden das Unternehmen MED-EL gegründet, dessen CEO Ingeborg Hochmair bis heute ist; Erwin Hochmair ist seit 1985 Professor für Angewandte Physik und Mikroelektronik an der Universität Innsbruck. Die Hochmairs sind das erste Ehepaar, das gemeinsam für den Europäischen Erfinderpreis nominiert ist.

Wussten Sie das?

Je nach Region der Welt werden bis zu drei von tausend Kindern mit einer Hörschädigung geboren. In den meisten Fällen ist der Hörnerv intakt, aber die Haarzellen, die die vom Schall produzierten Vibrationen in elektrische Signale umwandeln, fehlen oder sind geschädigt. Das Cochlea-Implantat der Hochmairs ermöglicht, dass Schalldaten unter Umgehung der geschädigten Cochlea direkt an das Gehirn übermittelt werden.

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