Kontakt

european-inventor@epo.org

Tel: +49 (0)89 2399 1830

Fax: +49 (0)89 2399 1835

Ebenfalls nominiert in dieser Kategorie:

Masahiro Hara and team (JP)

Masahiro Hara and team (JP)
QR Code

Charles W. Hull (US)

Charles W. Hull (US)
3D Druck

Weitere Beiträge

Cary L. Queen
Il Sole 24 Ore
Anticorpi su misura per l’uomo


Der Erfinder Ihrer Wahl wurde noch nicht ausgezeichnet?

Nominate your favorite inventor
  • Nominieren Sie einen Erfinder für den Europäischen Erfinderpreis 2015
 

Cary L. Queen, Harold E. Selick (US)

Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2014

Cary L. Queen

Kategorie: Außereuropäische Staaten

Sektor: Biotechnologie

Unternehmen: PDL BioPharma, Inc.

Patentnummer: EP0451216

Erfindung: Humanisierung von Antikörpern

Antikörper werden von unserem Immunsystem gebildet, um körperfremde Eindringlinge zu erkennen und Krankheiten zu bekämpfen. Den amerikanischen Forschern Cary L. Queen und Harold E. Selick ist es gelungen, Antikörper so zu "humanisieren", dass sie zu mindestens 90 % humane Sequenzen enthalten und damit wesentlich wirkungsvoller verschiedenste Krankheiten wie Krebs, Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis und Asthma abwehren können.

Digital image

Der menschliche Körper kann Bakterien und Viren, die häufige Erkrankungen wie Erkältungen oder Grippe verursachen, äußerst effizient erkennen und zerstören. Bei schwereren Krankheiten versagt das Immunsystem aber oft, was im Falle von Krebs bedeutet, dass sich entartete Zellen replizieren und verbreiten können.

Queen und Selick ist es gelungen, Antikörper so zu "humanisieren", dass sie zu mindestens 90 % humane Sequenzen enthalten und so Krebs und andere Krankheiten wesentlich wirkungsvoller abwehren können als frühere Formen künstlich hergestellter monoklonaler Antikörper. In Verbindung mit ihrem System für die Großproduktion und den klinischen Einsatz ihrer humanisierten Antikörper ist ihre Erfindung ein großer Schritt dahin, dass eine der schlimmsten Geißeln der Menschheit besiegt werden kann, und leitet eine neue Ära der gezielten Behandlung von Krankheiten ein.

Gesellschaftlicher Nutzen

Krebs ist die weltweit häufigste Todesursache: An dieser Krankheit sterben jedes Jahr 7,6 Millionen Menschen. Die humanisierten Antikörper von Cary L. Queen und Harold E. Selick helfen dem Körper, Krankheiten wie Krebs zu erkennen und zu bekämpfen, und werden dabei selbst nicht vom Immunsystem angegriffen. Auf ihrer Grundlage wurden mindestens neun von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA geprüfte Arzneimittel zur Behandlung von Krebs und anderen Krankheiten entwickelt, darunter Herceptin, das hauptsächlich bei der Behandlung von Brustkrebs eingesetzt wird, und Avastin, das erste Medikament auf der Basis monoklonaler Antikörper, das für die Behandlung von Lungenkrebs zugelassen wurde, und das Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Darm-, Brust- und Nierenkrebs.

Wirtschaftlicher Nutzen

Die Verkaufszahlen von Herceptin und Avastin sind seit 2006 massiv gestiegen und lagen im Jahr 2012 jeweils bei über 6 Milliarden USD. Bei Avastin betrug die Zunahme fast 200 % (von 2,12 Mrd. USD im Jahr 2006 auf 6,29 Mrd. USD im Jahr 2012), bei Herceptin über 130 % (von 2,75 Mrd. USD im Jahr 2006 auf 6,45 Mrd. USD im Jahr 2012).

PDL BioPharma (vormals Protein Design Labs) ist Inhaber des Patents für die Erfindung von Queen und Selick. Ein beträchtlicher Teil des Jahreseinkommens des Unternehmens stammt aus Lizenzgebühren für seine Technologie zur Humanisierung von Antikörpern. Insgesamt lagen die Lizenzeinnahmen von PDL BioPharma für acht Produkte, die auf dieser Technologie basieren, im Jahr 2013 bei über 400 Millionen USD.

  • Cary L. Queen

    Cary L. Queen

  • Cary L. Queen

    Cary L. Queen

  • Cary L. Queen

    Cary L. Queen

  • Cary L. Queen

    Cary L. Queen


Funktionsweise

Ein Antikörper besteht aus vier Aminosäureketten, die zu einem Y-förmigen Proteinmolekül verknüpft sind. Die beiden Spitzen des Y sind bei allen Antikörpern variabel. Sie fungieren als "Schlüssel", indem sie die Antigene - die fremden Toxine, die Krankheiten verursachen - binden, und geben dem Immunsystem das Signal, diese zu zerstören.

Zunächst vergleichen Cary L. Queen und Harold E. Selick die Aminosäuresequenzen an den Spitzen des Y des Antikörpers des Spenders (in der Regel einer Maus) mit einer Bibliothek von 10 bis 20 humanen Antikörpern. Aus dieser Bibliothek, die mittels rekombinanter DNA-Techniken in einem Labor erzeugt wurde, wird ein Antikörper ausgewählt, der die dem Spenderantikörper in dieser Region ähnlichste Struktur aufweist. Die menschliche Antikörper-Sequenz wird anstelle der Spendersequenz eingebracht, sodass das Zielantigen effizienter gebunden werden kann.

Die Erfinder

Cary L. Queen hat an der University of California, Berkeley in Mathematik promoviert. Nachdem er in den 1980er Jahren am Krebsinstitut der National Institutes of Health erstmals mit Antikörpern gearbeitet hatte und den Forschungsbereich bei Protein Design Labs leitete (das er mitgegründet hatte), war der Amateurpilot 2003 Mitgründer von Galaxy Biotech, dessen Geschäftsführer er heute ist.

Harold E. Selick hat an der University of Pennsylvania in Molekularbiologie promoviert. Nach verschiedenen Führungspositionen bei Protein Design Labs und anderen Biotechunternehmen ist er seit 2002 CEO von Threshold Pharmaceuticals, einem auf die Entdeckung und Entwicklung von Krebsmedikamenten spezialisierten Unternehmen. Der zweifache Familienvater ist seit 1974 Mitglied der amerikanischen Rudernationalmannschaft.

Wussten Sie das?

Mitte der 1970er Jahre stellten die Wissenschaftler César Milstein und Georges Köhler in Cambridge (Vereinigtes Königreich) den ersten Antikörper künstlich her, indem sie ein fremdes Antigen (das sie aus Schafsblut gewonnen hatten) in Mäuse einbrachten und die so entstandenen Antikörper entnahmen und in einer Zellkultur züchteten. Wenn diese Antikörper in den menschlichen Körper eingebracht wurden, konnten sie Eindringlinge erkennen, auf die das Immunsystem nicht ansprach. Weil aber auch die Mausantikörper für den menschlichen Körper fremd waren, lösten sie ebenfalls eine Immunreaktion aus - und dieses Problem besteht bei den von Queen und Selick entwickelten humanisierten Antikörpern nicht.

Quick Navigation