Nominierungen für den Europäischen Erfinderpreis 2011 bekannt gegeben

Europas prestigeträchtigster Innovationspreis wird in fünf Kategorien am 19. Mai in Budapest verliehen.

3. März 2011

Ob hochstabiler und dabei formflexibler Beton, eigenhändig verstellbare Brillengläser, die Reinigung von Trinkwasser durch UV-Strahlen, hoch effiziente Verbrennung von Biomasse, Transmissionsverstärker für Glasfaserkabel oder ein Verfahren zur Diagnose von Alzheimer-Genen: Die 15 Nominierten in den fünf Kategorien des Europäischen Erfinderpreises 2011 überzeugen auch in diesem Jahr durch wegweisende Lösungen auf den unterschiedlichsten technischen Gebieten.

"Die Nominierungen zum Europäischen Erfinderpreis 2011 belegen eindrucksvoll, dass europäische Unternehmen in vielen technischen Bereichen mit Spitzenprodukten überzeugen können", erklärte EPA-Präsident Benoît Battistelli.

"Der wirtschaftliche Erfolg der nominierten Erfindungen beruht zu einem wesentlichen Teil auf der konsequenten Nutzung europäischer Patente. Die Einnahmen aus den Patenten machen es den Unternehmen erst möglich, jedes Jahr Milliarden in Forschung und Entwicklung zu investieren. Diese Investitionen wiederum kommen der Gesellschaft insgesamt zunutze."

"Die Umsetzung technischer Kreativität in marktrelevante Innovationen ist eine wesentliche Fähigkeit zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Wettstreit. In einigen zukunftsträchtigen Bereichen, wie etwa der sauberen Energie, ist Europa in der Welt führend, in anderen können wir uns verbessern", erklärte Michel Barnier, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen.

"Erfinder gehören zu den Schlüsselfiguren unserer Wissensgesellschaft. Sie schaffen und sichern Millionen Arbeitsplätze und tragen damit wesentlich zur wirtschaftlichen Zukunft Europas bei. Es ist eine Schlüsselaufgabe der EU, die Innovationskraft dieser Unternehmen mit geeigneten Rahmenbedingungen langfristig zu sichern. Das EU-Patent trägt zur Vereinfachung und Transparenz des europäischen Patentsystems bei und ist deshalb ein wichtiger Schritt in diese Richtung."

Zahlreiche Vorschläge wurden beim EPA eingereicht und streng nach formalen und rechtlichen Kriterien geprüft. Aus den geprüften Vorschlägen wählte eine international hochrangig besetzte Jury, der unter anderem der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, angehört, die 15 Finalisten aus. Die wichtigsten Gesichtspunkte bei der Auswahl waren die technische Lehre, die ökonomischen Auswirkungen und die gesellschaftliche Relevanz der Erfindungen.

Am 19. Mai werden die Preise in den Kategorien "Industrie", "Forschung", "Kleine und Mittelständische Unternehmen", "Außereuropäische Staaten" und "Lebenswerk" im Rahmen einer großen Gala in der ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest überreicht.

Die Auszeichnung war bereits 2006 vom EPA mit Unterstützung der Europäischen Kommission ins Leben gerufen worden. Im laufenden Jahr wird die Veranstaltung vom EPA gemeinsam mit der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft und der EU-Kommission ausgerichtet.

Die Nominierungen

Kategorie "Industrie":

Ann Lambrechts, Bekaert (Belgien): Städte haben mit Hilfe ihrer Erfindung ihr Gesicht gewandelt: Dramix®, ein von ihr entwickeltes Stahlfasernetz, erhöht die Biege-Zugfestigkeit von Beton signifikant und hat dadurch Architekten auf der ganzen Welt mehr Gestaltungsfreiheit gegeben: Zahlreiche spektakuläre Neubauten konnten erst dank Ann Lambrechts Erfindung errichtet werden.

Stéphane Kemkenian, Pascal Cornic, Jean-Paul Artis und Philippe Lacomme, Thales Systèmes Aéroportés (Frankreich): Die Anzahl und Schwere von Auffahrunfällen konnte durch ein adaptives Geschwindigkeitsregelsystem auf der Basis von Radarstrahlen deutlich vermindert werden. Diese, im Wortsinne wegweisende, Technologie verbessert die Verkehrssicherheit.

Petr Korba und Mats Larsson, ABB Research (Schweiz): Ausfälle in Stromnetzen sorgen immer wieder für enorme wirtschaftliche Verluste und kosten auch Menschenleben. Ein intelligentes Schutzsystem zur frühzeitigen Erkennung elektrischer Spannungsschwankungen verhindert solche katastrophalen 'Blackouts' selbst in weitläufigen Stromnetzen.

Kategorie "Kleine und Mittelständische Unternehmen"

Leigh Canham, pSiMedica, QinetiQ (Großbritannien): Die Verwendung von winzigen Silikon-Implantaten mit Poren in Nano-Größe (Bio-Silikon) ermöglicht die zielgenaue Anwendung medizinischer und therapeutischer Wirkstoffe bei der Bekämpfung von Erkrankungen direkt am Organ (Brachytherapie), beispielsweise bei Tumoren.

Jens Dall Bentzen, Dall Energy Aps (Dänemark): Sein Spezialofen mit geringem Schadstoff- und Partikelausstoß verwertet Biobrennstoffe mit bis zu 60 Prozent Restfeuchtigkeit und ist deshalb für die umweltneutrale, hocheffiziente und somit kostengünstige Energiegewinnung aus Biomasse in Fabriken und Produktionsstätten interessant.

Béla Molnár und Team, 3DHistech (Ungarn): Aus der technischen Verbindung traditioneller Mikroskopie und digitaler Bildverarbeitung resultiert ein virtuelles dreidimensionales Mikroskopieren, das, auch aus der Ferne, die rasche Diagnose eines gescannten Gewebeschnitts durch Ärzte und Spezialisten ermöglicht.

Kategorie "Forschung"

Mart Min und Team, Tallinn University of Technology (Estland): Ein neuartiges Messverfahren für elektrischen Widerstand (Impedanz), welches die Analyse von verschiedenen Materialien und Gegenständen, von Blutgefäßen (Bioimpedanz) bis hin zur Energieversorgung bei Satelliten verbessert, hat vor allem die Diagnose von Herzerkrankungen signifikant erleichtert und so bereits viele Patientenleben gerettet.

Christine Van Broeckhoven, Vlaams Interuniversitair Instituut voor Biotechnologie, Belgien: Ihre Technologie zur Identifikation der Krankheitsgene bei Alzheimer-Patienten ist bahnbrechend für die Entwicklung von modernen Arzneimitteln und Therapien zur Behandlung von Alzheimer-Erkrankungen.

Joshua Silver (Großbritannien): Rund 121 Milliarden Euro erleidet die Wirtschaft laut WHO jährlich an Produktionsverlusten aufgrund unkorrigierter Sehfehler. Deren Korrektur mithilfe einer in der Sehstärke durch den Nutzer selbst ganz einfach anpassbaren Brille könnte bald nur noch einen Dollar kosten. 30 000 Menschen in den ärmsten Ländern der Welt tragen die Brille bereits.

Kategorie "Lebenswerk":

Per-Ingvar Brånemark (Schweden): Er ist einer der Pioniere der Osseointegration, einer heute nicht mehr wegzudenkenden Technik der Kieferchirurgie auf der Basis von Titanimplantaten. Diese Technik ermöglicht eine stabile Verbindung zwischen Implantat und dem Knochengewebe und ist heute Standard in den Zahnarztpraxen.

Blanka Říhová (Tschechische Republik): Die Mikrobiologin hat eine neue, schonende Form der Chemotherapie begründet, welche Krebszellen mit Hilfe einer Kombination aus Zellgiften und Antikörpern gezielt angreift und dabei die Zellen des Körpergewebes schont. Gleichzeitig wird die Entwicklung neuer Tumorzellen unterbunden, und das Immunsystem stimuliert.

Emanuel Desurvire (Frankreich): Seine wegweisende Arbeit auf dem Gebiet der Glasfaserkommunikation ermöglicht den sicheren Transfer umfangreicher Datenpakete in Höchstgeschwindigkeit. Im Mittelpunkt seiner Erfindung steht die Verstärkung von Lichtsignalen mithilfe des Metalls Erbium. Dadurch konnte der Rhythmus der Datenübertragung um den Faktor 100 verbessert werden. Diese Technologie ist heute Weltstandard für Glasfasernetze in der Telekommunikation. Ohne sie wäre das Internet in seiner heutigen Leistungsfähigkeit nicht denkbar.

Kategorie "Außereuropäische Staaten"

Gavriel Iddan, Given Imaging (Israel): In eine kleine Kapsel verpackt hat eine winzige Hochleistungskamera ein neues Zeitalter in der Endoskopie eingeläutet: Über 50 000 Bilder in einem achtstündigen Diagnosezyklus erfassen den gesamten Verdauungstrakt im 140°-Winkel.

Alexander Gorlov, Northeastern University (USA): Rund 90 Gigawatt an Elektrizität könnten durch die Nutzung von fließendem Wasser gewonnen werden. Gorlovs Wasserturbine enthält ein vertikal aufgehängtes Rad, das sich doppelt so schnell dreht wie konventionelle Turbinenräder. Es liefert bereits in sehr flachen und träge fließenden Gewässern elektrische Energie. In Korea beispielsweise werden bereits dank Gorlov-Turbinen ganze Städte mit Strom versorgt.

Ashok Gadgil, Vikas Garud, University of California/Lawrence Berkeley National Laboratory, WaterHealth International, USA/Indien: Ein leichtes, handliches Gerät zur Wasserdesinfektion mit Hilfe von UV-Strahlen, das bereits heute in armen Regionen mit Trinkwasserproblemen sowie in Katastrophengebieten erfolgreich zum Einsatz kommt.

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