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Fünfzehn Erfinder und ihre Teams für Europäischen Erfinderpreis nominiert

29. April 2014

Fünfzehn Erfinder und Erfinder-Teams dürfen sich Hoffnungen auf den renommierten Europäischen Erfinderpreis 2014 machen. Der Preis gilt als Europas „Oscar für Technologie und Innovation" und wird am 17. Juni in Berlin verliehen. Forscher aus fünf Kategorien, deren Erfindungen besonders zum gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Fortschritt beigetragen haben, werden vom Europäischen Patentamt (EPA) ausgezeichnet. Große Spannung verspricht  auch der Publikumspreis, über den per Online-Votum im Internet entschieden wird.

Artur Fischer, Finalist in der Kategorie Lebenswerk

Insgesamt wurden 300 Erfinder und Erfinder-Teams für die Auszeichnung vorgeschlagen von denen 15 von der international besetzten Jury für den Erfinderpreis als Finalisten nominiert wurden. Die Innovationen kommen aus den Bereichen Telekommunikation, Konstruktion, Umwelt, Verkehrssicherheit, Biotechnologie, Mechanik, Medizintechnik und Arzneimittel.

Wie wichtig und prestigereich der Europäische Erfinderpreis ist, der inzwischen zum neunten Mal veranstaltet wird, zeigt die Teilnahme von Königshäusern, Präsidenten, Ministern und hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Forschung und Industrie an den bisherigen Veranstaltungen. "Die Arbeit dieser Erfinder ist nicht nur beispielhaft für Europas Kapazität als führende Technologieregion. Sie unterstreicht vielmehr Europas grundsätzliche Bedeutung als Standort für Innovation, der Erfindern aus aller Welt ein attraktives Umfeld zur Entfaltung ihrer Kreativität bietet und gleichzeitig den Erfindungselan der Europäer fördert.  Beides ist wichtig, um den Innovationsgedanken zum Wohl der Menschen in allen Regionen zu fördern und zu stärken", so EPA-Präsident Benoît Battistelli bei der Bekanntgabe der Nominierungen.

Die Nominierten in den einzelnen Kategorien:
(Die Reihenfolge der Nominierten in diesem Text sagt nichts über ihren Rang im Wettbewerb aus)

Industrie

Erik Dahlman, Muhammad Kazmi, Robert Baldemair, Stefan Parkvall und Team (Schweden, Österreich, Deutschland): Die LTE-Netzwerktechnologie für das mobile High-Speed Internet, auch 4G genannt,  besteht aus tausenden einzeln patentierten Technologien, die zusammen einen der bedeutendsten und größten Technologiestandards für Mobilfunk bilden. Sie kann daher nicht einer einzigen Organisation, Firma oder Person zugeschrieben werden. Allerdings war das internationale Erfinder-Team um Erik Dahlman, Muhammad Kazmi, Robert Baldemair und Stefan Parkvall mit einigen Hundert Patenten maßgeblich an der Erfindung der LTE-Netzwerktechnologie beteiligt. Der neue Netzwerkstandard ermöglicht unter anderem deutlich schnelleres Surfen im Internet.

Erwin und Ingeborg Hochmaier, Finalisten in der Kategorie Lebenswerk

Luigi Cassar und Team (Italien): Abgase gefährden Umwelt sowie Gesundheit und verschmutzen Gebäudefassaden. Die Erfindung des Chemikers Luigi Cassar trägt zum Schadstoffabbau und damit zur Verbesserung der Luftqualität bei. Zudem bleiben die Gebäude länger sauber. Dies wird durch einen innovativen Zementputzes möglich. Die beigemischten Bestandteile - Titanoxid -  spalten mit Hilfe von Sonnenlicht Schadstoffe in weniger schädliche Elemente auf. Auf diese Weise entsteht ein Selbstreinigungsprozess für Gebäudefassaden und die Luft.

Koen Andries, Jérôme Guillemont (Belgien, Frankreich) und Team: 40 Jahre musste die Welt auf ein neues, wirksames Medikament zur Bekämpfung der (multiresistenten) Tuberkulose warten. Dem Forscherteam um den Belgier Koen Andries und den Franzosen Jérôme Guillemont ist es gelungen, die Behandlungszeiten von Tuberkulose signifikant zu verkürzen und in einem überschaubaren Zeitraum die vollständige Heilung zu erreichen. Dafür haben sie ein Molekül extrahiert, das den Tuberkulose-Bakterien bereits nach kurzer Zeit die Energieversorgung kappt. Sogar die multiresistente Form der Krankheit lässt sich damit erfolgreich behandeln und könnte somit rund 8 Millionen Patienten aus aller Welt helfen.

Kleine und mittelständische Unternehmen

Terese Alstin, Anna Haupt (Schweden): Der Airbag-Helm der beiden Schwedinnen ermöglicht es, den Kopf beim Fahrradfahren zu schützen und dabei trotzdem gut auszusehen. Ihre Entwicklung wird als Krause um den Hals getragen. Im Notfall schießt aus ihr ein Airbag heraus und legt sich um den Kopf. Die Erfindung, die bereits auf dem Markt ist,  hat interessantes Entwicklungspotenzial, denn die Airbag-Helme könnten beispielsweise auch bald die Köpfe von Epilepsie-Patienten schützen.

Peter Holme Jensen, Claus Hélix-Nielsen, Danielle Keller (Dänemark): Geschätzt 1,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Und auch die Industrie hat hohen Bedarf an sauberem, und ganz speziell ultrareinem Wasser. Durch die Erfindung des dänischen Chemiker-Teams wird die Aufbereitung von Wasser in seiner reinsten Form ohne hohen und teuren Energieaufwand möglich. Die wasserfilternde Aquaporin-Membran macht sich den natürlichen Wasseraustausch zwischen einzelnen Zellen (Osmose) und die Eigenschaften des dafür maßgeblichen Proteins zu Nutze.

Carles Puente Baliarda, Carmen Borja, Jaume Anguera, Jordi Soler, Edouard Rozan (Spanien): Dafür, dass wir überall auf der Welt problemlos telefonieren, mailen oder im Internet surfen können, ist unter anderem auch die Multiband-Antenne aus Fraktalen verantwortlich, die das spanische Erfinder-Team entwickelt hat. Sie ermöglicht höchste Empfangsleistung auch im kleinsten Handy-Gehäuse. Die Antenne ist kaum grösser als ein Reiskorn und sendet trotz ihrer geringen Größe Funkwellen sehr effizient auf mehreren Frequenzen. Sie kann deshalb unterschiedliche Technologien wie Bluetooth, WLAN, GSM oder GPS bedienen. Durch Lizenzierungsabkommen ist Fractus Marktführer auf dem Gebiet der Fraktalantennen.

Forschung

Christofer Toumazou (Großbritannien): Dank der Arbeiten von Christofer Toumazou lässt sich das menschliche Erbgut in kürzester Zeit und außerhalb eines Labors analysieren. Seine Erfindung ist ein DNA-Schnelltest per USB-Stick. Sie basiert auf einem Mikrochip, der jede Form von genetischer Abweichung im Erbgut bereits nach kurzer Zeit erkennt. So kann man damit eine Veranlagung für Erbkrankheiten ausfindig machen, aber auch, ob ein Patient bestimmte Medikamente abbauen kann. Die Ergebnisse lassen sich dann am Computer auswerten.

Thomas Tuschl (Deutschland): Krankmachende Gene gezielt ausschalten ist dank der Forschungen des Biochemikers Thomas Tuschl keine Utopie mehr. Ihm ist es gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich menschliche Krankheitsgene stilllegen lassen. Damit hat er die Grundlage für aussichtsreiche Therapien genetischer Störungen entwickelt, die schwere Erkrankungen wie die Bluterkrankheit (Hämophilie), Amyloidose und Porphyrie sowie einen hohen Cholesterinspiegel hervorrufen.

Philippe Cinquin, Serge Cosnier, Chantal Gondran, Fabien Giroud (Frankreich): Herzschrittmacher retten Leben, haben aber eine erhebliche Schwäche: Die Batterie ist nach durchschnittlich acht Jahren erschöpft. In der Regel wird dann das komplette Implantat ausgetauscht. Das französische Forscher-Team hat eine neuartige, implantierbare Miniaturbrennstoffzelle entwickelt, die körpereigenen Zucker in Strom umgewandelt. Eine solche Stromquelle könnte sich im menschlichen Körper selbst bedienen und ein Leben lang Strom für Herzschrittmacher und andere Implantate liefern.

Außereuropäische Länder

Masahiro Hara, Takayuki Nagaya, Motoaki Watabe, Tadao Nojiri, Yuji Uchiyama (Japan): Der QR-Code, den Masahiro Hara und sein Team entwickelt haben, ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Er kommt unter anderem bei der Bestandsführung in der Fabrik, in der Verwaltung von Patientenakten, bei der Rückverfolgung biologischer Proben oder als Marketinginstrument zum Einsatz. Mit einen Smartphone oder Tablet und der dazugehörigen App verbindet der QR-Code die physische Welt mit der virtuellen. Er wird eingescannt und eine Internetseite, ein Standort, ein Videofilm oder eine Textnachricht werden aufgerufen.

Cary L. Queen, Harold E. Selick (USA): Im Kampf gegen Krebs gelang den Molekularbiologen Cary Queen und Harold „Barry" Selick eine Erfindung, die ein neues Zeitalter in der Krebsbehandlung eingeläutet hat. Sie entwickelten erstmals eine Technologie, mit deren Hilfe humanisierte Antikörper hergestellt werden können, die krankmachende Antigene erkennen, ohne dabei selbst vom Immunsystem des Körpers des Patienten angegriffen zu werden. Therapien, die sich diese Innovation zu Nutze machen, zählen zu den vielversprechendsten Behandlungsmethoden bei der Bekämpfung der Krankheit.

Charles W. Hull (USA): Charles „Chuck" Hull arbeitete mit UV-Licht, um Oberflächenbeschichtungen auszuhärten. 1983 kam er auf die Idee, das für die Beschichtung verwendete Kunstharz in dünnen Laminatschichten übereinander zu lagern und mit UV-Licht in Form zu ätzen: Der elektrolytische 3D-Drucker war geboren. Auf Basis seiner Idee funktioniert heute jeder 3D-Drucker. Hull hat mit seiner Erfindung einen völlig neuen Industriezweig begründet. Von der Automobilindustrie bis hin zur Medizintechnik - der 3D-Drucker kommt inzwischen fast überall zum Einsatz.

Lebenswerk

Ingeborg Hochmair, Erwin Hochmair (Österreich): Kinder, die taub zur Welt kommen, müssen es heute nicht mehr ihr Leben lang bleiben. Das sogenannte Cochlea-Implantat kann gehörlosen Menschen durch elektrische Stimulation des Hörnervs ihr Hörvermögen zurückgeben. Zu verdanken ist diese bahnbrechende Entwicklung der Arbeit österreichischen Ehepaar Ingeborg und Erwin Hochmair. Bis heute können dank dieser Erfindung mehr als 200.000 Mensch, die ehemals taub oder stark schwerhörig waren, wieder hören und menschliche Stimmen wahrnehmen.

Wieslaw Nowinski, Finalist in der Kategorie Lebenswerk

Artur Fischer (Deutschland): Mit mehr als 1.100 angemeldeten Patenten gehört Artur Fischer zu den erfolgreichsten Erfindern aller Zeiten. Bekannt gemacht hat den heute 94-Jährigen der nach ihm benannte Spreiz-Dübel („Fischer-Dübel"), der heute in einer Stückzahl von mehr als 10 Millionen täglich produziert wird. Eine weitere seiner vielen Erfindungen für die er weltweit Anerkennung erhielt, sind das erste synchronisierte Blitzlichtgerät und der Blitzwürfel für Fotoapparate.

Wieslaw L. Nowinski (Polen): Seit mehr als 30 Jahren erforscht Nowinski das Gehirn und dessen Beschaffenheit. Dem polnischen Computerspezialisten ist es gelungen, den anatomischen Aufbau des Gehirns dreidimensional darzustellen und für die klinische Praxis aufzubereiten. Dank seiner Arbeit können Störungen und Erkrankungen des Gehirns schneller geortet und gezielter behandelt sowie komplizierte Gehirnoperationen besser geplant werden. Auf Basis einer unglaublichen Daten- und Bilderflut hat er mehr als 30 Gehirnatlanten entwickelt, die sich heute bei einer Vielzahl von Forschern und Ärzten in aller Welt im Einsatz befinden.

Über den Europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis ist der wichtigste Preis für Innovation in Europa. Er wird seit 2006 jährlich vom Europäischen Patentamt (EPA) verliehen. In diesem Jahr wird die Preisverleihung am  17. Juni in Berlin stattfinden. Dabei wird per Online-Votum auch der Gewinner des Publikumspreises unter den 15 Finalisten bestimmt.

Der Preis würdigt einzelne Erfinder oder Teams, die dazu beitragen, technische Antworten auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu erarbeiten. Eine international hochkarätig besetzte Jury prüft, inwieweit diese Erfinder zum sozialen Fortschritt, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Wohlstand beigetragen haben.

Weitere Informationen

Europäischer Erfinderpreis

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