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Herausragende Erfinder erhalten den Europäischen Erfinderpreis 2016 bei der Verleihung in Lissabon

9. Juni 2016

Benoît Battistelli und António Costa

Bahnbrechende Innovationsleistungen standen heute im Mittelpunkt der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2016 durch das EPA in Lissabon. Bereits zum elften Mal wurde der jährlich vom EPA vergebene Preis vergeben. Er zeichnet herausragende Erfinder aus Europa und der ganzen Welt aus, die einen außergewöhnlichen Beitrag zu sozialer Entwicklung, technologischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum geleistet haben.

Die heutige Preisverleihung ehrt den Innovationsgeist und die Leistung derjenigen, die mit ihren Erfindungen den Stand der Technik maßgeblich vorangetrieben haben", sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli. „Die Erfindungen, die dieses Jahr mit dem Preis ausgezeichnet worden sind, geben Menschen, die an Krankheiten leiden, neue Hoffnung, erhöhen die Effizienz in der medizinischen Diagnostik, schützen die Umwelt und retten tausende Leben im Straßenverkehr. Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Leistungen unterstreicht den Stellenwert des europäischen Patentsystems für die wirtschaftliche Stärke und den technologischen Fortschritt in Europa", sagte Battistelli.

Benoît Battistelli begrüsst Carlos Moedas

Rund 600 prominente Gäste aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, IP und Wissenschaft waren vor Ort in der MEO Arena in Lissabon, als der Präsident des EPA, der portugiesische Ministerpräsident António Costa und Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Innovation und Wissenschaft, die Preisverleihung eröffneten.

Im Vorfeld der Verleihung hatte eine unabhängige internationale Jury die 15 Finalisten - drei in jeder der fünf Kategorien - aus 400 Vorschlägen ausgewählt. Um sich für den Preis zu qualifizieren, mussten die Vorschläge festgelegte Kriterien erfüllen. Dazu gehört, dass dem Erfinder vom EPA mindestens ein europäisches Patent für seine Erfindung erteilt worden ist.

Die Gewinner 2016 sind:

Industrie
Bernhard Gleich, Jürgen Weizenecker und Team (Deutschland)

Jürgen Weizenecker und Bernhard Gleich

Die deutschen Physiker Bernhard Gleich und Jürgen Weizenecker wurden mit ihrem Team für die Erfindung einer neuen Generation der medizinischen Diagnostik ausgezeichnet. Bei Philips Research Hamburg entwickelt liefert die Magnetpartikelbildgebung (Magnetic Particle Imaging, MPI) dreidimensionale Echtzeitbilder von Arteriensystemen und Organen in einer noch nie dagewesenen Präzision und Qualität. Mithilfe der auf Magnetismus basierenden Methode könnten Ärzte Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumore künftig frühzeitig erkennen und therapieren.

Jürgen Weizenecker sagte, er sei "sehr glücklich" und fühle sich durch den Preis "zutiefst geehrt". Er dankte den Forscherfamilien "für ihre Unterstützung und ihre Geduld mit den manchmal seltsamen Wissenschaftlern". Bernhard Gleich bedankte sich "bei allen, die am Erfolg der Magnetpartikelbildgebung mitgewirkt haben" und bei der Forschergemeinschaft "für ihre wertvollen Beiträge". 

Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs)
Tue Johannessen, Ulrich Quaade, Claus Hviid Christensen und Jens Kehlet Nørskov (Dänemark)

Tue Johannessen und Ulrich Quaade

Das dänische Forschungsteam erhielt den Preis für ihren Durchbruch, Ammoniak in fester Form zur Verringerung der Luftverschmutzung durch Diesel-Motoren und als emissionsfreien Kraftstoff einzusetzen. Im Abgassystem von Diesel-Motoren freigesetzt kann es den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden (NOx; einem Hauptbestandteil von Smog) um bis zu 99 Prozent reduzieren. Das Start-up ist eine Erfolgsgeschichte, die durch patentierte Erfindungen ermöglicht wurde.

In seiner Dankesrede hob Tue Johannessen die "große Teamleistung" hervor und würdigte seine Kollegen, die Investoren und alle Beteiligten. Es sei "wirklich wichtig, den CO2-Ausstoß zu begrenzen". Sein Teamkollege Ulrich Quaade bedankte sich bei "unseren Miterfindern, die heute nicht hier sind". 

Forschung
Alim-Louis Benabid (Frankreich)

Alim-Louis Benabid

Der französische Physiker und Neurochirurg Alim-Louis Benabid erhielt die Auszeichnung für die Entwicklung einer revolutionären Behandlungsmethode, die bei Parkinson und weiteren neurologischen Erkrankungen zum Einsatz kommt: Benabids hochfrequente Tiefen- Hirnstimulation (THS) basiert auf kontrollierten elektrischen Impulsen, die von einer Sonde im Gehirn an bestimmte Bereiche des Thalamus abgegeben werden. Der „Hirnschrittmacher", wie das bahnbrechende Verfahren umgangssprachlich genannt wird, gilt heute weltweit als Standardbehandlung und hat über 150 000 schwer erkrankten Menschen wieder ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben ermöglicht.

Bei der Entgegennahme seines Preises sagte Alim-Louis Benabid: "Forschen zu können ist ein Privileg, Nützliches zu entdecken ist ein Privileg, und Anerkennung zu finden ist ein Privileg". "Nur Künstler und Schriftsteller sind die Alleinherren über ihre Schöpfungen. In der Wissenschaft arbeiten wir mit Kollegen und mit Patienten zusammen", betonte er und fügte hinzu, der Preis sei all denen gewidmet, die mit ihm zusammenarbeiteten. 

Außereuropäische Staaten
Robert Langer (USA)

Video-Botschaft von Robert Langer

Der amerikanische Chemieingenieur Robert Langer erhielt den Preis für die bahnbrechende Erfindung von biologisch abbaubaren Kunststoffen, die starke Krebsmedikamente einkapseln und so eine neue Stufe der gezielten Verabreichung ermöglichen. Die Biokunststoffe dieses Erfinders lassen sich zu sogenannten „Wafers" formen, mit Krebs-aushungernden Medikamenten bestücken und direkt neben dem Tumor implantieren, wo der Wirkstoff mit maximaler Effizienz durch natürliche Zersetzungsprozesse freigesetzt wird. Lizenzen für Langers patentierte Erfindungen wurden an über 300 Pharmaunternehmen vergeben. Insgesamt half er damit über eine Million Menschen weltweit.  Der ideenreiche Erfinder leitet ein Team von über 100 Forschern am MIT.

Robert Langer, der über Video aus Boston zugeschaltet war, berichtete, man habe ihm gesagt, seine "Ideen seien falsch und würden nie funktionieren". Es sei für ihn eine "riesige Ehre", in die Reihe der Finalisten aufgenommen worden zu sein und den Preis verliehen zu bekommen. 

Lebenswerk
Anton van Zanten (Deutschland/Niederlande)

Anton van Zanten mit António Costa und President Benoît Battistelli

Der Ingenieur Anton van Zanten wurde für seinen wegweisenden Beitrag für Fahrzeug-Sicherheitssysteme geehrt, die tausende Menschenleben gerettet haben und mittlerweile vorgeschriebener Standard in Neufahrzeugen sind. Während seiner über 40 Jahre andauernden Karriere bei der deutschen Firma Robert Bosch GmbH im Bereich Fahrzeugtechnik leistete van Zanten Pionierarbeit bei der Entwicklung der elektronischen Stabilitätskontrolle (ESP) und weiteren Lösungen, die verhindern, dass Kraftfahrzeuge bei einer Vollbremsung von der Straße abkommen und Unfälle verursachen.

Der Preisträger Anton van Zanten nahm seine Dankesrede zum Anlass, strengere Sicherheitsregeln für Autos zu fordern. "Ich würde mir wünschen, dass Länder, in denen ESP nicht vorgeschrieben ist, diese Vorschrift einführen und dadurch viele Leben retten", sagte er. 

Publikumspreis
Helen Lee (GB/Frankreich)

Helen Lee

Helen Lee, Forscherin an der Universität Cambridge, erhielt den Publikumspreis von  einer überwältigenden Mehrheit der Öffentlichkeit für ihre Erfindung eines Diagnose-Kits für strukturschwache Regionen zugesprochen. Mit ihren robusten und schnellen Bluttests lassen sich ansteckende Krankheiten wie HIV, Hepatitis B und Chlamydien kostengünstig und einfach diagnostizieren. Die Tests kamen bereits bei 40.000 Personen zum Einsatz. Lee erhielt 36 300 Stimmen und damit 64% der insgesamt 56 700  online abgegebenen Publikumsvoten vor der Preisverleihung (2015: 46 800 Stimmen).Dies ist mit Abstand das höchste Ergebnis, mit dem ein Finalist des Europäischen Erfinderpreises seit Einführung der Kategorie 2013 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet worden ist.

Helen Lee sagte: "Das Leben ist eine Reise, und die von SAMBA verlief nicht immer in ruhigem Fahrwasser". Sie dankte allen, die "bei hohem Seegang mit angepackt" hätten. "Unser Motto hieß: niemals aufgeben, und unser Ziel: nützlich sein. Danke für den Wind in den Segeln. Ich hoffe, mehr Menschen kommen so an ein sicheres Ufer". 

Über den Europäischen Erfinderpreis

Der Europäischer Erfinderpreis ist einer der wichtigsten Preise für Innovation in Europa. Mittlerweile im elften Jahr wird er seit 2006 jährlich vom EPA verliehen. Mit dem Preis werden einzelne Erfinder und Erfinder-Teams ausgezeichnet, die mit ihren Entwicklungen dazu beitragen, technische Antworten auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Die Gewinner werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, die sich aus internationalen Autoritäten der Wirtschaft, Wissenschaft, Universitäten und Forschung zusammensetzt und prüft, inwieweit diese Erfinder mit ihrer Arbeit zu gesellschaftlichem Fortschritt, der Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Wohlstand in Europa beigetragen haben. Auch die Öffentlichkeit nimmt an der Preisvergabe teil: Sie bestimmt per Online-Voting den Gewinner des Publikumspreises unter den 15 Finalisten.

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