Fünfzehn überragende Erfinder für den Europäischen Erfinderpreis nominiert

  • Europäisches Patentamt zeichnet wegweisende Erfindungen in der Medizintechnik, bei Arzneimitteln, in der Optik, der Metallurgie, der Elektronik, der Möbeltechnik, bei Computern und in der LCD-Technologie aus
  • EPA-Präsident Benoît Battistelli: "Europa bleibt eine Innovationsmacht"
  • Die Gewinner werden am 28. Mai in Amsterdam vorgestellt
  • Publikumspreis wird erstmalig verliehen

München, 10. April 2013 -- Fünfzehn Ingenieure und Wissenschaftler sind vom Europäischen Patentamt (EPA) für ihren Beitrag zum technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt für den Europäischen Erfinderpreis 2013 nominiert worden. Der Preis wird alljährlich in fünf Kategorien an herausragende Erfinder aus aller Welt verliehen. Zum ersten Mal wird dabei auch ein Publikumspreis vergeben. Die Gewinner werden am 28. Mai an einer Gala in Amsterdam im Beisein von Prinzessin Beatrix der Niederlande ausgezeichnet.

Die diesjährigen Finalisten kommen aus den Bereichen Medizintechnik, Pharmazie, Optik, Metallurgie, Möbeltechnik, Computer und Flüssigkristall-Bildschirme. Sie stammen aus neun europäischen und aus zwei außereuropäischen Ländern. Die internationale, prominent besetzte Jury wählte die 15 Finalisten aus 160 eingereichten Vorschlägen zu Einzelerfindern und Erfinderteams aus.

"Diese wegweisenden Erfindungen belegen, dass Europa nach wie vor auf allen Gebieten der Technik, vom Ingenieurswesen bis zur Medizin- und Computertechnik bei Innovationen weltweit eine führende Rolle einnimmt", sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli. "Alle Nominierten überzeugen nicht nur durch ihre überragende technische und wissnschaftliche Leistung. Sie haben auch zu einer Verbesserung von Gesundheit, Lebensqualität sowie zu Beschäftigung und Wohlstand für Millionen Menschen beigetragen. Alle Erfindungen sind mit europäischen  Patenten geschützt. Diese haben bei der Marktumsetzung eine tragende Rolle gespielt."

Die Nominierten in den einzelnen Kategorien: 1  

Industrie

José Luis López Gómez (Spanien): Dank der Erfindungen dieses Eisenbahningenieurs ist das Reisen im Hochgeschwindigkeitszug bequemer und sicherer geworden. Die von ihm entwickelte Einzelradaufhängung optimiert und sichert die Position des Wagonrads auf der Schiene und macht damit möglich, dass Kurven auch auf gebirgigen Strecken im Schnitt fast um ein Drittel schneller durchfahren werden können. Seine Entwicklungen haben Patentes Talgo zu einer der führenden Adressen unter den Herstellern von Hochgeschwindigkeitszügen gemacht.

Claus Hämmerle und Klaus Brüstle (Österreich): Die beiden Ingenieure haben Dämpfungssystem für Möbiltüren, Schubladeneinzüge und Einbauschränke entwickelt. Von der Autofederung inspiriert und mit zahlreichen Patenten geschützt, hat sich  "Blumotion" im internationalen Möbelgeschäft als Verkaufsschlager entpuppt und ist  weltweit so etwas wie ein Standard geworden: Die Herstellerin, Julius Blum GmbH, exportiert heute 96% ihrer Produkte.

António Velez Marques, Helena Pereira, Rui Reis, Susana Silva (Portugal): Das Forscherteam des Weltmarktführers bei Produkten aus Kork, der Amorim-Gruppe, hat ein effizientes Verfahren zur Vergrößerung des Zellvolumens von Kork entwickelt, das höhere Erträge aus dem geernteten Rohmaterial ermöglicht. Dabei sind keine aufwändigen Maschinen oder gar giftige Substanzen im Einsatz: Wasser und Mikrowellen genügen.

Forschung

Patrick Couvreur (Frankreich, Italien): Die Hoffnung auf Krebsbekämpfung ohne die Schädigung gesunder Zellen rückt mit dieser Erfindung des gebürtigen Belgiers und Nanotechnolgoie-Pioniers an der Universität Paris Sud ein großes Stück näher. Seine Nano-Kaspeln - mit einer biologisch abbaubaren Wand umfasste kleinste Hohlkörper mit einem 70 mal geringerem Durchmesser als Blutzellen - sondern die verabreichten Zellgifte kontinuierlich und direkt an die Tumore ab.

Jörg Horzel, Jozef Szlufcik, Mia Honore, Johan Nijs, (Belgien, Deutschland): Der deutsche Wissenschaftler und sein Team vom belgischen IMEC-Institut, einem Forschungszentrum für Mikroelektronik und Nanotechnologie in Heverlee (B), hat ein verbessertes und vereinfachtes Herstellungsverfahrens für Solarzellen aus Silikon entwickelt. Für die Photovoltaik hat sich dadurch der Weg zur Sonnenenergie beträchtlich vergünstigt.

Philipp Köhn, Daniel Marcu, Kevin Knight und William Wong (Deutschland, Rumänien, Grossbritannien, USA): Mit seinem Team der University of Southern California hat der Erlanger Computerwissenschaftler Philipp Köhn die statistische maschinelle Übersetzung von Texten entwickelt. Dabei übersetzt der Computer nicht mehr Wort für Wort, sondern ganze Satzteile - das Grundprinzip aller großen Maschinenübersetzungsdienste, und die Basis eines neuen Industriezweigs. Auch das EPA nutzt sie für PatentTranslate, seinem freien maschinellen Übersetzungsdienst für Patente.

Kleine und mittelständische Unternehmen

Bruno Berge (Frankreich): Mit seiner Flüssiglinse hat der Physiker und Unternehmer aus Grenoble den Fachmarkt für optische Instrumente neu belebt. Legt man elektrischen Strom an die Linsenflüssigkeit an, ändert diese ihre Form. Sie ist deshalb besonders für den Einsatz in kleineren und kostengünstigen Geräte wie Kartenleser für Barcodes und Pässe und Industriekameras geeignet.

David Gow (Grossbritannien): Der Ingenieur aus Schottland hat die erste bionische Hand mit einzeln beweglichen Fingern entwickelt: Träger seiner Arm- und Handprothese können damit richtig zugreifen und vom Gehirn gesteuerte, präzise Bewegungen ausführen. Seit ihrer Einführung vor drei Jahren ist die iLimb-Hand bei rund 1400 Patienten eingesetzt worden, darunter bei Kriegsveteranen und Kindern mit erblichen Missbildungen.

Pål Nyrén (Schweden): Mit der Pyrosequenzierung haben der schwedische Forscher und sein Team einen kostengünstigen, einfachen und schnellen Weg der DNS-Sequenzierung entwickelt. Speziell die geringeren Kosten und schnelleren Ergebnisse im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren haben die Untersuchung an den Bausteinen des Erbguts nahezu umgekrempelt. Forschern eröffnen sich dadurch attraktive Möglichkeiten zur personalisierten Medikation.

Außereuropäische Länder

Ajay V. Bhatt, Bala Sudarshan Cadambi, Jeff Morriss, Shaun Knoll, Shelagh Callahan (USA):

Der Intel-Forscher Ajay Bhatt und sein Team haben mit dem Universal Serial Bus (USB) eine Technologie entwickelt, die nach dem Mikroprozessor wohl zu den bedeutendsten Erfindungen bei Computern zählen dürfte. Als Industriestandard macht USB nicht nur einfache Steckverbindungen zwischen Computer und Peripheriegeräten möglich, sonder erleichtert obendrein Hardware- und Software-Entwicklern die Arbeit. USB ist heute in Abermillionen Geräten verbaut, von Webcams über Mobiltelefone bis hin zu Memory Sticks.

Joseph M. Jacobson, Barrett Comiskey (USA): Die von den beiden Forschern des Massachusetts Institute of Technology entwickelte "elektronische Tinte" (e-ink) ist heute bereits Standard in elektronischen Lesegeräten. Ihre leichte und batterieschonende Technologie ist das Herzstück aller elektronischen Bücher, ermöglicht ein nahezu uneingeschränktes und Augenschonendes Lesevergnügen zu annehmbaren Kosten und verbessert überdies zudem die Umweltbilanz der Druckindustrie.

Sanghoon Joo, Myoungkyun Shin (Südkore), Martin Schmidt (Österreich) et al.: Über Grenzen hinweg hat dieses Länderübergreifende Team (der Stahlkocher POSCO aus Südkorea und Siemens VAI aus Österreich) mit Finex ein schnelleres, günstigeres und umweltfreundlicheres Verfahren zur Stahlproduktion entwickelt. Mit Flussbettreaktoren und Briketts statt mit Versinterung und Verkoksung ermöglicht das neue Verfahren eine umweltschonende und kostengünstige Verarbeitung von minderwertigen Ausgangsstoffen - ein wichtiges Plus für eine Industrie, die immerhin für 27% des gewerblichen COverantwortlich ist.

Lebenswerk

Yves Jongen (Belgien): Als Ingenieur der Katholischen Universität Löwen (KUL) und später als Unternehmer hat Yves Jongen mit dem Zyklotron die Protonentherapie vielen Krebspatienten zugänglich gemacht. Anders als die herkömmlichen Röntgenstrahlen bekämpft der kleine und kostengünstige Protonen-Generator Tumore präziser und mit weniger Nebenwirkungen. Bisher haben weltweit rund 21.000 Patienten von einer Zyplotrolthearpei profitiert; ihre Zahl wächst weiter.

Martin Schadt (Schweiz): Als Mitarbeiter von Hoffmann-LaRoche entwickelte der Schweizer Physiker 1970 die erste Flüssigkristall-Anzeige. Die später als LCD bekannte Technologie gilt auch als Wegbereiterin einer ganzen Welle energiesparender tragbarer Mobilgeräte wie Tablettcomputer und Mobiltelefone. Allein im vergangenen Jahr produzierten die größten Elektronikhersteller über 40 Millionen LCD-Fernseher auf der Basis von Schadts Technologie.

Sophie Wilson (Großbritannien): Bezahlbare tragbare Computer und Geräte wie Mobiltelefone wären ohne die von der Britin in ihrer 35jährigen Karriere entwickelten Prozessoren kaum denkbar. Herzstück ist der ARM-Prozessor, der sich durch eine schnelle Taktung und besonders niedrigen Stromverbrauch auszeichnet: Die Nachfolger dieses Chips befeuern rund 95% aller Smartphones weltweit sowie eine schier unüberschaubare Vielfalt anderer mobiler Geräte.

Über den Europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis ist der wichtigste Preis für Innovation in Europa. Er wird seit 2006 jährlich vom Europäischen Patentamt (EPA) verliehen. In diesem Jahr wird die Preisverleihung am 28. Mai in Amsterdam stattfinden. Dabei wird zum ersten Mal auch ein Publikumspreis vergeben.

Der Preis würdigt einzelne Erfinder oder Teams, die dazu beitragen, technische Antworten auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu erarbeiten. Eine international hochkarätig besetzte Jury prüft, inwieweit diese Erfinder zum sozialen Fortschritt, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Wohlstand beigetragen haben.

Über das EPA

Das Europäische Patentamt (EPA) ist mit rund 7 000 Mitarbeitern eine der größten europäischen Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Der Hauptsitz ist in München; Niederlassungen gibt es in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien. Das EPA wurde gegründet, um die Zusammenarbeit europäischer Staaten im Patentwesen zu fördern. Über das zentrale Erteilungsverfahren beim EPA können Erfinder Patentschutz in bis zu 38 EPO-Mitgliedsstaaten erlangen. Das EPA ist überdies die weltweit bedeutendste Behörde für Patentrecherchen und Patentinformation.

Für weitere Informationen, Fotos, Videos, zum Europäischen Erfinderpreis:
www.epo-presschannel.com

TV-fähige Beiträge und -Footage finden Sie auf
www.hellosports.com

Kontakt:

Oswald Schröder
Sprecher, Europäisches Patentamt
Tel.: +49 89 23991800
oschroeder@epo.org

Rainer Osterwalder
Stellvertretender Sprecher, Europäisches Patentamt
Tel: +49 89 23991820
Mobile: +49 163 8399527
rosterwalder@epo.org


1. Die Reihenfolge der Nominierten in diesem Text besagt nichts über ihren Rang im Wettbewerb

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