Start der maschinellen Patentübersetzung Japanisch-Englisch

München, 5. Juni 2013 - Ein weiterer bedeutender Schritt zur Beseitigung der Sprachbarrieren im Bereich der technologischen Informationen ist erreicht: Das Europäische Patentamt (EPA) und das japanische Patentamt (JPO) verkündeten heute die Erweiterung des automatischen Übersetzungsdienstes des EPA, Patent Translate, um das Sprachenpaar Japanisch-Englisch. Dies bedeutet, dass über eine Million japanische Patentdokumente, die in der weltweiten Patentdatenbank Espacenet des EPA zur Verfügung stehen, nun kostenlos direkt per Mausklick ins Englische übersetzt werden können. Diese wichtige Neuerung ermöglicht den Zugang zu japanischen Patenten in der Volltextfassung und bietet japanischen Erfindern die Möglichkeit, europäische Patente in ihrer eigenen Sprache zu lesen.

„Die Einführung des maschinellen Übersetzungstools für Japanisch-Englisch ist ein bedeutender Fortschritt im Bereich der Patentinformationen", erklärte EPA-Präsident Benoît Battistelli heute bei einem bilateralen Treffen der beiden Ämter am Rande des IP5-Treffens in Cupertino, Kalifornien. Er fügte hinzu: „Japanisch ist eine der führenden Sprachen der Technologie, und viele wissenschaftliche Kenntnisse oder das, was wir als ‚Stand der Technik‘ bezeichnen, liegt in Form von japanischen Patenten und Patendokumenten vor. Diese sind jetzt für Ingenieure, Erfinder und Wissenschaftler auf der ganzen Welt in englischer Sprache frei zugänglich. Dies trägt zur weiteren Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen bei, die nun ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeit durch Recherchen in japanischen Patentdokumenten gezielter ausrichten und den Inhalt ihrer Patentanmeldungen weiter verbessern können. Auch die Patentämter werden den Dienst bei ihrer täglichen Arbeit nutzen können, was sich positiv auf die Qualität des Patentierungsprozesses auswirken wird. Somit wird die gesamte europäische Wirtschaft von Patenten mit hoher Qualität profitieren."

Der Commissioner des JPO Hiroyuki Fukano erklärte: „Hinsichtlich der Anzahl der Patentanmeldungen, die beim JPO und weiteren Ämtern auf der ganzen Welt eingereicht werden, gehört Japan zu den führenden Ämtern weltweit. Dies hebt die Bedeutung japanischer Patendokumente hervor. Darüber hinaus müssen wir berücksichtigen, in welche Richtung japanische Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit ausweiten. Dabei zeigen sich enorme Fortschritte bei der schnellen Internationalisierung der Unternehmen, und der europäische Markt stellt einen der wichtigsten Märkte für uns dar. Bisher hat das JPO eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, beispielsweise den Einsatz von maschinellen Übersetzungen, um Sprachbarrieren abzubauen und Benutzer bei der Einreichung internationaler Anmeldungen und der Erschließung von Märkten in Übersee zu unterstützen. Dank des neuen Übersetzungsdienstes, der eine Brücke zwischen europäischen und außereuropäischen Sprachen bildet, können Benutzer in japanischer Sprache auf europäische Patentdokumente verweisen. Dies ist ein großer Vorteil und Gewinn für die japanischen Benutzer. Bei den Fortschritten im Bereich der Globalisierung geistigen Eigentums war die Sprachbarriere seit langem eine schwierige Herausforderung. Mit Blick auf die Zukunft möchte das JPO durch weltweite Zusammenarbeit wie der gegenseitigen Kooperation des EPA und des JPO einen wertvollen Beitrag dazu leisten, deutliche Vorteile für Benutzer in Europa, Japan und anderen Ländern zu schaffen."

Mit dem Neuzugang Japanisch ermöglicht Patent Translate nun für 15 Sprachen einschließlich Chinesisch die kostenlose direkte Übersetzung von Patenten ins Englische und aus dem Englischen. Patent Translate wurde im Februar 2012 gestartet und ist in die Espacenet-Datenbank integriert. Bis 2014 soll der Dienst die maschinelle Übersetzung von Patenten in die 28 Amtssprachen der 38 Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation ermöglichen und auch die wichtigsten asiatischen Sprachen abdecken. Er bildet damit die weltweit umfassendste mehrsprachige Plattform für Patentinformationen. Die Espacenet-Datenbank des EPA enthält bereits mehr als 80 Millionen Patendokumente aus der ganzen Welt.

Die Ergänzung japanischer Dokumente ist das jüngste Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen dem EPA und Japan, die bereits seit mehr als 30 Jahren besteht. Im Jahr 1983 begründeten das EPA und das JPO zusammen mit dem Patent- und Markenamt der Vereinigten Staaten - die damals weltweit größten Ämter - die trilaterale Zusammenarbeit, um Lösungen für gemeinsame Automatisierungsprobleme zu finden. Dreißig Jahre danach hat sich die Zusammenarbeit intensiviert und umfasst heute auch Gebiete wie Dokumentation, Datenstandards und Patentinformationen.

Kontakt
Oswald Schröder
Sprecher
Europäisches Patentamt
Tel: +49  89/23 99 - 1800
Mobile: +49 163 8399668
oschroeder@epo.org

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