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EPO_Portrait of an examiner

geführt wird, wofür er Schutz beantragt. Man- che Patentanmeldungen sind kurz, andere sind einige Hundert Seiten lang und beinhalten Dutzende Ansprüche. Der Prozess der Prüfung aber ist immer der gleiche: Katerina Theodori- dou ordnet die Anmeldung einem bestimmten Technologiefeld zu und öffnet dann das Com- puterprogramm SEA ("Suite of Examiner Appli- cations"), eine Reihe von IT-Werkzeugen, mit deren Hilfe sie bis zu 90 Datenbanken durch- sucht, um zu beurteilen, ob die betreffende Erfindung wirklich neu ist und ob ein "Schritt nach vorne gemacht wurde". Dynamik in der Weltwirtschaft Über dem Schreibtisch hängt ein Periodensys- tem, in dem alle Elemente und ihre Eigenschaf- ten dargestellt werden. Katerina Theodoridou hat diese Informationen natürlich im Kopf. Im Bücherregal finden sich Lehrbücher über die "Chemie des Zements" und aktuelle Regelwer- ke des Patentsystems. "Man muss viel lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben", sagt sie, "und zwar sowohl über die rechtliche Seite als auch über die Trends in der Industrie." Gele- gentlich verlässt sie auch ihr Büro und besucht Baukonzerne und Materialhersteller, um mehr über das Geschäft und dessen Gesetze zu ler- nen. Jede Information hilft. "Die Leute stellen sich immer vor, dass wir es nur mit Revolutio- nen wie der Dampfmaschine zu tun haben", sagt Katerina Theodoridou, "aber meist geht es ja nur um schrittweise Verbesserungen und kleine Veränderungen, die die Effizienz oder Qualität eines bestehenden Prozesses oder Produkts verbessern". Gerne erinnert sie sich aber auch an eine Patentanmeldung über die Herstellung von sogenannten Geopolymeren, bei der sie in der Recherchenphase kein einziges verwandtes oder vorausgehendes Dokument fand. "Da wusste ich, das ist entweder Blödsinn oder etwas ganz Großes". Es war etwas Großes. Solche Arbeitstage bleiben. Die Anmeldungen, die auf ihrem Schreibtisch landen, geben Katerina Theodoridou auch eine Ahnung davon, was in der Welt vorgeht: Die erhöhte Anzahl von Patentanträgen aus Ost- europa und China spiegeln zum Beispiel die Dynamik der Weltwirtschaft wieder, und durch die vielen Anmeldungen, die sich mit dem Recy- cling von Asche oder Schutt in der Zement- und Betonherstellung beschäftigen, merkt sie, dass Nachhaltigkeit und Green Tech auch in der Bau- branche eine immer wichtigere Rolle spielen. Der Besuch im EPA in Den Haag hat eine bei- nahe babylonische Qualität. Ein Spaziergang durch die verschachtelten und langen Gänge des Amts ist eine Rundreise durch Europa. Die Namensschilder an den Bürotüren dokumen- tieren das multinationale Personal, da arbeitet Sanchez neben Magnin neben Johansson ne- ben Schulz und Katerina Theodoridou. Und alle Bürotüren stehen offen – und erlauben den Eintritt in einen neuen Kultur- und Wissens- raum. "Ich arbeite mit Top-Wissenschaftlern aus ganz Europa zusammen", sagt Katerina Theodoridou. "Wo hat man das sonst schon?". Die Vielfalt und Heterogenität der Mitarbeiter- schaft sind für Katerina Theodoridou "einer der Hauptgründe, warum ich meinen Job so inter- essant finde," aber auch eine zentrale Ressource des Amts, die im Arbeitsalltag nützlich ist: Die Ideen und Anmelder kommen ja ebenfalls aus vielen verschiedenen Ländern. "Viele meiner Bekannten", erzählt Katerina Theodoridou, "denken, ich mache so einen stu- ren Beamtenjob." Sie lacht bei dem Gedanken, vermutlich weil sich ihre Arbeit im EPA in den vergangenen Dekaden immer mal wieder stark verändert hat – und das nicht nur, weil "immer wieder neue Technologien auftauchen und alles in Bewegung ist", sondern auch, weil im Prüfungsalltag die Suche im Zettelkasten und in physischen Archiven von digitalen Daten- banken und IT-Werkzeugen abgelöst wurde. 3 Europäisches Patentamt European Patent Office Office européen des brevets