Diplomatische Konferenz für die Revision des EPÜ
Die Aktualisierung eines internationalen Vertragswerks vollzieht sich nicht
von heute auf morgen und beginnt eigentlich schon am Tag, nachdem es von einer
Diplomatischen Konferenz erstmals angenommen wurde. Seit dem Abschluss des EPÜ
1973 sind über die Jahre einige Mängel und Schwachstellen entdeckt und
zahlreiche Verbesserungsvorschläge festgehalten worden. Ende der 90er Jahre war
die Zeit für eine erste umfassende Revision des EPÜ gekommen, und 1998
verständigte sich der Verwaltungsrat der Europäischen Patentorganisation auf
einen Katalog juristischer und technischer Punkte für eine Revision.
Mit der Revision wurden mehrere Ziele verfolgt:
- Zunächst einmal bedurfte es einer Anpassung an Entwicklungen im
internationalen Recht, insbesondere an das TRIPS-Übereinkommen und das
Patentrechtsabkommen 2000.
- Zweitens ging es darum, den berechtigten Bedürfnissen und Erwartungen der
Nutzergemeinschaft gerecht zu werden, z. B. durch die Einführung eines neuen
zentralen Beschränkungsverfahrens im EPA und die Möglichkeit einer
eingeschränkten gerichtlichen Überprüfung von Beschwerdekammerentscheidungen.
- Drittens galt es angesichts der Arbeitslast die Bedürfnisse des Amts selbst
zu berücksichtigen, u. a. indem die Voraussetzungen für die amtsweite Einführung
des BEST-Systems (Zusammenführung von Recherche und Sachprüfung) geschaffen
wurden.
- Viertens bestand allgemeines Interesse daran, unnötige Bestimmungen zu
streichen (Deregulierung).
- Schließlich musste die Anpassungsfähigkeit des EPÜ erhöht werden, indem die
Artikel des Übereinkommens selbst gestrafft und viele verfahrens- oder
verwaltungstechnische Details in die Ausführungsordnung überführt wurden.
Die detaillierten Vorschläge für eine Revision des EPÜ wurden von einer
Task-Force aus Mitgliedern aller Abteilungen des EPA ausgearbeitet und waren
Gegenstand einer breit angelegten Konsultation, in die nicht zuletzt die
Nutzergemeinschaft einbezogen war, nämlich über den Ständigen Beratenden
Ausschuss beim EPA (SACEPO). In einer Reihe von Sitzungen des Ausschusses
"Patentrecht", dem Experten aus allen Vertragsstaaten und Staaten bzw.
Organisationen mit Beobachterstatus angehören, wurden die Vorschläge dann
allesamt sorgfältig geprüft und überarbeitet.
Aus diesen intensiven Vorarbeiten gingen rund einhundert Vorschläge zur
Änderung des EPÜ hervor, die in einem Basisvorschlag für die Revision des EPÜ
zusammengefasst, im September 2000 vom Verwaltungsrat genehmigt und anschließend
der Konferenz der Vertragsstaaten vorgelegt wurden, die gemäß Artikel 172
EPÜ einberufen wurde und vom 20. bis 29. November 2000 in München
stattfand:
- Basisvorschlag für die Revision des EPÜ (MR/2/00 , vom 13.10.2000, PDF - 396 KB)
Ergebnisse der diplomatischen Konferenz
Die Konferenz der Vertragsstaaten fand vom 20. bis 29. November 2000 statt. Auf der abschließenden Pressekonferenz gab der Präsident der Konferenz, Herr Grossenbacher, folgendes Statement ab:
Am Ende der Konferenz unterzeichneten die Vertreter der Vertragsstaaten die Schlussakte der Konferenz, in der sie erklären, dass sie den Text folgender Dokumente erstellt und festgelegt haben:
Ausführliche Aufzeichnungen über die Arbeit der Diplomatischen Konferenz sind dem Bericht der Konferenz (PDF - 1.9 MB) zu entnehmen.