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Faseroptik leuchtet den Weg zum Erfolg

CRYSTAL FIBRE ist für ein Unternehmen seiner Größe außergewöhnlich versiert, wenn es um Sicherung, Schutz und Verwertung seines geistigen Eigentums geht. Geistiges Eigentum spielt eine Schlüsselrolle für das dänische Unternehmen, dem es gelungen ist, sich zum weltweit größten Hersteller photonischer Kristallfaser-Lösungen zu entwickeln. 

Anette Hegner, IP manager for NKT Research and Innovation

Anette Hegner, IP manager bei NKT Research and Innovation: "Patente sind für Start-up-Unternehmen immens wichtig!"

Anders Bjarklev war einer der Pioniere in der Entwicklung eines technologischen Blockbusters – des faseroptischen Verstärkers, mit dem Daten mit hoher Geschwindigkeit über das Internet übertragen werden. Leider hat der Professor der Technischen Universität Dänemark keinen Cent damit verdient. Warum nicht? Weil er seine frühen Idden nie patentiert hat. Er hat aber eine wertvolle Lektion gelernt, und als er und zwei seiner Doktoranden Ende der 1990er Jahre wieder eine brillante Idee auf dem Gebiet der Faseroptik hatten, patentierte er sie. Heute führen Anders Bjarklev und Jes Broeng, einer der beiden ehemaligen Studenten, Crystal Fibre, ein dänisches Unternehmen mit 22 Mitarbeitern, das Kunden in den USA, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Japan beliefert.

Patente zum Schutz einer einzigartigen Technologie

Crystal Fibre liefert photonische Kristallfasern (auch mikrostrukturierte Fasern oder "holey fibres" genannt). Das sind optische Hochleistungsfasern, die in Lasertechnologie, Telekommunikation, Verteidigung, Metallbearbeitung und Unterhaltungsindustrie eingesetzt werden. Das Unternehmen ist ein kleiner Nischenanbieter in einem riesigen Markt, der von Giganten wie dem US-Konzern Corning und dem japanischen Unternehmen OFS Fitel dominiert wird. Crystal Fibres wichtigste Wettbewerbsvorteile in dieser weitläufigen und wettbewerbsintensiven Branche sind seine einzigartige Technologie und die Patente, die sie schützen.


Die Technische Universität Dänemark, an der Professor Bjarklev tätig war, unterstützte die Finanzierung der ersten Patentanmeldung. Dieses Patent schützte nicht nur die Basistechnologie, es war auch die Basis für die Gründung der Firma Crystal Fibre und für die Einbringung von Kapital durch den dänischen Industriekonzern NKT. "Patente sind für Start-up-Unternehmen immens wichtig", erläutert Anette Hegner, IP-Manager von NKT Research and Innovation. Ein Jahr nach der ersten Patentanmeldung investierte NKT in großem Stile in das junge Unternehmen. NKT hält heute 90% an Crystal Fibre, Professor Bjarklev, Dr. Broeng und die Technische Universität Dänemark, die weiterhin Forschungs- und Entwicklungspartner ist, halten gemeinsam den Rest.

Wichtige Lektionen zum Patentmanagement


Crystal Fibre hat mehr Glück als die meisten Start-ups. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen seiner Größe, die meist nur das Beste hoffen können, wenn es um die Entwicklung einer Patentstrategie geht, oder einen externen Patentanwalt beauftragen, hatte Crystal Fibre Zugang zu einem Team von Anwälten und Patentanwälten von NKT, das auch 16 weitere Unternehmen, darunter 7 NKT-Töchter, betreut. Mit Unterstützung dieses Teams spielt das Patentmanagement eine wesentliche Rolle in Crystal Fibres Geschäftsstrategie. Beispielsweise übernahm Crystal Fibre 2004 den britischen Wettbewerber BlazePhotonics. Ehe es zur Übernahme kam, erhob Crystal Fibre Einspruch gegen zwei wichtige europäische Patente von BlazePhotonics, um den Konkurrenten unter Druck zu setzen, da beide Unternehmen entscheidendes geistiges Eigentum auf dem selben Gebiet schufen. Dr. Broeng erläutert, der britische Wettbewerber habe Patente zu grundlegenden Produktionsprozessen angemeldet, die sein Unternehmen in einem frühen Stadium ebenfalls erfunden habe. Allerdings habe Crystal Fibre sich entschieden, diese Prozesse nicht durch Patente zu schützen, sondern sie geheim zu halten. Wenn Crystal Fibre BlazePhotonics nicht übernommen hätte, wäre das Unternehmen das Risiko eingegangen, diese für die Produktion grundlegenden Verfahren nicht mehr nutzen zu dürfen.

Eine weitere wichtige Lektion war die zu breite Anmeldung von Patenten für Märkte, auf denen die Firma gar nicht unbedingt am Wettbewerb teilnahm. Diese Entscheidungen sind im frühen Entwicklungsstadium schwer, wenn noch nicht klar ist, wie wichtig ein Patent werden kann und noch weniger, auf welche Märkte das Unternehmen sich letztendlich konzentriert. "Am Anfang haben wir uns beeilt, alles zu schützen, was wir nur konnten", erklärt Dr. Broeng.
"Angesichts der Kosten dieser frühen "Alles-Patentieren-Strategie" lernten wir, unsere Patentinvestitionen mehr unter geschäftlichen Gesichtspunkten als aus technischer Sicht auszuwählen."

Eine wirkungsvolle Anmeldestrategie


Heute hat Crystal Fibre 45 Patentfamilien in verschiedenen Ländern. Seine Anmeldestrategie ist sorgfältig konzipiert. In der Regel meldet Crystal Fibre das erste oder Basispatent in Dänemark und/oder den USA an. Anschließend meldet es unter Umständen ein Patent in den USA an. Eine Anmeldung nach dem PCT-Verfahren nimmt das Unternehmen nur dann vor, wenn es sich um eine wirklich viel versprechende Technologie handelt. Mindestanforderung ist in der Regel die Patentanmeldung im wichtigsten Markt und im Land eines bedeutenden Wettbewerbers.

Obwohl Crystal Fibre Tochter eines großen Konzerns ist, ist das Budget nach wie vor knapp, und das Unternehmen geht beim Management dieser Patente sehr diszipliniert vor. Dies gilt insbesondere für Patente, die keinen Ergebnisbeitrag leisten. Von Zeit zu Zeit werden Patente aussortiert. Technologien, die nicht zum Kernbereich zählen, können beispielsweise an andere Unternehmen lizenziert werden.

Patentschutz wird nur für Erfindungen erwirkt, die einen Beitrag zum Unternehmensergebnis leisten können. Die Richtlinie lautet, dass der potenzielle Markt die Kosten für die Anmeldung und Aufrechterhaltung des Patents rechtfertigen muss. Wenn ein Patent nur geringfügige Zusätze zu einem bereits bestehenden Patent schützen würde, werden andere Schutzmethoden in Betracht gezogen. Das Unternehmen ist bestrebt, in wenigen Schlüsselländern möglichst viele Anwendungen zu schützen, anstatt einige wenige Anwendungen in vielen Ländern. Entscheidend ist letztendlich nicht die Zahl der Patente, sondern ihre Wirkung. Kleine Unternehmen haben keine große Wahl.

Alles patentieren zu wollen, kann eine Firma in den Ruin treiben. "Man merkt recht schnell, wie sich das Bankkonto leert", sagt Dr. Broeng.

Auf der Suche nach neuen Ideen in der Datenbank


Dr. Broeng verwendet viel Zeit auf das Durchsehen der Delphion Patentdatenbank nach Stichwörtern und Branchen. Das hilft ihm, die Anmeldungen seiner Wettbewerber im Auge zu behalten, insbesondere aggressive Schachzüge, die Crystal Fibres Geschäft schaden könnten. Ab und zu inspiriert ihn diese Recherche auch zu neuen Ideen. Beispielsweise wurde Dr. Broeng einmal auf die US-Patentanmeldung eines Wettbewerbers für ein neues technisches Verfahren im Zusammenhang mit Hochleistungsfasern für Laser aufmerksam. In diesem Markt sah Crystal Fibre großes Potenzial. Nach Abschluss weiterer Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet meldete das Unternehmen eine Verbesserung des Patents an, und mit der Unterstützung des zusätzlichen Patents erwarb es dann eine Lizenz für die zugrunde liegende Technologie des US-Unternehmens. Heute sind Hochleistungslaserfasern Crystal Fibres wichtigster Markt, und nur Crystal Fibre und sein Lizenzpartner besitzen die Technologie.

Spezialisierte Branchenzentren wären nützlich


Laut Dr. Broeng sind kleine Unternehmen durch die mitunter mangelnde Branchenkenntnis der Patentanwälte benachteiligt. Es ist schwer, schon früh eine Patentstrategie auszuarbeiten, die den Geschäftszielen des Unternehmens entspricht. Deshalb hält er Geschäftszentren für sinnvoll, die auf bestimmte Branchen spezialisiert sind. Im Laufe der Zeit könnten diese Zentren das spezielle Fachwissen anbieten, das kleine Unternehmen brauchen. Er empfindet auch die hohen Übersetzungskosten, die kleine Firmen für die Anmeldung von Patenten zu schultern haben, als große Belastung. Und schließlich beunruhigen ihn große Unternehmen, die breit angelegte, unklare Patente anmelden. Große Unternehmen können solche Patente benutzen, um kleinere Unternehmen (die sich ein Patentverletzungsverfahren nicht leisten können) aus dem betreffenden Markt auszuschließen.
 

Crystal Fibre product

 Crystal Fibres wesentliche Wettbewerbsvorteile sind seine einzigartige Technologie und die Patente, die sie schützen

 

 

 

 

 

 

Produktfakten

 

Crystal Fibre entwickelt, produziert und vermarktet photonische Kristallfasern (PCF). Photonische Kristallfasern sind ein neues Segment optischer Fasern, die bedeutende neue Möglichkeiten und Funktionen für ein breites Anwendungsspektrum bieten. Crystal Fibre brachte sein erstes Produkt im Sommer 2000 auf den Markt und hat seine Produktpalette seitdem erheblich ausgebaut.

Das Unternehmen ist heute der größte kommerzielle Anbieter photonischer Kristallfaser-Lösungen und führt eine große Bandbreite an Spezialfasern im Bereich der nichtlinearen Fasern, der Large Mode Area-Fasern sowie der High NA- und der UV-optimierten Fasern.

Unternehmensprofil


Crystal Fibre

Crystal Fibre A/S wurde Ende 1999 gegründet und ist heute der weltweit größte Anbieter photonischer Kristallfaser-Lösungen. Das Unternehmen ist Teil der NKT Photonics Group.
Staff: 22
Key product: Photonische Kristallfasern.
Customers: Telekommunikation, Laserdruck, Verteidigung, Metallbearbeitung und Unterhaltung.

Crystal Fibre A/S
Blokken 84, 3460 Birkerod
Denmark
www.crystal-fibre.com

 

IP-Hintergund

 

Patentschutz: 45 Patentfamilien

Reihenfolge der Patentanmeldungen: Zuerst beim nationalen Patentamt und/oder in den USA. . Dann eventuell im PCT-Verfahren oder in England, je nachdem, wo sich Markt und Wettbewerber befinden
IP-Abteilung: Anette Hegner leitet ein IP-Team mit 3 Patentexperten für die Muttergesellschaft NKT Group
Erfolgsfaktoren: Einzigartige Technologie und hoch entwickelter Patentierungsansatz
Herausforderungen: Die Kosten für die Patentanmeldung einschließlich der Übersetzungskosten. Der Wettbewerb gegen große Unternehmen, die übermäßig breit angelegte und unklare Patente anmelden.
 

Ansprechpartner


Europäisches Patentamt
Erhardtstr. 27, 80469 München, Deutschland
Tel.: +49 89 2399 4636
E-Mail: sme@epo.org
www.epo.org

Danish Patent and Trademark Office
Helgeshoej Allé 81, 2630 Taastrup, Denmark
Tel.: +45 43 508000
E-Mail: pvs@dkpto.dk
www.dkpto.dk  

 


© European Patent Office.Impressum.Nutzungsbedingungen..Letzte Aktualisierung: 14.5.2007