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Einzelkämpfer mit minimalem Patentbudget

FRESHORIZE ist ein englisches Ein-Mann-Unternehmen unter der Leitung von Aziz Patel mit Sitz in East London. Das Unternehmen und sein Produkt wurden bereits mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, aber die Vermarktung hat sich als echte Herausforderung erwiesen, und die Patentierung war teurer als erwartet. Die breitere Formulierung der Patentanmeldungen bietet Aziz Patel zumindest etwas Sicherheit.

Aziz Patel/Freshorize

Aziz Patel, Freshorize: "Die Aufwendungen für den Schutz und die Verwertung einer Erfindung können für ein kleines Unternehmen ganz schnell außer Kontrolle geraten."

 
Die Entscheidung, wie viel Geld man für Patentschutz aufwenden soll, fällt keinem Start-up-Unternehmen leicht, aber für einen einzelnen Erfinder mit knappem Budget ist sie noch schwerer zu treffen. Ohne Gehalt und ohne Vollzeitmitarbeiter hat Aziz Patel jahrelang daran gearbeitet, seinen kombinierten Seifenspender/Lufterfrischer in Dispenser-Flaschen auf dem weitläufigen Hygieneartikelmarkt einzuführen. Die Ausgaben sind an allen Fronten hoch, aber die Aufwendungen für Schutz und Verwertung einer Erfindung auf vielen Märkten können eine kleine Firma schier erdrücken. "Diese Kosten können für ein kleines Unternehmen ganz schnell außer Kontrolle geraten", sagt Aziz Patel.

Sicher, das Potenzial für Freshorizes Produkt scheint unbegrenzt. Es ist ein erschwinglicher Artikel, der in einer praktischen Pumpdosierflasche zwei Produkte vereint, die viele Verbraucher einzeln kaufen, Flüssigseife und Lufterfrischer. Dieses Konzept auch Unternehmen schmackhaft zu machen, erwies sich aber als schwierig. Der Markt für einen solchen Artikel ist neu und unerforscht. Werbung ist nicht billig, und auch die Anwaltskosten, die für den Schutz und die Verwertung geistigen Eigentums anfallen, sind beträchtlich. Aziz Patel hat wenig Kapital. Seine Erfahrung zeigt, welche Schwierigkeiten ein einzelner Erfinder überwinden muss, wenn er versucht, Nachfrage für ein neues Produkt zu erzeugen.

Die Geschichte begann mit einem klassischen Erfindermoment. Aziz Patel war an Bord eines Flugzeugs, als er einen unangenehmen Geruch bemerkte, der von der Toilette kam. Der Londoner Rechtsanwalt, der damals zusammen mit seinem Vater ein Hygieneartikelgeschäft in Sambia führte, dachte: und wenn in den Seifenspender einfach ein Lufterfrischer integriert wäre? Als er wieder in London war, baute er einen Prototyp und patentierte seine Idee.

Ursprünglich hatte Aziz Patel gehofft, die Technologie lizenzieren zu können. Er sprach über ein Dutzend Unternehmen darauf an, darunter auch die ganz Großen im Hygieneartikelmarkt wie Unilever und Procter & Gamble – aber mit wenig Erfolg. Er versuchte es auch bei kleinen Unternehmen, aber die, mit denen er sprach, sagten, das zur Einführung eines neuen Produkts erforderliche Marketing übersteige ihre finanziellen Möglichkeiten. Als nächstes verlegte Aziz Patel sich auf den Direktverkauf. Er rief große Supermarktketten wie Asda und J. Sainsbury an. Einige Manager befürchteten, als Ein-Mann-Unternehmen sei Aziz Patel womöglich nicht in der Lage, ihrer Nachfrage zu entsprechen. Ein Einkäufer bei Tesco setzte schließlich darauf, dass Aziz Patel die Anforderungen erfüllen würde. Nachdem Freshorize sein Produkt nun drei Jahre lang bei Tesco zum Einzelhandelspreis von 1.99 GBP im Massenmarkt angeboten hat, versucht das Unternehmen heute, sein Produkt im Fachhandel unterzubringen, der einen Schritt näher am lukrativen Premium-Marken-Geschäft ist.

Freches Auftreten mit gemischten Ergebnissen

Eine Marke bei den Verbrauchern bekannt zu machen ist teuer, deshalb verlegte Aziz Patel sich auf Öffentlichkeitsarbeit, anstatt kostspielig für sein Produkt zu werben. Er rief wiederholt bei Frauenzeitschriften an und schickte ihnen sein Produkt, bis ein paar sich schließlich bereit erklärten, einen Artikel darüber zu schreiben. "Das ist schon etwas aufdringlich", sagt er. "Sie lehnen ab, aber man ruft sie immer wieder an. Ich habe mich einfach nicht abwimmeln lassen."

In letzter Zeit hat er sich an Geschäftskunden wie Fluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffe, Krankenhäuser und Bürozentren gewandt, in der Hoffnung, dass dieser Markt eines Tages das aufwendigere Verbrauchersegment seines Geschäfts mitträgt. Bisher war das Ergebnis dieser Bemühungen durchwachsen. In einem Fall schlug eine Fluggesellschaft vor, er solle ihr das Produkt kostenlos liefern - als Gegenleistung für die Kontakte, die Freshorize durch die Bestückung der Flugzeuge erhalte. Fünf andere Fluggesellschaften unterzeichneten aber Verträge für insgesamt über 20 000 Stück. Aziz Patel erwartet, in den nächsten Monaten weitere Fluggesellschaften an Bord zu holen.

Nach über sechs Jahren ist das Unternehmen noch immer klein. Aziz Patel führt es im Wesentlichen allein. Er hat eine Teilzeit-Assistentin, die ihn bei Verkauf und Marketing unterstützt. Und Familie und Freunde helfen, wann immer sie können. Aziz Patels Schwester beispielsweise ist Buchhalterin und führt die Bücher. Ein Freund hat den Dispenser für wenig Bares, aber auch gegen das Versprechen einer zukünftigen Anstellung, entworfen. Acht Lieferanten in Europa fertigen und montieren das Produkt. Der Umsatz ist minimal und wirft keinen Gewinn ab. Freshorize wurde mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, darunter eine Empfehlung als bestes neues Unternehmen und eine Auszeichnung für Design-Innovation.

Im Oktober 2000 gab Aziz Patel 200 GBP aus, um seine Idee in Großbritannien patentieren zu lassen. Um Kosten zu sparen, verfasste er die Patentanmeldung selbst und reichte sie selbst ein. "Jetzt weiß ich, dass das ein Fehler war", sagt er. "Ich bin zwar Rechtsanwalt, aber ich bin kein Patentanwalt." Ein Patentprüfer im Vereinigten Königreich hatte gute und schlechte Nachrichten für ihn. Aziz Patels Idee habe großes Potenzial, sagte er, aber sein Anspruch sei zu eng formuliert. Suchen Sie sich einen Patentanwalt, empfahl ihm der Prüfer.


Patente noch nicht erteilt


Hier können die Patentkosten sich schnell summieren. Nach Gesprächen mit vier Patentanwälten im Vereinigten Königreich wählte Aziz Patel schließlich einen aus und zahlte ihm etwa 300 GBP pro Stunde. Seine erste Patentanmeldung wurde in Großbritannien eingereicht und das Patent im September 2002 erteilt. Kurz nach der Anmeldung in Großbritannien wurden auch Patente in Europa, den USA, Kanada, Australien und Japan angemeldet. Freshorize ist auch als Geschmacksmuster geschützt und Firmenname und Firmenlogo sind als Warenzeichen eingetragen. Obwohl Aziz Patel seinen Anwalt fragte, was diese Patentanmeldungen kosten würden, konnte er sich kein klares Bild machen. Beispielsweise berücksichtigte er nicht in vollem Umfang, wie viel er allein an Anwaltskosten berappen musste, um die verschiedenen Anfragen der Patentprüfer in den einzelnen Ländern zu beantworten. Auch die Kosten für die Verlängerung der Patente und die Honorare für die lokalen Patentanwälte in den einzelnen Märkten hatte er nicht mit eingerechnet.

Das Verfahren hat sich als langwieriger und kostspieliger erwiesen als erwartet. Noch immer sind die Patente in keinem Markt außer Großbritannien erteilt. "Ich dachte, ich zahle eine Anmeldegebühr und nach einiger Zeit ist die Sache erledigt", sagt Aziz Patel. "Ganz so einfach ist es nicht. Es gibt verschiedene Phasen und jede dieser Phasen kostet Geld. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich vielleicht auf Europa beschränkt."

Geld ist nach wie vor Aziz Patels große Sorge. Am Anfang finanzierte er das Geschäft selbst, indem er Ersparnisse einsetzte und eine Hypothek auf sein Haus aufnahm. Nach drei Jahren wandte er sich an Wagniskapitalgeber. Er sagt, da er kein Technologieunternehmen ist, sei er auf wenig Interesse gestoßen. Ein Unternehmen, das sich interessiert zeigte, verlangte immer wieder überarbeitete Geschäftspläne, bis Aziz Patel nach sechs Monaten die Geduld verlor. Stattdessen versuchte er sein Glück beim Small Firm Loan Guarantee-Programm in Großbritannien, und dort gelang es ihm schließlich, 60 000 GBP aufzunehmen. Als nächstes bat er einen Anwaltskollegen und Freund um Hilfe, der 30 000 GBP gegen eine Geschäftsbeteiligung investierte.

Um die Kosten unter Kontrolle zu halten, erledigt Aziz Patel einige Patentaufgaben selbst. Anstatt seinem Anwalt 600 GBP für die Durchführung einer grundlegenden Patentrecherche zu zahlen, übernahm er die erste selbst. In typischer Anwaltsmanier begann er damit allerdings in der British Library mit einem Stapel Original-Patentanmeldungen, ehe er entdeckte, dass es Datenbanken gibt, die diese Aufgabe bedeutend erleichtern. "Die EPA-Suchmaschine ist hervorragend", sagt er. "Jeder intelligente Mensch kann die Recherche selbst durchführen."

Alle paar Monate führt er eine Recherche nach Firmennamen und Schlagwörtern durch, um etwaige Patentverletzungen zu entdecken. Vor Kurzem hat er herausgefunden, dass britische Firmen damit begonnen haben, sein Flugzeug-Produkt nachzuahmen und es in China herstellen zu lassen. "Sie haben unser Design genau übernommen. Als Kleinunternehmen mit begrenzten Mitteln konnten wir uns keine Klage leisten", sagt Aziz Patel. Immerhin gelang es ihm ohne größere Schwierigkeiten, die genaue Nachahmung des Designs zu unterbinden, denn schließlich besitzt er die Geschmacksmusterrechte. Schwieriger war es, den Nachbau seines Produkts insgesamt zu verhindern: die Patentanmeldungen schweben noch, was die Firmen ausnutzen, um nach wie vor seine Erfindung zu kopieren. "Wir kriegen sie, sobald wir das Patent haben", meint Aziz Patel.

Dennoch geben die breiter angelegten Patentanmeldungen Aziz Patel ein wenig mehr Sicherheit, wenn er seinen Prototyp bei großen Unternehmen präsentiert und ihn anschließend dort zurücklässt. Zu wissen, dass die Erfindung zumindest patentiert ist, sagt er, "ist doch irgendwie ein beruhigendes Gefühl."

Klare Vorstellung von den zukünftigen Kosten nötig


Aziz Patel findet, Unternehmen sollten ihre Anwälte anhalten, genauere Angaben zu den künftigen Kosten in jeder Phase des Patentverfahrens zu machen. Sie sollten auch wissen, welches Maß an Patentschutz sie in jedem Stadium ihres Geschäfts benötigen und in der Lage sein, Patentinvestitionen mit Geschäftszielen zu unterlegen.

Freshorize product
Produktfakten

Freshorize ist eine einzigartige und innovative Erfindung für Toiletten: Aus einer einzigen für ihr Design preisgekrönten Flasche spendet Freshorize Flüssigseife, aktiviert ein Aerosol mit Aromatherapiedüften und (3 in 1) bietet ein integriertes Gelkissen, das einen  geruchsneutralisierenden Duft abgibt. Die Produktentwicklung und -diversifikation umfasst Gestaltungsvarianten für mehrere horizontale Märkte wie etwa Verkehrswesen (Fluggesellschaften, Züge etc.), den gewerblichen Bereich (Toiletten in Büros und mobile Toiletten) und den Einzelhandel (Endverbraucher), sowie verschiedene Duftnoten und Stile.

 

Unternehmensprofil

Freshorize logo
Freshorize wird vom Erfinder des Produkts in London betrieben. Das paentierte  Seifenspender-/Raumerfrischerprodukt wird von a cht Lieferanten in Europa gefertigt und montiert . Es ist bei Tesco im Vereinigten Königreich erhältlich.

 

Mitarbeiter: 1
Umsatz 2004: Gering
Schlüsselprodukt: Kombinierter Seifenspender und Raumerfrischer
Kunden: Tesco und Fachhandel. Fünf Verträge mit Fluggesellschaften, darunter First Choice Airways

Freshorize Ltd.
Royal Docks Business Centre
University of East London
4-6 University Way
London, E16 2RD
United Kingdom
www.freshorize.com

 

IP-Hintergrund

Patentschutz: Ein Patent
Reihenfolge der Patentanmeldungen: Zuerst im Vereinigten Königreich, dann in Europa, den USA, Kanada, Australien und Japan
IP-Abteilung: Der Gründer übernimmt das Patentmanagement mit Unterstützung eines externen Patentanwalts selbst
IP-Budget: bisher 20 000 GBP
Erfolgsfaktoren: Erstanbieter-Status und Ausdauer
Herausforderungen: Gesamtkosten und erforderlicher eigener Zeitaufwand im Zusammenhang mit Patentfragen
Empfehlungen: Unternehmer sollten ein klares Verständnis der Kosten haben, die in jeder Phase des Patentverfahrens auf sie zukommen.

 

Kontakt

Europäisches Patentamt
Erhardtstr. 27, 80469 München, Deutschland
Tel.: +49 89 2399 4636
E-Mail: sme@epo.org
www.epo.org

The UK Intellectual Property Office
Awareness, Information and Marketing Team
Concept House , Cardiff Road, Newport,
South Wales NP10 8QQ, United Kingdom
Tel.: +44 1633 814768
e-mail: marketing@patent.gov.uk
http://www.ipo.gov.uk/


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