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Patente mit Röntgenblick

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Das deutsche Unternehmen KETEK hat sich als Entwickler und Produzent hoch entwickelter Röntgendetektoren in einem hochspezialisierten technischen Nischenbereich einen Namen gemacht. Der Gründer und Inhaber des Unternehmens ist ein Forscher von Weltrang, der den Realitäten des Marktes ins Auge blickt und versucht, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein, seine Ideen zu schützen und die Kosten unter Kontrolle zu halten.

Dr. Josef Kemmer

"Ein kleines Unternehmen wie wir braucht nicht in hunderten von Ländern Patente."

Der deutsche Physiker Dr. Josef Kemmer hat in seiner langjährigen Tätigkeit in Hochschullaboren und Forschungsinstituten einige der kompliziertesten Technologien im Halbleiterbereich entwickelt. Heute stellt er sich weitaus prosaischeren Herausforderungen: Er lernt, seine Erfindungen mit begrenzten Mitteln zu schützen und zu verwerten. Doch wie bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen hat die Schaffung neuer Technologien Vorrang vor Fragen des Patentschutzes. "Wir müssen neue Produkte entwickeln", sagt Dr. Kemmer. "Damit nutzen wir unsere Zeit am kosteneffektivsten."

Bisher scheint diese Strategie zu funktionieren. Das Unternehmen mit Sitz in München wurde mit dem bedeutenden Innovationspreis der bayerischen Volksbanken und Raiffeisen¬banken ausgezeichnet und zu "Bayerns Mittelstandsbetrieb des Jahres 2004" ernannt. Doch Ketek reift als Unternehmen, und das Team arbeitet bereits an der nächsten Generation seiner Technologie, so dass der Schutz der Erfindungen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Keteks Geschichte zeigt, welchen Herausforderungen ein Wissenschaftler/Unternehmer sich stellen muss, wenn er das IP-Management mit begrenztem Budget selbst in die Hand nimmt.

Hochprofilierte Anwendungen im Fokus


Dr. Kemmer gründete Ketek 1989. In den ersten Jahren führte das Unternehmen die Grundlagenforschung durch und transferierte die Technologie, die Dr. Kemmer an der Technischen Universität München entwickelt hatte, an verschiedene Kunden in der Industrie und an die deutsche Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Die Schlüsseltechnologie besteht in einer neuen Art von Detektorchip aus Silizium, der zur Materialanalyse mittels Röntgenspektroskopie eingesetzt wird, etwa zur Bestimmung der genauen Materialzusammensetzung eines Gemäldes in einem Museum, um es zu datieren.

Heute ist Ketek ein marktorientiertes Unternehmen, das Silizium-Drift-Detektoren (SDDs) herstellt. Diese Detektormodule werden an Originalgerätehersteller wie Oxford Instruments, das Röntgensysteme für die Elementanalyse herstellt, und Spectro, das ebenfalls Geräte zur Materialanalyse herstellt, verkauft. Der Vertrieb von Komponenten ist mit einem Umsatzanteil von 80% Keteks wesentliche Ertragsquelle. Darüber hinaus verkauft Ketek komplette Spektrometer, die mit diesen SDDs ausgestattet sind, an kleine Unternehmen, die sich mit Materialanalyse befassen, und an Forschungsinstitute.

Das Unternehmen konzentriert sich auf einen hochspezialisierten Nischenbereich, in dem es nur wenige Wettbewerber gibt, sagt Dr. Kemmer. Ketek hat einen kleinen Kundenkreis, aber seine Produkte kommen in einigen äußert profilierten Anwendungen zum Einsatz. So wurden Ketek-Röntgendetektoren in den APX-Spektrometern an Bord der beiden NASA-Rover Spirit und Opportunity zur Analyse von Gesteins- und Bodenproben auf dem Mars eingesetzt. Wissenschaftler im Vatikan nutzen Ketek-Spektrometer zur Analyse des Alters von Kunstwerken.

2006 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von ca. 4.1 Mio. EUR. Ketek beschäftigt zwanzig Mitarbeiter, die je zur Hälfte in Forschung und Entwicklung tätig sind. Die deutschen Kunden generieren 60% des Umsatzes. Ketek beliefert Abnehmer in zwanzig Ländern, darunter auch die USA und das Vereinigte Königreich.

Verlassen auf die eigene Erfahrung


Ketek ist eine kleine Firma mit begrenzten Ressourcen. Patente sind zwar wichtig, müssen aber mit minimalem Budget verwaltet werden. Es gibt keine eigene Abteilung, die sich mit IP-Management befasst. Dr. Kemmer widmet dem Thema etwa 10% seiner eigenen Arbeitszeit mit dem Verfassen von Patentanmeldungen und der Recherche der Anmeldungen potenzieller Wettbewerber. Es wird ein externer Patentanwalt hinzugezogen, aber seine Dienste werden maßvoll in Anspruch genommen, vor allem zum Korrekturlesen und Einreichen der Patentanmeldungen.

Dr. Kemmer verlässt sich bei der Behandlung von Patentthemen meist auf seine eigene Erfahrung und seine Branchenkenntnis. Er ist in diesem hochspezialisierten Bereich seit über 30 Jahren tätig, er kennt seine Wettbewerber, liest Fachzeitschriften und nimmt an Messen und Konferenzen teil. Seine genaue Kenntnis potenzieller Wettbewerber auf diesem Spezialgebiet und seine guten Kontakte im akademischen Bereich (Hochschulen und Forschungsinstitute) erleichtern ihm das Überwachen neuer Patentanmeldungen ganz erheblich. Er verfasst alle Dokumente selbst und behält mögliche Aktivitäten der Konkurrenz, aber auch mögliche Patentverletzungen im Auge.

Er hat schon schlechte Erfahrungen damit gemacht, sich zu sehr auf einen externen Patentanwalt zu verlassen. In einer besonders hektischen Zeit - die Produktion einer neuen Technologie lief auf Hochtouren und die Firma hatte ihren Grundlagenforschungsbereich gerade an ein anderes Unternehmen verloren - versprach ein Patentanwalt, er werde eine Anmeldung für ein neues Patent einreichen. Als ihm die lange Bearbeitungszeit beim Deutschen Patent- und Markenamt seltsam vorkam, rief Dr. Kemmer einen Prüfer an, den er dort kannte, und fragte, warum er keine Eingangsbestätigung der Anmeldung erhalten habe. Es stellte sich heraus, dass der Patentanwalt das Patent gar nicht angemeldet hatte. Letztendlich reichte Dr. Kemmer die Anmeldung selbst ein, aber die Nachlässigkeit des Patentanwalts und sein eigenes Nichtbefassen mit dem Thema kosteten ihn sieben Monate Zeit.

Nur bahnbrechende Ideen patentieren


Im Laufe der Jahre hat Dr. Kemmer seine Patentstrategie geändert. Früher patentierte er jede vielsprechende Idee und hat in den letzten Jahrzehnten um die 70 Patente angemeldet. Mit einem IP-Budget von nur 20 000 EUR pro Jahr muss er heute sehr viel selektiver vorgehen und genau auswählen, wofür und wo er Patente anmeldet. Seine Strategie lautet: Es werden nur wirklich bahnbrechende Ideen patentiert. Einzelne Schritte oder kleinere Verbesserungen werden nicht veröffentlicht und nicht patentiert, weil Dr. Kemmer befürchtet, dass sie dann kopiert werden. Und angesichts seiner begrenzten Ressourcen kann er dagegen nichts unternehmen. Er schützt seine Ideen, ehe er mit potenziellen Partnern darüber spricht, da er sonst das Risiko eingehen würde, dass sie sich auf den Standpunkt stellen, das Know-how sei bereits bekannt gewesen. Seiner Ansicht nach garantieren Patente den Wert von Keteks Technologien gegenüber den Unternehmen, mit denen Ketek zusammenarbeitet. Und schließlich meldet er nur in Märkten mit hohem Umsatzpotenzial Patente an. "Ein kleines Unternehmen wie wir braucht nicht in hunderten von Ländern Patente", sagt er. Von den dutzenden Patenten, die er im Laufe der Jahre angemeldet hat, erhält er nur noch etwa 10 aufrecht.

Patentverletzungen ignoriert Dr. Kemmer in der Regel. Er zieht es vor, die Verstöße zu tolerieren, anstatt gerichtlich dagegen vorzugehen. Das kann er sich nicht leisten. Einmal machte ihn sein Patentanwalt darauf aufmerksam, dass ein amerikanisches Unternehmen einen Auftrag im Wert von etwa 100 000 USD über die Lieferung eines Produkts erhalten hatte, in dem Keteks patentierte Technologie eingesetzt wurde. Der Leiter des Unterneh¬mens bestritt, Keteks Patent verletzt zu haben, und Dr. Kemmer ließ die Sache auf sich beruhen. "Für eine kleine Firma hat es keinen Sinn, gegen ein amerikanisches Unternehmen vorgehen zu wollen", sagt er. "Das kann man sich schlicht nicht leisten, wenn man einem Anwalt in den USA 500 USD die Stunde zahlen muss."

Glücklicherweise verwendet das amerikanische Unternehmen eine anspruchsvolle Techno¬logie, für die es wenig praktische Einsatzbereiche gibt und hat sich bisher noch nicht als Bedrohung erwiesen. In jedem Fall findet Dr. Kemmer, Ketek hat mehr davon, wenn sich das Unternehmen darauf konzentriert, technologisch immer einen Schritt voraus zu sein. "Wir wollen unsere Zeit nicht mit Streiten verbringen", sagt er. "Wir widmen unsere Zeit lieber der Forschung."

Wenn es geht, versucht er, mit potenziellen Wettbewerbern zusammenzuarbeiten. Daraus ist eine Handvoll Lizenzverträge hervorgegangen. Diese werfen allerdings bisher gerade genug Ertrag ab, um die Anmeldegebühren und die laufenden Patentgebühren zu decken.

Letztendlich ist immer alles eine Frage des Geldes, und das kann gerade kleine Unternehmen wie Ketek in Schwierigkeiten bringen. Dr. Kemmer versucht, die Kosten zu senken, wo er nur kann. Um Geld zu sparen, beauftragte er einmal einen weniger teuren Übersetzer mit der Umschreibung einer Patentanmeldung für die USA. Als er das Ergebnis zum Korrekturlesen erhielt, stellte er fest, dass die Anmeldung nicht nur schlecht formu¬liert war, sondern auch zahlreiche technische Fehler enthielt. Der Verfasser war mit der Fachterminologie nicht vertraut. Dr. Kemmer verbrachte die nächsten zwei Tage damit, das 30-seitige Dokument selbst zu korrigieren. "Damit hat das Unternehmen zwar Geld gespart, aber es hat mich meine persönliche Zeit am Wochenende gekostet", sagt er.

Um das Risiko eines Verlusts der Patente im Falle einer Insolvenz des Unternehmens zu minimieren, meldet Dr. Kemmer alle Patente auf seinen eigenen Namen an und lizenziert die Technologien anschließend an sein Unternehmen.

In Zukunft hofft Dr. Kemmer, einen Ingenieur mit Erfahrung in Patentangelegenheiten einzustellen. Dies ist wichtig für das Unternehmen, da das zuletzt angemeldete Patent für Ketek einen wesentlichen Schritt nach vorn und eine immense kommerzielle Chance darstellen kann. Dr. Kemmer sagt, wenn das Patent für Keteks jüngsten Detektor der Hochtechnologie erteilt wird, hat das enormen Einfluss auf die Branche und auch auf den Umsatz und die Entwicklung seines Unternehmens. Dann wird mehr in den Patentschutz dieser neuen Technologie und seine Durchsetzung investiert.

Sorgfältige Auswahl der Erfindungen


Angesichts der hohen Kosten für Patentanwälte, Übersetzungen und laufende Gebühren empfiehlt Dr. Kemmer mittleren Unternehmen, sorgfältig auszuwählen, welche ihrer Ideen schützenswert sind.

Ketek Produkt
Produktfakten

Ketek bietet eine große Bandbreite an anwenderfreundlichen Detektormodulen, die ihre Zuverlässigkeit und ihre herausragenden Leistungsmerkmale in Wissenschaft und Industrie seit über zehn Jahren unter Beweis gestellt haben. Neben Silizium-Drift-Detektoren (SDDs) bietet Ketek auch komplette Röntgenspektrometer an. Zusammen mit dem SDD-Detektormodul enthalten sie die gesamte Elektronikausstattung, die der Benutzer braucht. Gammastrahlendetektoren sind Großflächen-VITUS-SDDs, die optisch mit einem Szintillator gekoppelt sind. Ein Szintillator ist ein Material, das die bei der Ionisierung der Strahlen verlorene Energie in Lichtimpulse umwandelt.

Unternehmensprofil


Ketek Logo

Das Unternehmen Ketek ist anerkannter Weltmarktführer in der Entwicklung und Produktion technologisch hochentwickelter Röntgendetektoren. Ketek wird von seinem Gründer und Inhaber Dr. Josef Kemmer geführt.

 

 

Mitarbeiter: 20
Umsatz 2006: 4.1 Mio. EUR
Schlüsselprodukte: Silizium-Drift-Detektor und Komponenten zur Materialanalyse
Kunden: OEMs wie Oxford Instruments und Spectro

Ketek GmbH
Hofer Straße 3
81737 München
Deutschland
www.ketek.net

IP-Hintergrund

 

Patentschutz: Fünf Patentfamilien
Anmeldereihenfolge der Patente: Zuerst in Deutschland, dann beim EPA und in den USA. Manchmal auch zuerst Direktanmeldung beim EPA
IP-Abteilung: Der Gründer übernimmt das IP-Management mit Hilfe eines externen Patentanwalts selbst
IP-Budget: 20 000 EUR pro Jahr
Erfolgsfakoren: Überlegene Technologie
Herausforderungen: Kosten der Patentanmeldung, Verlängerungsgebühren, Übersetzungskosten, persönlicher Zeitaufwand des Gründers für Patentangelegenheiten und Mangel an Ressourcen, um gegen Patentverletzungen vorzugehen
Empfehlungen: Unternehmen sollten sorgfältig auswählen, welche Erfindungen patentiert und geschützt werden sollten

Ansprechpartner


Deutsches Patent- und Markenamt  
Erhardtstr. 27, 80469  München, Deutschland
Tel.: +49 89 2399 4636
E-Mail: sme@epo.org
www.epo.org

German Patent and Trade Mark Office
Zweibrückenstr. 12, 80331 München, Deutschland
Tel.: +49 89 2195-0
E-mail: info@dpma.de
www.dpma.de

 


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