Das ursprünglich auf optische Laser spezialisierte französische Unternehmen OSYRIS hat sein Leistungsspektrum erweitert und entwickelt für seine Kunden jetzt auch innovative Lösungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Geistiges Eigentum spielt in der Strategie des Unternehmens eine wichtige Rolle: als Instrument, das Schutz und Möglichkeiten zur Beobachtung des Wettbewerbs bietet, und als Vermögensgegenstand, mit dem das Unternehmen Wert realisieren kann.
"Ein Patent ist ein interessantes Instrument, wenn es richtig eingesetzt wird."
Jaouad Zemmouri ist Universitätsprofessor und Geschäftsführer von Osyris. Gemeinsam mit Jean Ringot und Igor Razdobreev hat er das Unternehmen im Juli 2002 gegründet. Osyris ist das erste Unternehmen, das aus dem Pre-Inkubator der Wissenschaftlichen und Technischen Universität Lille hervorgegangen ist. Osyris konnte von dem Gesetz für Innovation und Forschung vom 12. Juli 1999 profitieren und wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Osyris befasste sich ursprünglich mit der Entwicklung und Vermarktung von Lasern und optischen Lasertechnologien für den Einsatz in Industrie und Medizin, entschied sich dann aber, eine neue und in gewisser Weise untypische Aktivität auszubauen: die Organisation und Implementierung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, für andere Unternehmen technologische Innovationen zu erarbeiten. Laut Jaouad Zemmouri haben kleine und mittlere Unternehmen oft keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, und selbst wenn alle technologischen Probleme theoretisch lösbar sind, verfügen KMU nur selten über die Zeit und Ressourcen, um nach diesen Lösungen zu suchen.
Osyris füllt diese Marktlücke, indem es seine Forschungs- und Entwicklungskompetenz in den Dienst seiner Kunden stellt. Mit seinem methodischen Ansatz im Management von Innovationsprojekten bietet Osyris seinen Kunden den effektivsten Weg zur Lösung ihrer Innovationsprobleme.
Osyris hat zwei Arten von Kunden (multinationale ebenso wie kleine und mittlere Unternehmen):
Aufgrund seiner Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Universitätslaboren ist Osyris in verschiedenen Branchen tätig. Durch die Verbindungen zu Universitäten, über die 200 bis 300 potenzielle Forscher aktiviert werden können, lässt sich die Forschungs- und Entwicklungskapazität nach Bedarf erweitern.
Derzeit hat Osyris seinen Kundenstamm vorwiegend in Nordfrankreich und Belgien. Diese Kontakte haben sich im Wesentlichen durch Mundpropaganda ergeben. Das Unternehmen bietet seine Leistungen in einer Nische mit enormem Potenzial an. Deshalb hat Jaouad Zemmouri, wie er sagt, keine Konkurrenz, sondern "nur Kollegen". Die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind Methodenwissen und Erfahrung in der Abwicklung umfassender Projekte unter Berücksichtigung aller wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Aspekte.
Die Entwicklung der Lasertechnologien führte lange vor Osyris' Gründung schon zu Patentanmeldungen. Diese Patente befinden sich heute in der Phase der internatio-nalen Erweiterung des Schutzbereichs. Sie wurden von der Wissenschaftlichen und Technischen Universität Lille (mit Jaouad Zemmouri als Miterfinder) angemeldet, und
Osyris wurden die exklusiven Rechte zur Verwertung der Patente für einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren gewährt. Heute tritt Osyris auch in eigenem Namen als Patentanmelder auf, entweder für sich selbst oder im Rahmen der Miteigentumsvereinbarungen, die das Unternehmen mit seinen Kunden geschlossen hat.
Osyris verfolgt eine einfache IP-Politik: Patente werden angemeldet, sobald Schutzbedarf entsteht. Jaouad Zemmouri vertritt den Standpunkt, dass Patente vor allem dann wichtig sind, wenn sie auf wissenschaftlichen Sachverhalten basieren, und untergeordnete Bedeutung haben, wenn sie sich auf technologische Fakten beziehen. Bei Letzteren kann man "um das Patent herum entwickeln". Das heißt, es lässt sich relativ leicht eine andere technische Lösung als die durch das Patent geschützte finden, um dasselbe technische Problem zu lösen. Die technologischen Entwicklungen schreiten so rasch voran, dass ein Patent seinen Wert nicht lange behält. Technologische Überlegenheit und Geheimhaltung sind deshalb ebenfalls wichtige Formen des Erfindungsschutzes. Osyris ist bestrebt, schon in einem frühen Stadium des Innovationsprojekts die wissenschaftlichen Grundlagen durch Patentanmeldungen zu schützen, um sie so für fremde Nutzung zu blockieren. Jaouad Zemmouri ist überzeugt davon, dass der Schutz der wissenschaftlichen Erkenntnisse wichtiger ist als der Schutz der Technologie. Das erklärt auch, warum Osysris bereits Patente aufgegeben hat, die das Unternehmen als veraltet betrachtet.
Das IP-Budget beläuft sich auf insgesamt 60 000 EUR pro Jahr (Patentanmeldungen, Erweiterungen des Schutzbereichs, IP-Berater). Angesichts des gegenwärtigen Geschäftsvolumens wird das IP-Budget wahrscheinlich aufgestockt. Für alle Patente von Osyris wird systematisch die internationale Erweiterung des Schutzbereichs beantragt. Dabei werden einige Anmeldungen direkt als europäische oder PCT-Anmeldungen eingereicht, um "Zeit zu gewinnen".
Osyris meldet zwei Arten von Patenten an:
Die Anmeldung von Patenten ist ein Schlüsselfaktor für Geschäftsanbahnung und Verhandlungen. Aber wie Jaouad Zemmouri sagt, stößt ein kleines oder mittleres Unternehmen bei größeren Konzernen oft auf kühle Zurückhaltung. Man muss extrem vorsichtig sein und darf vor Abschluss des kommerziellen Vertrags niemals Informationen preisgeben, auch dann nicht, wenn eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnet wurde.
Osyris war noch nie in Rechtsstreitigkeiten verwickelt: das Unternehmen achtet sehr darauf, den Stand der Technik gut zu recherchieren. Die Beobachtung der Neuanmeldungen potenzieller Wettbewerber spielt für Osyris eine wichtige Rolle. Das Unternehmen übernimmt diese Funktion selbst und recherchiert in europäischen und amerikanischen Datenbanken.
Das Unternehmen widmet dem geistigen Eigentum viel Zeit. Drei Mitarbeiter sind für IP verantwortlich: unter der Leitung von Jaouad Zemmouri ist ein Mitarbeiter für die Verwaltung zuständig und ein dritter befasst sich mit Patentrecherchen in Datenbanken und wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
Osyris arbeitet mit zwei Patentanwälten zusammen. Das Unternehmen erstellt ein umfassendes Dossier an wissenschaftlicher Terminologie, ermittelt den Stand der Technik, verfasst eine wissenschaftliche Beschreibung der Erfindung und übergibt all dies dem Patentanwalt, der auf dieser Grundlage die Patentanmeldung formuliert. Die Patentanwälte unterstützen Osyris mit ihrer Fachkompetenz, indem sie die Patentanmel-dung entsprechend dem gewählten Verfahren aufsetzen und das Anmeldeverfahren begleiten.
Vor dem Hintergrund seiner Erfahrung als Universitätsprofessor und als Unternehmer kommt Jaouad Zemmouri zu dem Schluss, dass es für einen Forscher schwer ist, in der Geschäftswelt Anerkennung zu finden, insbesondere bei Investoren, die den Umgang mit Forschern aus dem Hochschulbereich nicht gewohnt sind: "Die Geschäftswelt weiß nicht, was ein Forscher ist", bedauert Jaouad Zemmouri.
Problematisch sind für Osyris beim Schutz geistigen Eigentums vor allem die Kosten der internationalen Schutzerweiterungen. Gemessen an den finanziellen Ressourcen, die KMU zur Verfügung stehen, wirken diese Kosten überhöht.
Jaouad Zemmouri empfiehlt anderen kleinen und mittleren Unternehmen, die Innovationen schaffen wollen: Entwickeln Sie eine tragfähige Patentstrategie. Verwechseln Sie Wissen nicht mit Erfindung. Zögern Sie nicht, ein Patent anzumelden. Scheuen Sie sich nicht davor, Kommunikation zu betreiben: Schutz und Kommunikation sind lebenswichtig für ein junges Unternehmen. Denken Sie daran, dass geistiges Eigentum die Voraussetzung für die Beschaffung von Wagniskapital ist.
Osyris ist auf optische Laser spezialisiert. Darüber hinaus bietet Osyris seine umfassende Forschungs- und Entwicklungskompetenz anderen Unternehmen an. Die Innovationen, die Osyris für Firmenkunden entwickelt, haben nicht unbedingt Bezug zur Lasertechnologie. Indem Osyris seinen Kunden die Gestaltung und Implementierung von F&E-Projekten vorschlägt und die Kunden in den Testphasen begleitet, erbringt das Unternehmen einen Service, der über den Auftrag eines externen Beraters weit hinausgeht. Osyris bietet seinen Kunden genau die externe Sichtweise, die für bahnbrechende Innovationen nötig ist. Und die kann, so Jaouad Zemmouri, intern nicht erreicht werden, weil sie einen objektiven, vom Tagesgeschäft losgelösten Ansatz erfordert.
Osyris befasst sich vorwiegend mit optischen Lasern und mit der
Implementierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten für
Firmenkunden, um so Innovationen für sie zu entwickeln.
Mitarbeiter: 20
Umsatz 2005: 1,5 Mio. EUR, davon 900 000 EUR aus im Auftrag anderer Unternehmen durchgeführter Forschungs- und Entwicklungsarbeiten Schlüsselprodukt: Entwicklung und Verkauf optischer Lasersysteme (für den Einsatz in Industrie und Medizin). Vermarktung der Kompetenz im Management von Innovationsprojekten.
Kunden: Unternehmen aller Art, die nicht über die F&E-Ressourcen verfügen, um nach Möglichkeiten zur Entwicklung technologischer Innovationen zu suchen.
Osyris
121, rue Chanzy BP 90140
59260 Hellemmes
www.osyris.com
Europäisches Patentamt
Erhardtstr. 27,
80469 München,
Deutschland
Tel.: +49 89 2399 4636
E-Mail: sme@epo.org
www.epo.org
Institut National de la Propriété Industrielle
Observatoire de la Propriété Intellectuelle
97, Boulevard Carnot, 59 040 Lille Cedex, France
Tel.: +33 328 363372/69
E-Mail: observatoire@inpi.fr
www.inpi.fr
Patentschutz: Zwölf Patente wurden angemeldet (und
Schutzerweiterungen beantragt). Weitere werden derzeit zur Anmeldung
vorbereitet.
Anmeldereihenfolge: Osyris beantragt systematisch
internationale Erweiterungen seiner Patente. Einige Patente werden
direkt als europäische oder als PCT-Patente angemeldet, um Zeit zu
gewinnen.
Abteilung: Drei Mitarbeiter befassen sich mit IP. Das Unternehmen zieht Patentanwälte hinzu.
IP-Budget:
Das IP-Budget beläuft sich auf insgesamt 60 000 EUR pro Jahr
(Anmeldun-gen, Erweiterungen, Patentanwälte). Angesichts des
gegenwärtigen Geschäftsvolumens dürfte das Budget aufgestockt werden.
Erfolgsfaktoren:
Methodische Kompetenz und Erfahrung in der Abwicklung umfassender
Projekte unter Berücksichtigung wissenschaftlicher, technischer und
wirtschaftlicher Aspekte.
Herausforderungen: Entwicklung des Lizenzgeschäfts. Nutzung von geistigem Eigentum zur Kapitalbeschaffung und Kommunikation.
Empfehlungen:
Entwickeln einer tragfähigen Patentstrategie. Denken Sie daran, dass
geistiges Eigentum Voraussetzung für die Beschaffung von Kapital ist.