Vor nur fünf Jahren ging es in Gesprächen über geistiges Eigentum beim Medizingerätehersteller Unomedical im Wesentlichen darum, sicherzustellen, dass ein Patent angemeldet werden konnte und eine echte Geschäftsgelegenheit bestand und zu entscheiden, welchen Patentanwalt man mit der Bearbeitung beauftragen sollte. Doch seit das Unternehmen im Dezember 2002 von der Private-Equity-Firma Nordic Capital übernommen wurde, haben Patentangelegenheiten einen sehr viel höheren Stellenwert für die Geschäftsstrategie des Unternehmens erhalten.
In den letzten Jahren hat Unomedical eine IP-Abteilung eingerichtet, die Diskussion von IP-Themen bei Vorstandssitzungen auf die Tagesordnung gesetzt, die Zahl der jährlich angemeldeten Patente dramatisch erhöht und die IP-Abteilung mit dem Forschungs- und Entwicklungsverfahren vernetzt, so dass Patentfragen bereits im frühestmöglichen Stadium der Produktentwicklung bedacht werden. "Die Entwicklungsabteilungen wissen, dass sie mich benachrichtigen müssen", sagt Tenna Marian Pedersen, IP-Manager der Unomedical Gruppe. "Es ist gut, wenn man zu einem frühen Zeitpunkt einbezogen wird, wenn sie noch an der Problemlösung arbeiten." Im Hinblick auf eine spätere Aktienemission führt Nordic Capital umfassende Umstrukturierungsmaßnahmen bei Unomedical durch, in deren Rahmen Geschäftsbereiche neu organisiert, Mitarbeiter ausgetauscht werden und die IP-Strategie neu ausgerichtet wird. Diese Änderungen im Patentbereich geben eine gute Momentaufnahme eines mittleren Unternehmens, das sich im Umbruch befindet: Bisher nutzte es Patente nur in grundlegender Form, in Zukunft sollen sie ein wichtiger Wettbewerbsfaktor werden.
Unomedical geht auf ein Unternehmen namens Pharma-Plast zurück, das 1964 durch einen dänischen Pionier in der Kunststofftechnologie gegründet wurde. Zweck des Unternehmens war die Herstellung kostengünstiger medizinischer Einmalgeräte. Auch heute noch konzentriert sich Unomedical mit Sitz in Birkeroed, Dänemark, auf die Entwicklung, Fertigung und den Vertrieb von Einmalgeräten.
Unomedical beschäftigt weltweit etwa 4 500 Mitarbeiter, 50 davon im Bereich Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen betreibt Werke in Europa, Lateinamerika, Asien und Australien. Der Umsatz belief sich 2005 auf 247 Mio. EUR. Über 98% seiner Produkte werden außerhalb Dänemarks verkauft.
Zu Unomedicals wichtigsten Produkten gehören Geräte wie Katheder, Chirurgiebedarf und sonstige medizinische Einwegartikel für den Einsatz in Operationssälen und auf Intensivstationen sowie Infusionsausrüstungen. Diese sogenannten Infusionssets sind für Diabetiker bestimmt. Das Set besteht in diesem Fall aus einer weichen Teflonkanüle, über die Insulin zugeführt wird. Sie ist über einen langen Schlauch mit einer Insulinpumpe verbunden. Wichtigste Player auf diesem Markt sind große Unternehmen wie der US-Anbieter Medtronic und Disetronic Medical Systems aus der Schweiz.
In der Vergangenheit befasste sich das Management vorwiegend mit operativen Themen. Patentfragen wurden natürlich ebenfalls behandelt, aber sie hatten noch keine strategische Spitzenpriorität. Doch das ändert sich gerade bei Unomedical. Heute konzentriert sich das Unternehmen darauf, möglichst viele neue Technologien zu schaffen und sie durch Patente und andere Schutzrechte besser zu schützen.
Diese neue IP-Initiative wird von Tenna Marian Pedersen geleitet. Vor vier Jahren stellte Unomedical die Patentanwältin ein, die zuvor bei der größten Patentanwaltskanzlei Skandinaviens tätig gewesen und auch Prüferin beim Dänischen Patent- und Markenamt gewesen war. Ihr Auftrag lautete, eine neue zentrale IP-Abteilung aufzubauen, um dem Unternehmen einen besseren Überblick über seine Schutzrechte zu geben. Ihre Abteilung, die aus ihr selbst und einem Assistenten besteht, soll die Zahl der Patente steigern, die patentierten Erfindungen besser schützen und verwerten und die Rolle, die geistiges Eigentum in den täglichen Entscheidungen im Unternehmen spielt, stärken.
Im ersten Jahr musste sie sich mit einem Unternehmen auseinandersetzen, das ein Produkt vermarktete, für das Unomedical bereits ein Patent hatte. Unomedical drohte mit Klage, und das Unternehmen nahm das Produkt vom Markt und bezahlte die Vergleichssumme.
Die Abteilung bekommt immer mehr Arbeit, da die Zahl der Patentanmeldungen rasant zunimmt. Heute meldet das Unternehmen pro Jahr um die zwanzig Patente an, vor ein paar Jahren waren es nur fünf. Für ein bestimmtes Produkt, ein Einmal-Infusionsset in leuchtender Farbe, das eher wie ein Kinderspielzeug als ein Infusionsbesteck für Insulin wirkt, bestehen sechs Patente, zwei Geschmacksmusteranmeldungen und ein Warenzeichen - all das hat um die 200 000 EUR gekostet, wenn man alle Investitionen zum Schutz dieser Erfindung einrechnet. Insgesamt hält das Unternehmen Anmeldungen und erteilte Patente in etwa 70 Patentfamilien.
"Die Erzielung einer besseren Koordination zwischen den Abteilungen ist ein wichtiger Bestandteil der Umstellung im IP-Bereich", sagt Tenna Marian Pedersen. Ein Anfang ist bereits gemacht. Heute kontaktieren die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen im Rahmen eines festgelegten Ablaufs die IP-Abteilung, bevor der Prototyp eines neuen Produkts oder einer neuen Technologie fertiggestellt ist. Dies geschieht etwa nach dem ersten Fünftel des Entwicklungsprozesses. Die IP-Abteilung prüft dann, ob es kollidierende Patente gibt, die Unomedicals Möglichkeiten, das neue Produkt zu vermarkten, beeinträchtigen könnten. Wenn sich in einem Markt eine Kollision ergibt, wird vielleicht dennoch ein Patent angemeldet. Selbst wenn Unomedical nicht unbedingt plant, ein Produkt zu vermarkten, meldet das Unternehmen mitunter ein Patent an, um zu verhindern, dass andere Unternehmen die Schutzrechte dafür in einem Markt erhalten. Bei der Entscheidung, ob ein Patent verfolgt werden soll oder nicht, spielen Kosten keine Rolle.
Die Kosten beeinflussen dagegen die Art und Weise, wie die IP-Abteilung arbeitet. Die Umstrukturierung des Unternehmens brachte erhebliche Kostensenkungsmaßnahmen mit sich, so dass zahlreiche IP-Aufgaben extern vergeben werden, darunter die Verfassung der Anmeldungen und teilweise auch die Bewertung der bestehenden Patente. Beim Dänischen Patent- und Markenamt werden oft Recherchen zum Stand der Technik oder Untersuchungen potenzieller Verletzungsrisiken in Auftrag gegeben. Es führt auch vier Mal im Jahr Recherchen zu Patentanmeldungen und Aktivitäten von Wettbewerbern durch und schickt Unomedical Berichte darüber. Ein externer Patentanwalt übernimmt die Einreichung der Patentanmeldungen und verfolgt etwaige Patentverletzungen.
Im Laufe der Zeit hofft Unimedical, seine IT-Abteilung weiter ausbauen zu können. Tenna Marian Pedersen wäre es lieber, potenzielle Patentverletzungen intern zu bewerten und auch die Wettbewerber anhand der von ihnen angemeldeten Patente genauer unter die Lupe zu nehmen.
Mit einem Umsatzanteil von 27% aus Nordamerika zählen Anmeldung und Durchsetzung von Patenten in den USA, wo das Geschäft teuer und riskant sein kann, zu den größten Herausforderungen für Unomedical. Die Markteinführung neuer Produkte dauert zum Teil deshalb länger, weil die Recherche, ob diese Produkte möglicherweise gegen die Patente anderer Unternehmen verstoßen, zeitaufwendiger ist. Falls Unomedical in den USA einen Prozess führen muss, ist zu bedenken, dass US-amerikanische Patentanwälte sehr teuer sind, sagt Tenna Marian Pedersen. Und wenn das Unternehmen einen Prozess verliert, bei dem es wusste, dass ein hohes Risiko bestand, das Patent eines anderen Unternehmens zu verletzen, können die Schadenersatzforderungen dreimal so hoch ausfallen. "Wenn man so viele neue Produkte hat, muss man wirklich vorsichtig sein, vor allem in den USA", sagt sie.
Laut Tenna Marian Pedersen stellen die Übersetzungskosten für die Patentanmeldungen eine schwere Belastung dar. Sie plädiert deshalb dafür, für weniger Teile der Anmeldung Übersetzungen zu fordern. Sie empfiehlt auch, eine klarere Formulierung der von Unternehmen eingereichten Anmeldungen zur Voraussetzung für die Erteilung eines Patents zu machen, damit die Wettbewerber nicht mehr so viel Zeit und Geld investieren müssen, um herauszufinden, was durch ein Patent abgedeckt ist und was nicht.
Unomedicals Produktpalette umfasst eine breite Auswahl an Einmalprodukten für die Medizin.
Von Kathetern und Chirurgiebedarf zu Drainagebeuteln, Wundversorgung und Infusionsgeräten steht hinter dem gesamten Produktportfolio von Unomedical ein überaus professionelles internationales Unternehmen, das sich dafür engagiert, seinen Kunden die besten Produkte, die besten Schulungen und den besten Service zu bieten. Die Produkte werden weltweit unter eigenen Markennamen und einigen Handelsmarken vertrieben. Doch unter welchem Namen sie auch in den Handel kommen, alle Produkte zeichnen sich durch die kompromisslose Qualität aus, die zu Unimedicals unverkennbarem Markenzeichen geworden ist.
Unomedical ist ein globales Unternehmen, das sich für eine profitable Partnerschaft mit Medizinern und ihren Patienten engagiert. Unomedical ist auf die Entwicklung, Fertigung und den Vertrieb von Einmalgeräten für den Einsatz in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen auf der ganzen Welt spezialisiert. Das Unternehmen ist Eigentum von Nordic Capital.
Mitarbeiter: 4 500
Umsatz 2005: 247 Mio. EUR
Schlüsselprodukte: Medizinische Einmalgeräte wie Katheter, Chirurgiebedarf und Insulin-Infusionssets
Kunden: Krankenhäuser und Einrichtungen des Gesundheitswesens
Unomedical A/S
Kongevejen 2
3460 Birkeroed
Denmark
www.unomedical.com
Patentschutz: 300-400 Patente in 70 Patentfamilien
Reihenfolge der Patentanmeldungen: Marktabhängig. Meist nationale Anmeldung zuerst, dann Anmeldung in den USA oder Europa. In England erfolgt die erste Anmeldung im Vereinigten Königreich.
IP-Abteilung: IP-Manager Tenna Marian Pedersen und Assistent. Externe Patentanwälte werden ebenfalls hinzugezogen
Erfolgsfaktoren: Unomedical bindet IP-Angelegenheiten stärker in die Unternehmensstrategie ein und hat die IP-Abteilung mit Produktentwicklung und Marketing vernetzt
Herausforderungen: Die Verwaltung eines wachsenden IP-Portfolios mit einem kleinen Team, Patentschutz in den USA, Übersetzungskosten
Europäisches Patentamt
Erhardtstr. 27, 80469 München, Deutschland
Tel.: +49 89 2399 4636
E-Mail: sme@epo.org
www.epo.org
Danish Patent and Trademark Office
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