Rosa Stern

Rosanna Marie Pondorf 

Biographie Rosanna Marie Pondorf 

1993 Geboren in Eching, DE
2012 Abitur
since 2015 Studium an der Akademie der bildenden Künste München, Klasse Peter Kogler
2015 Einzelausstellung Multiversum, Ministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, München
since 2017 freie künstlerische Mitarbeiterin, ERES-Stiftung, München
Zusammenarbeit mit Simon Sternal, Künstlerduo Rosa Stern
2018 freie grafische Mitarbeiterin, Deko Design, München
2019 Jahresausstellung, Akademie der Bildenden Künste München

Simon Sternal 

Biographie Simon Sternal 

1988 Geboren in Bad Reichenhall, DE
since 2016 Studium an der Akademie der bildenden Künste München, Klasse Peter Kogler
since 2017 freier künstlerischer Mitarbeiter, ERES-Stiftung, München
Zusammenarbeit mit Rosanna Marie Pondorf, Künstlerduo Rosa Stern
2017 *alles könnte auch jederzeit ganz anders sein - by Prinzip München
Jahresausstellung, Akademie der Bildenden Künste München
2018 Jahresausstellung, Akademie der Bildenden Künste München
2019 Jahresausstellung, Akademie der Bildenden Künste München

Das Künstlerduo Rosa Stern setzt sich aus den Namen der Künstler Rosanna Marie Pondorf (*1993 Eching, DE) und Simon Sternal (*1988 Bad Reichenhall, DE) zusammen. Die beiden studieren an der Akademie der Bildenden Künste München in der Klasse von Peter Kogler und arbeiten seit 2017 in einem gemeinschaftlichen Atelier. Ihre Zusammenarbeit verstehen Rosa Stern als Fortführung und Ergänzung ihrer persönlichen künstlerischen Position. In gemeinsamen Raumkonzepten präsentieren sie ihre Arbeiten und stellen sie damit in direkten Bezug zueinander. Die Werke beider Künstler sind geprägt von einem Interesse an komplexen Themenfeldern wie Geld, Digitalität und Datenverarbeitung. Oftmals vermischen sich in ihnen reale und virtuelle Erfahrungen. Daraus resultiert der Versuch, Persönliches und Virtuelles greifbar zu machen und die Komplexität unserer Umwelt in reelle Räume zu übersetzen.

Installation view, exhibition START-UP 2019 (c) Rosa Stern / Rosanna Marie Pondorf und Simon Sternal
Installationsansicht, Ausstellung START-UP 2019 (c) Rosa Stern / Rosanna Marie Pondorf und Simon Sternal

Rosanna Marie Pondorf nimmt sich in ihrer Installation der schwierigen Aufgabe an, das zunehmend komplexer werdende Geldsystem greifbar und begreifbar zu machen.

Ausgangspunkt der Installation ist ein massiver Block aus entwerteten, geschredderten Euroscheinen und Zucker, der als komprimierte Masse im Raum steht und als Sinnbild für den immer eingeschränkteren Gebrauch des materiell existierenden Bargelds fungiert. Dem wird eine frühere Arbeit entgegengestellt, die in einer ähnlichen Technik als Wandobjekt aus Euroscheinen gefertigt wurde. Einschneidend für Pondorfs künstlerische Entwicklung sollte ihr 20. Geburtstag werden, zu dem sie von ihrem Vater 100.000 entwertete D-Mark Scheine geschenkt bekam. Aus diesem Gag entwickelte sich ein tiefgreifendes Interesse an der Materie, das sie zu einer immer weitergehenden Auseinandersetzung mit dem Thema und zur direkten Verarbeitung in ihrer Kunst führte.

Der Schritt in das digitale Finanzsystem manifestiert sich in weiteren Objekten, die die Künstlerin im Rahmen der Installation präsentiert: Im Sinne des Open Source Gedankens teilt sie die Information mit uns, wie man eine Kreditkarte drucken lassen kann. Die 200 transparenten Druckanleitungen kaschiert sie so übereinander, dass daraus ein Block entsteht, der durch die Dichte an Informationen die suggerierte Transparenz verliert. Daneben werden die Blanko-Kreditkarten gezeigt, die durch diesen Prozess entstanden sind. Sie sind anonymisiert und aufeinandergestapelt, Chip und Magnetband sind leer. An der Wand findet sich ein dezenter Hinweis darauf, wie der Ausstellungsbesucher daraus ein Kartenhaus bauen und sich somit interaktiv an der Installation beteiligen kann. Trotz ihrer kleinen Größe nehmen die Kreditkarten einen viel umfangreicheren Raum ein als das Bargeld und symbolisieren damit das virtuelle Geldsystem. Durch das Auslöschen jeglicher Individualität entstehen leere virtuelle Räume ohne jeden Informationsgehalt.

Detail view, exhibition START-UP 2019 (c) Rosa Stern / Rosanna Marie Pondorf
Detailansicht, Ausstellung START-UP 2019
(c) Rosa Stern / Rosanna Marie Pondorf

Mit virtuellen Räumen beschäftigt sich auch Simon Sternal in seiner Installation, in der er die digitalen Spuren von Computerspiel-Communities erforscht. Dieses zeitgenössische Thema wird bei ihm mit zeichnerischen Mitteln in der analogen, traditionellen Technik Tusche auf Papier auf sechs Wandtafeln umgesetzt. Diese sind an flexiblen TV-Halterungen befestigt, die die einzelnen Elemente als eine zusammenhängende Installation erscheinen lassen und auf die Veränderbarkeit des Raums durch persönliches Einwirken hinweisen.

Die Zeichnungen basieren auf Screenshots aus dem Computerspiel Garry's Mod und verdichten die einzelnen Symbole zu komplexen Strukturen. Die Vielseitigkeit der dargestellten Figuren und Objekte, wie Tiere, Fabelwesen und andere Motive der Pop-Kultur, ergibt sich durch den Einfluss der Gamer, die in diesem community-basierten Spiel die Figuren selbst kreieren können. In der Installation verkörpert der fiktionale Charakter Ryu aus dem Videospiel Street Fighter den handelnden Spieler, dessen Aktionen im Netz verfolgbar sind und gespeichert werden.

Simon Sternal weist mit seiner Arbeit darauf hin, welch komplexes digitales Profil jeder Nutzer des Internets hinterlässt und macht diesen Prozess anhand des Computerspiels sichtbar. Er gibt dem Betrachter durch seine Installation eine Vorstellung davon, dass unter der digitalen Oberfläche eine weitere Ebene voller Informationen existiert. Der virtuelle Raum wird so mit Persönlichkeit gefüllt, dass unser digitales Abbild durch die abrufbaren Codes immer mehr Form annimmt und dem realen Selbst immer ähnlicher wird. Die digitale Persönlichkeit nimmt somit Einfluss auf unser echtes Leben; der digitale Raum wird zur Realität.

Installation view, exhibition START-UP 2019 (c) Rosa Stern / Simon Sternal
Installationsansicht, Ausstellung START-UP 2019
(c) Rosa Stern / Simon Sternal

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