Erfinderinnen
Erfindungen machen unsere Welt zu dem, was sie heute ist. Häufig werden jedoch die Erfinderinnen, die hinter ihnen stehen, nicht gebührend gewürdigt. Namen wie Edison oder Bell sind weithin bekannt. Aber zahllose wichtige Erfindungen wurden von brillanten Frauen vorangetrieben. So hat Fiona Fairhurst Schwimmwettkämpfe durch ihren hydrodynamischen Schwimmanzug revolutioniert, und Carmen Hijosa hat eine nachhaltige Lederalternative entwickelt, für die die Fasern von Ananasblättern verwendet werden.
Auch heute nehmen kreative und erfinderische Frauen Spitzenpositionen in Wissenschaft, Technologie, Medizin und Nachhaltigkeit ein. Auf dieser Seite wollen wir ihre Leistungen vorstellen und zeigen, wie die Ideen einiger Erfinderinnen nachwirken und unser Leben, unsere Arbeit und unsere sozialen Beziehungen verändert haben.
Frauen im Zentrum der Innovationstätigkeit
Bei 25 % aller Patente
die aus Europa beim EPA eingereicht werden, ist mindestens eine Erfinderin beteiligt
13%
der Erfinder bei Patentanmeldungen aus Europa sind weiblich
73 Erfinderinnen
erhielten bis 2025 den "Europäischen Erfinderpreis" des EPA für ihre bahnbrechenden Ideen, die die Zukunft gestalten.
Fragen und Antworten – Erkenntnisse vom EPA
- Wie schneidet Europa in Bezug auf den Anteil von Erfinderinnen im Vergleich zu anderen Regionen ab?
Der Frauenanteil hat mit der Zeit kontinuierlich zugenommen, liegt aber mit dem Anteil der männlichen Erfinder noch nicht gleichauf. Der sogenannte "women inventor rate" (WIR), mit dem der prozentuale Anteil von Erfinderinnen bei Patentanmeldungen in einem bestimmten Jahr gemessen wird, ist in den EPO-Mitgliedstaaten von rund 2 % in den späten 1970er-Jahren auf über 13 % im Jahr 2019 gestiegen. In Ländern wie der Volksrepublik China oder der Republik Korea ist der WIR mit 25 – 30 % deutlich höher, in Japan dagegen niedriger als in Europa und den USA, wo der Wert ähnlich ist wie in Europa.
- In welchen Technologiegebieten sind Erfinderinnen stärker vertreten?
Die Chemie sticht als derjenige Technologiesektor heraus, der den höchsten Anteil an Erfinderinnen zeigt. Hier lag der WIR-Wert im Zeitraum 2010 – 2019 bei über 22 %, während er in anderen Sektoren zwischen 10,1 % (Instrumente) und 5,2 % (Maschinenbau) betrug. Innerhalb des Chemiesektors weisen die Bereiche Biotechnologie und Arzneimittel WIR-Werte von über 30 % auf.
- Bei welcher Art von Anmeldern ist der Anteil von Erfinderinnen höher?
Patentanmeldungen von Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen zeigen einen wesentlich höheren Anteil von Erfinderinnen als Anmeldungen aus der Industrie. Der WIR-Wert dieses Segments (19,4 % im Zeitraum 2010 – 2019) übersteigt deutlich den Wert von Einzelerfindern (9,3 %) und Privatunternehmen (10,0 %).
Veröffentlichungen
Wie konnten Erfinderinnen mithilfe starker IP-Rechte ihre bahnbrechende Technologie für eine bessere Wundheilung vermarkten?
Erfinderinnen im Fokus
Rochelle Niemeijer, Young Inventors Prize, 2024
Rochelle Niemeijer ist Mitbegründerin und Chief Scientific Officer von Nostics, einem Unternehmen, das mithilfe von Nanotechnologie, Photonik und maschinellem Lernen neue, fortschrittliche Diagnoselösungen entwickelt. Das Unternehmen entwickelt ein bahnbrechendes Gerät, das bakterielle Infektionen schnell identifizieren kann. Mit einer schnellen, exakten Diagnose können die Ärzte bessere Behandlungsentscheidungen treffen und das wachsende Problem antibiotikaresistenter Bakterien zu lösen.
Olga Malinkiewicz und Team, Europäischer Erfinderpreis und Publikumspreis 2024
Olga Malinkiewicz ist Mitgründerin und Chief Technology Officer von Saule Technologies, einem Unternehmen, das die Massenproduktion von Perowskit-Solarzellen vorantreibt. Ihr Team hat leichte, flexible und kostengünstige Solarmodule entwickelt, die im Inkjet-Verfahren gedruckt werden. Dadurch wird Solarenergie besser zugänglich und flexibler einsetzbar. Es ergeben sich gänzlich neue Möglichkeiten für die Integration von Solarkraft in im Alltag gebräuchliche Materialien, vom Fassadenbau bis hin zu tragbaren Elektronikgeräten.
Patrizia Paterlini‑Bréchot, Forschung, Europäischer Erfinderpreis 2019
Die italienische Molekularbiologin und Onkologin Patrizia Paterlini‑Bréchot hat Rarecells Diagnostics gegründet und den patentierten ISET®-Blutfiltertest entwickelt, mit dessen Hilfe eine einzige Tumorzelle in einer 10-Milliliter-Blutprobe entdeckt werden kann – und zwar Jahre, bevor Tumore in traditionellen Scans zu erkennen sind. Damit steht eine schnelle und nicht invasive Methode zur Krebsfrüherkennung zur Verfügung.
Madiha Derouazi, Elodie Belnoue und Team, Europäischer Erfinderpreis, Kategorie KMU, 2022
Die schweizerische Biotechnologin Madiha Derouazi und die französische Immunologin Elodie Belnoue haben mit ihrem Team bei AMAL Therapeutics die KISIMA-Impfplattform entwickelt, auf der Antigene, Moleküle zur Verstärkung der Immunantwort und ein Peptid zur Durchdringung der Zellmembran zu einem einzigen therapeutischen Impfstoff kombiniert werden. Derzeit finden klinische Studien für die Behandlung von Darmkrebs statt. Das Unternehmen wurde von Boehringer Ingelheim für 425 Millionen Euro übernommen, was ein wichtiger Meilenstein für den Biotechnologiesektor in Europa war.
Podcasts
MINT-Power am Internationalen Frauentag
Weibliche Führungskräfte aus dem MINT-Bereich berichten über ihren Werdegang, ehren Erfinderinnen und erläutern, wie Diversität zu mehr Innovationskraft beitragen kann.
Women in tech: the road to gender equality
Führende Experten sprechen über Geschlechtergleichheit im Technologiesektor und gehen dabei auch auf die Erkenntnisse des Roundtable des EPA zu Erfinderinnen ein.
Inspiring inventors: Carmen Hijosa
In einem eingehenden Interview spricht Carmen Hijosa, die Erfinderin des veganen Ananasleders, darüber, wie sie ihre Erfindung an den Markt gebracht hat