https://www.epo.org/de/about-us/social-responsibility/art/50-years-epc-exhibition/next-generation-statements-colab-international-peace/sasha-zaitseva

Sasha Zaitseva (*1994 Donetsk, UA)

Black Shards, ortsspezifische Auftragsarbeit für das EPA, 2023

Sasha Zaitseva ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die die Grenzen und Randbereiche der kulturellen Identität auslotet. Das wird spätestens klar, wenn man sich in den glänzenden Oberflächen von Zaitsevas explosiver Installation gespiegelt sieht. Obwohl die einzelnen metallisch wirkenden Elemente bedrohlich auf den Betrachtenden zeigen, lassen sie doch den nötigen Raum, um sich wieder zu fassen und das Gefühl der Desorientierung zu überwinden. Im Gegenteil: Black Shards lädt ein, am Kunstwerk mitzuarbeiten und die reflektierenden Fragmente wieder oder neu zu einem Ganzen zusammenzusetzen.

Zaitseva ist von ukrainisch-russischer Herkunft, aufgewachsen in der Grenzregion zwischen beiden Ländern und geprägt durch die geopolitischen Spannungen in der Ukraine und den benachbarten Gebieten. Das kulturelle Trauma des Krieges bestimmt einen großen Teil ihres Werks. Black Shards ist eine dynamische Vision, die an schmerzhafte Erlebnisse erinnert, aber gleichzeitig den Glauben an eine friedlichere Zukunft heraufbeschwört. Die einzelnen Scherben bestehen aus Karton, der von Hochglanzpapier umhüllt ist. Sie können also keinen eigentlichen Schaden anrichten, die Versöhnung ist zum Greifen nah.

Indem sie mit verschiedenen Bräuchen, künstlerischen Traditionen und dem Zeitgeschehen in Dialog tritt, beschwört Zaitseva die Aussicht auf eine neue Realität. In anderen Werken tat sie dies durch leuchtend bunte Stoffe, Stickereien und Masken oder düstere, reduktionistische Gemälde. Black Shards hingegen ermutigt zum Dialog, ähnlich wie etwa Black Square (1915), das berühmte Ölgemälde des russischen Avantgardekünstlers Kazimir Malevich (1879-1935) mit einem schwarzen Quadrat auf weißer Leinwand. Bei seiner ersten Ausstellung hing es direkt unter der Decke quer zur "Ikonenecke", dem traditionellen Platz für die Ikone im Haus russisch-orthodoxer Gläubiger. Zaitsevas Installation verweist auf dieses bahnbrechende abstrakte Werk, indem es quasi aus einer Ecke unseres Studios explodiert. Gleichzeitig folgt es dem Motto explosante-fixe ("fest-explosiv") des Surrealismus, das 1937 vom Schriftsteller André Breton geprägt und das mehrfach verwendet wurde, um die Idee eines ästhetischen Schocks zu vermitteln. Neben dem Video von Zaitseva bei der Vorbereitung ihres Kunstwerks vor Ort im September 2023 entsteht die Installation mit jedem Besucher und jeder Besucherin neu.