Mobilität
Mobilität ist eines der dringendsten Themen unserer Zeit. Die Energiewende kommt in Gang, die E-Mobilität gewinnt an Fahrt und der Kampf um saubere Kraftstoffe wie grünem Wasserstoff ist voll entbrannt. Gleichzeitig entstehen immer neue Arten der Transportinfrastruktur – von neuen Formen des öffentlichen Personenverkehrs bis hin zu Weltraumtourismus.
Mit Magic (Flying) Carpet versuchte sich der belgische Künstler Panamarenko Ende der 1970er-Jahre völlig von der konventionellen Infrastruktur zu lösen. Mit seinen oft technisch ausgeklügelten Werken, von denen sich keines jemals in die Luft erhob, ist er in der Kunstgeschichte nur schwer einzuordnen, irgendwo zwischen Märchenerzähler, Leonardo da Vinci mit seinen Studien von Flugobjekten (die zu seinen Lebzeiten wohl ebenfalls nie gebaut wurden) und Science-Fiction. Doch Panamarenkos schöpferisches Wirken erinnert daran, dass die technische Entwicklung vieles, was einst als Hirngespinst abgetan wurde, tatsächlich Realität hat werden lassen.
Erst kürzlich griff die britisch-deutsche Künstlerin und Hochschullehrerin Katja Davar die Idee bei ihren Überlegungen zur Mobilität auf: Könnten die Heißluftballons aus ihren Skizzen vielleicht als Lufttaxis eingesetzt werden? Auf jeden Fall erinnern die schwungvollen Linien ihrer farbenfrohen Werke an die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Erfindern und technischen Zeichnern, die technisches Wissen in Patentanmeldungen anschaulich machen. Davar spielt auf das Zusammenspiel zwischen Technologie und Vorstellungskraft an, das in Verbindung mit dem richtigen Know-how bereits zahllose Erfinder inspiriert hat.
Unmerkliche Bewegungen entstehen im Breathing Cube von Siegfried Kreitner. Der deutsche Bildhauer arbeitet mit Kombination, Nachahmung und Auflösung der Eigenschaften von Organismen, Maschinen und geometrischen Formen und zwingt uns, näher über die materielle Existenz und die Natur seiner Materialien (Aluminium, Stahl, Neonröhren, Elektromotoren und Plexiglas) nachzudenken, während der Würfel vor uns langsam "atmet". Wer gesehen hat, wie Chronos 10 B von Nicolas Schöffer vor dem Haupteingang des Isargebäudes am Abend zum Leben erwacht, ist vielleicht bereits mit dem Hintergrund der erhellenden und poetischen kinetischen Kunstwerke von Kreitner vertraut.
In starkem Kontrast zum zurückhaltenden Neontürkis von Kreitners Würfel steht das strahlende Blau der Fotomontage des japanischen Künstlers Hiroyuki Masuyama. Die ätherische Leichtigkeit des Werkes täuscht über den technischen Aufwand hinweg, der für die Erstellung des langen Folienbands hinter Plexiglas erforderlich war. Zeit und Raum, eingefangen in einem Standbild in einer Zeit, in der das Fliegen einmal Synonym für Freiheit und praktisch unbegrenzte Mobilität war. Doch wie werden wir später einmal auf dieses Zeitalter der Mobilität zurückblicken?
Der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson bringt uns zurück auf die Erde. Er nutzt Licht und lange belichtete Fotos, um den Bewegungen des Menschen am Boden nachzuspüren, als Einleitung zu seinem Solarlampenprojekt "Little Sun" für benachteiligte Regionen. Die Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury hingegen spielt ironisch mit Geschlechterklischees rund um Motoren und Geschwindigkeit. Wie weit muss Kunst mit der Zeit gehen?