Natur und Umwelt
Das letzte Kapitel der Ausstellung beschäftigte sich mit dem Lebenszyklus von Produkten. Im nächsten Abschnitt geht es darum, wie die Natur angesichts unserer alltäglichen Handlungen durchhält, sich verändert oder zurückgedrängt wird. Dies kann man nicht losgelöst von dem beispiellosen Raubbau an der Natur, der massiven Umweltverschmutzung und den Auswirkungen der globalen Erderwärmung betrachten. Die dreifache Krise liefert bereits das Rohmaterial für verschiedene Kunstwerke in der Sammlung des EPA, die ein neues Licht auf unsere kollektiven Herausforderungen werfen und zum Nachdenken anregen.
So beschäftigen sich die Arbeiten des dänischen Umweltkünstlers Tue Greenfort mit Umweltverschmutzung, ob in Form von saurem Regen oder entsorgten "Wasserflaschen". Seine Skulptur 1 kg PET besteht aus miteinander verschmolzenen Flaschen des erdölbasierten Kunststoffs PET. Für die Produktion von einem einzigen Kilogramm dieses Materials werden gut 17,5 Liter Wasser benötigt, das hier in Form einer sich windenden sturmgepeitschten See veranschaulicht ist. Diese künstlerischen Arbeiten sollen nicht nur das wachsende Umweltbewusstsein über kulturelle, technische und soziale Grenzen hinweg schärfen. Gleichzeitig lassen sie uns darüber nachdenken, wie unsere alltäglichen Handlungen wichtige biogeochemische Zyklen wie den Wasserkreislauf stören.
Zugleich wird immer mehr Landfläche durch Städte versiegelt. Ihre Gesamtfläche hat sich allein in der Europäischen Union seit den 1950er-Jahren um rund 80 % vergrößert. Ivan Šuletić aus Belgrad beschäftigt sich in seinen hochdetaillierten Gemälden mit der Urbanisierung. Die Fotogravuren von in Gefangenschaft geschlüpften Vögeln von Carsten Höller (Stockholm) hingegen suggerieren eine zweideutige Mischung aus der über menschliche Einflussnahme hinausreichenden Welt mit den Techniken der industriellen Produktion. Andere Kunstwerke warnen vor der Bedrohung des Lebens an Land durch Monokulturen und den steigenden Meeresspiegel, bieten einen Moment des Durchschnaufens beim Blick auf die vorbeifließende Spree oder lassen uns in einem zeitlosen Blütenmeer versinken.
Die geänderte Beziehung zwischen Kunst, Natur und Nachhaltigkeit wird aus vielen Perspektiven beleuchtet: aus ökologischer Sicht, aus dem Blickwinkel der totalen Urbanisierung oder eines schwindelerregenden Realismus, der Genetik und digitalen Innovation oder fast schon als Slapstick, wenn in Fotos des Schweizer Aktionskünstlers und Bildhauers Roman Signer der "letzte Schnee" eine "Skipiste" herunterrutscht.
Bekanntlich kann auch der Humor neue Perspektiven liefern, auch wenn eine unbefangene Betrachtung der Natur heute zunehmend schwerfällt. Das und noch viel mehr behandelt die deutsche Künstlerin und Fotografin Eva Leitolf in ihren "Natur-Dioramen", etwa in den Fotografien ihrer Serie Ganz still und stumm/Naturstücke. Der erste Teil des Titels ist dem Kinderlied "Ein Männlein steht im Walde" entnommen, in dem Kinder die Hagebutte identifizieren sollen. Leitolfs Arbeiten erinnern daran, dass es höchste Zeit ist, dass wir unsere grauen Zellen aktivieren und mit unserer Erfindergabe eine nachhaltige Zukunft schaffen, die der Natur mehr als nur eine Existenz am Rande zugesteht.