Aníbal Montalva Rodríguez​ und ​​Miguel Ángel Fernández Donoso

Lebende Biofilter für eine wirksame Luftreinigung


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Preiskategorie
Nicht-EPO-Staaten
Technisches Gebiet
Umwelttechnik
Firma
Filtrovivo SA
In Südchile wird in den kalten Wintern traditionell mit Holz geheizt, wodurch sich gesundheitsschädlicher Rauch entwickelt. Angesichts der immer ernster werdenden Gesundheitskrise und zunehmend strikteren Heizungsvorschriften haben die langjährigen Freunde Miguel Ángel Fernández Donoso und Aníbal Montalva Rodríguez einen lebenden Biofilter entwickelt, der die Feinstaubemissionen aufgrund der Verbrennung von Holz merklich reduziert.

Rund 72 % der Haushalte in Mittel- und Südchile heizen nach wie vor überwiegend mit Holz. Gleichzeitig verursacht die Verbrennung in vielen Industriebetrieben beträchtliche Rauch- und Geruchsemissionen, was zu schlechter Luft und einer deutlich geringeren Lebensqualität führt. Das hat ernsthafte gesundheitliche Folgen: Schätzungen des chilenischen Umweltministeriums zufolge liegt die Luftverschmutzung für knapp 10 Millionen Menschen bis zu acht Mal so hoch wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Dies erhöht das Risiko von Schlaganfällen, Herzerkrankungen, chronischen Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs. 

Fernández und Montalva haben ein lebendes Biofiltersystem entwickelt, das Feinstaub- und Geruchsemissionen um über 90 % verringert. Dabei wird der Rauch aus einem Kamin abgezogen, auf rund 30° C abgekühlt und dann durch eine durchlässige, begrünte Wand geleitet, wobei die Feinstaubteilchen in den Fasern des Substrats eingefangen werden. Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln zerlegen die Schadstoffe und nutzen sie als Nährstoffe für ihr eigenes Wachstum. So entsteht ein Ökosystem, von dem alle Seiten profitieren. Das System funktioniert durchgehend, benötigt wenig Energie und ist skalierbar, sodass es für verschiedene Anwendungen geeignet ist, sei es für Heizungen in Wohnhäusern, für größere öffentliche Gebäude wie Schulen oder Krankenhäuser oder auch große Industrieheizkessel. Ursprünglich war die Technologie dazu gedacht, Feinstäube aus Holzheizungen zu absorbieren. Das funktioniert aber auch mit anderen Brennstoffen, auch Geruchsemissionen konnten hervorragend unter Kontrolle gebracht werden. 

Skalierung lokaler Lösungen umfassendere Auswirkungen

Fernández und Montalva sind seit knapp 40 Jahren befreundet und arbeiten seit etwa zwei Jahrzehnten beruflich zusammen. Damals leitete Fernández ein kommunales Landschaftsprojekt, bei dem Montalva der Auftragnehmer war. Soeben hatte die chilenische Regierung Holzöfen in Santiago verboten und plante ähnliche Maßnahmen in südlichen Städten wie Temuco, wo der natürliche Rohstoff Holz reichlich vorhanden ist. Holzheizungen spielen daher dort eine wesentliche Rolle. 

Bei ihren Dienstreisen nach Temuco wurde Fernández und Montalva klar, dass die neuen Maßnahmen nicht nur die bisherige Kultur grundlegend verändern würden, sondern dass die Alternativen auch kostspieliger und weniger effizient sein würden. Daraus ergaben sich Diskussionen über die Frage, wie grüne Technologien die Umweltverschmutzung verringern könnten, ohne dass die privaten Haushalte ihre Holzheizungen vollständig aufgeben müssten. Ihre jahrelange, kombinierte Expertise auf den Gebieten Agronomie und Mechanik brachte sie auf eine scheinbar einfache und von der Natur inspirierte Idee: Man könnte doch Pflanzen zur Luftreinigung einsetzen. "Anfangs lachten die Leute uns aus", erinnert sich Fernández. "Eine begrünte Wand zur Luftreinigung? Auch die Industrie war skeptisch." 

Mit Unterstützung der Regionalregierung wurden sechs Piloteinheiten installiert und in Temuco in der Praxis getestet. Die Ergebnisse waren besser als erwartet, und so meldeten die beiden Erfinder ein Patent an und gründeten Filtrovivo, um ihre Arbeit kommerziell zu verwerten. Zunächst installierten sie die Systeme in ihren eigenen Häusern, und durch Mund-zu-Mund-Propaganda gewannen sie ihre ersten privaten Kunden. Bald verschob sich aufgrund der rechtlichen Vorgaben die Nachfrage hin zu industriellen Anwendungen. Angesichts des steigenden Interesses kümmerten sich die Erfinder um den Schutz ihrer Patente. Sie meldeten zunächst in Chile ein Patent an, später dann auch in Europa und den Vereinigten Staaten. 

Seit 2015 wird Filtrovivo in zahlreichen Regionen in Chile in Privathäusern, industriellen und kommunalen Gebäuden sowie in Bildungseinrichtungen eingesetzt. Montalva erklärt: "Eigentlich sollten alle saubere Luft atmen können. Aber solange Luftverschmutzung kein Geld kostet, ist es sehr schwierig, die Leute davon zu überzeugen, dass sie in ein Produkt investieren sollten, das die Verschmutzung verringert." 
 

Über die Erfinder

Aníbal Montalva Rodríguez ist ein technischer Agraringenieur, dessen Schwerpunkt auf dem Design, der Verwaltung und der Pflege von Grünanlagen liegt. Miguel Ángel Fernández Donoso hat sich als Architekt auf Stadtentwicklung und Landschaftspflege spezialisiert. Beide wuchsen in Chile auf dem Land auf, worauf sie ihr intuitives Interesse an natürlichen Lösungen zurückführen.  Ihre Arbeit wird landesweit für ihre Innovationskraft und Nachhaltigkeit anerkannt und belegt, dass einheimische, naturbasierte Lösungen auch global wettbewerbsfähig sind. 


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