​​Franck Zal​

Erschließung des therapeutischen Potenzials von Wattwürmern

Preiskategorie
Kleine und mittlere Unternehmen
Technisches Gebiet
Biotechnologie
Firma
Hemarina, Centre national de la recherche scientifique (CNRS), Université Paris Curie
Ende 2024 warteten in den Mitgliedstaaten des Europarates mehr als 90 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Jede Transplantation ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Nach der Entnahme verschlechtert sich aufgrund des Sauerstoffmangels schnell der Zustand des Spenderorgans und die Gefahr eines Organversagens steigt. Franck Zal hat eine innovative Trägerplattform entwickelt, die auf dem Hämoglobin des Wattwurms basiert. Der Träger ermöglicht eine längere und bessere Konservierung der Organe und ist ein Lichtblick für Patienten und Chirurgen zugleich.

Oft kommt es durch Ischämie-Reperfusionsschäden, d. h. Schäden, die bei einer Transplantation durch die plötzliche erneute Durchblutung des Organs nach einer Phase des Sauerstoffmangels verursacht werden, zu Organversagen. Herkömmliche Konservierungsmethoden haben ihre Grenzen: Die Konservierung einer Leber über einen Zeitraum von 12 Stunden kann das Risiko eines Transplantatversagens verdoppeln. Auf der Suche nach einer besseren Konservierungsmethode erkannte Zal das Potenzial des Wattwurms (Arenicola marina), einer Art, die es bereits seit 450 Millionen Jahren gibt. Diese Würmer können dank ihres einzigartigen, extrazellulären Hämoglobins bei Ebbe bis zu sechs Stunden ohne Sauerstoff überleben.  

Im Gegensatz zum menschlichen Hämoglobin zirkuliert das M101-Molekül des Wattwurms frei im Blutsystem und kann bis zu 40 Mal mehr Sauerstoff transportieren. Zal entwickelte eine Methode zum Trennen und Reinigen des Moleküls, das dann in einen universell kompatiblen Sauerstoffträger umgewandelt wird, der die natürliche Resilienz des Wurms nachahmt. M101 ist mit allen Blutgruppen kompatibel und löst weder Immunreaktionen noch Gefäßverengungen oder oxidativen Stress aus. 

Von Tiefsee zu Deep-Tech

Nach jahrelanger Erforschung extremer Meeresumwelten, wie Hydrothermalquellen und Tiefseeökosystemen, verschob Zal seinen Schwerpunkt näher an die Küste und begann, sich mit Wattwürmern zu befassen. Am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) lenkte er die Forschung auf diese Gattung und erkannte die einzigartigen Eigenschaften des Hämoglobins des Wattwurms. Während Zal überzeugt war vom Potenzial des Wattwurm-Hämoglobins, war die wissenschaftliche Gemeinde gespalten. 2007 kündigte er seine Forschungsstelle und gründete das Biotech-Unternehmen Hemarina. 

Anstatt wildlebende Wattwürmer zu sammeln, züchtet Hemarina diese in einer 13 Hektar großen Aquakulturanlage in Noirmoutier, Frankreich. Die Anlage erzeugt jährlich bis zu 30 Tonnen Wattwürmer, ohne die Wildpopulation zu dezimieren. Für Zal ist die Anlage aus Gründen der Nachhaltigkeit und aus medizinischen Gründen eine Notwendigkeit: "Die Rückverfolgbarkeit der Erzeugung ist unabdingbar, um medizinische Normen einzuhalten, aber auch, um unseren Planeten zu schützen." 

Das vom Unternehmen hergestellte Produkt HEMO2life® verfügt über die CE-Kennzeichnung für die Konservierung von Nieren, zudem wurde es erfolgreich in Gesichts-, Herz-, Leber- und Gliedmaßen-Transplantationen eingesetzt. In Indien ermöglichte das Produkt bei der weltweit ersten doppelten Armtransplantation in nur 10 Minuten die vollständige Durchblutung der Organe. Neben der Organkonservierung werden mit der M101-Plattform neue Lösungen für die Zellkultur, Wundheilung, Zahnbehandlung und Notfallmedizin entwickelt. Der Träger ist Grundlage neuer sauerstoffanreichernder Gels, heilender Hydrogels und von Blutersatzpulvern, die in abgelegenen oder ressourcenknappen Gegenden zum Einsatz kommen. 

Zals Erfolg ist auf eine robuste IP-Strategie gestützt. Mit über 60 erteilten Patenten bzw. Anmeldungen in 17 Patentfamilien stellt er sicher, dass die Innovationen es aus dem Labor in die Praxis schaffen: "Am Anfang forderten mich andere Wissenschaftler auf, mein Wissen der Menschheit zu überlassen. Ich antwortete Ihnen: 'Ohne Patent bleibt deine Entdeckung ein Schriftstück und wird es nie in den Operationssaal schaffen.'" 

Über den Erfinder

Franck Zal ist promovierter Biowissenschaftler, diplomierter Meeresbiologie und hat einen Abschluss in Executive MBA. Ein Treffen mit dem legendären Meeresforscher Jean-Yves Cousteau, der ihn ermutigte, die Wunder der Ozeane zu erforschen, beeinflusste maßgeblich seine Karriere. Franck Zal hat über 150 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, über 300 Vorträge gehalten und ist Autor von "Un trésor sous le sable" (Ein Schatz unter dem Sand), in dem er seine Mission beschreibt, mithilfe von Meeresbiologie lebensrettende Medizin zu entwickeln. 

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