John O' Sullivan, Graham Daniels, Terence Percival, Diethelm Ostry, John Deane
Drahtloses LAN für Hochgeschwindigkeits-Datenübertragungen
Gewinner des Europäischen Erfinderpreises 2012 in der Kategorie Außereuropäische Staaten
WLAN – die Grundlage für weltweiten Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
Unter der Leitung des australischen Radioastronoms Dr. John O'Sullivan entwickelte ein kleines Team von Wissenschaftlern mit einander ergänzenden Fachgebieten die WLAN-Technologie, die inzwischen von über 3 Milliarden Handys, Laptops und anderen Endgeräten verwendet wird.
Ende der Siebzigerjahre leitete Dr. O'Sullivan eine Forschungsgruppe für Radioastronomie. Sie entwickelte Geräte, die die Millionen Radiosignale im Universum entschlüsseln und daraus ein sinnvolles Bild von vergangenen kosmischen Ereignissen zusammenstellen konnten.
1983 beauftragte die australische nationale Wissenschaftsbehörde CSIRO Dr. O'Sullivan mit der Entwicklung praktischer Anwendungsmöglichkeiten für die Technologie, und so befasste sich sein Team mit der Verbesserung drahtloser LANs. Die damals vorhandenen System reichten lediglich für einige 100 Kb pro Sekunde aus. Ziel war es, diese Leistung zu vertausendfachen. Dr. O'Sullivan stellte ein wahrhaft interdisziplinäres Team zusammen: Die Fachgebiete reichten von Physik und Mathematik bis zu Signalverarbeitung, Steuerungssystemen und Netzwerkprotokollen. Diesem Team gehörten Graham Daniels, Terry Percival, Diethelm Ostry und John Deane an.
Damit große Datenvolumina rasch kabellos übertragen werden können, müssen sie in kleine Päckchen aufgeteilt, gleichzeitig über viele verschiedene Funkfrequenzen übertragen und dann vom Empfänger in der richtigen Reihenfolge wieder zusammengesetzt werden. Wenn die Funksignale von Wänden und Böden reflektiert werden oder wenn es zu Interferenzen kommt, wird das für den Empfänger sehr viel schwieriger. Die für das Herausfiltern von galaktischem Rauschen in der Radioastronomie entwickelte Technologie war genau das Richtige, um WLAN-Signale hier auf der Erde verständlicher zu machen.
1992 wurde in Australien eine vorläufige Patentanmeldung eingereicht, und 1993 folgten Anmeldungen in den USA, Europa und anderen Ländern. Allerdings gelang es zunächst nicht, einen kommerziellen Partner zu finden. 1997 wurde das US-australische Unternehmen Radiata gegründet, um die Technologie und die entsprechenden geistigen Eigentumsrechte mit einer Lizenz des CSIRO kommerziell zu verwerten. Im Jahr 2000 stellte Radiata die ersten Chips her, und 2001 wurde das Unternehmen von Cisco Systems für 300 Millionen USD übernommen.
Ende der Neunzigerjahre nahm die weltweite Standardisierungsorganisation IEEE das Patent des CSIRO in einen Branchenstandard für WLAN auf, und das CSIRO erklärte sich bereit, allgemein Lizenzen zu "fairen, angemessenen und nicht diskriminierenden" Modalitäten zur Verfügung zu stellen, um die Interoperabilität von Endgeräten aller Hersteller sicherzustellen.
Die Nachfrage nach drahtlosen Endgeräten boomte – und eigentlich hätte die Technologie eine Goldgrube sein sollen. Stattdessen entspannen sich umfangreiche Patentstreitigkeiten. Die CSIRO-Technologie war Teil des globalen Standards, den Dutzende Hersteller jetzt bei ihren Produkten verwendeten. Aber keiner von ihnen entrichtete Lizenzgebühren. 2005 blieb dem CSIRO keine andere Wahl als vierzehn führende Technologieunternehmen in den USA zu verklagen. Ihm wurden rund 200 Millionen AUD zugesprochen, und etwa ein Drittel der gesamten Branche unterzeichnete in der Folge Lizenzverträge. Seither wurden dem CSIRO in weiteren Gerichtsverfahren noch 250 Millionen AUD zugesprochen, und inzwischen zahlen rund 90 % der Branche Gebühren für eine CSIRO-Lizenz. Weil das CSIRO 1993 keine Patente in Russland, China und Südamerika angemeldet hatte, konnte es mit den in diesen Regionen hergestellten und vertriebenen Produkten kein Geld verdienen.
Dr. O'Sullivan bezeichnet das drahtlose LAN als "herausragendes Beispiel" dafür, wie aus anlassloser Forschung eine Lösung für ein weit verbreitetes Problem hervorgehen kann. Das phänomenale Wachstum der Mobilfunktechnologie, von Telefonen über Laptops bis hin zu Spielkonsolen, wäre ohne die Vision dieses Radioastronomen nicht möglich gewesen.
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