Karlheinz Brandenburg

MP3-Format

Preiskategorie
Lebenswerk
Technisches Gebiet
Computertechnik
Hochschule
Ilmenau
Karlheinz Brandenburg hat die Musikwelt revolutioniert – und die Computerindustrie gleich mit

So klingt Musik

Ohne Karlheinz Brandenburg wäre Apple nach wie vor ein zweitrangiger Hardware-Produzent und kein Marktführer. Apple, ein Marktführer? Ja, wenn auch nicht bei Computern. Mit dem iPod erzielt das Unternehmen längst deutlich höhere Umsätze als mit PCs. Den tragbaren MP3-Player hätte es aber ohne Karlheinz Brandenburg, einen Promotionsstudenten an der Universität Erlangen in Süddeutschland, nie gegeben. Die Erfindung des MP3-Formats hat die Musikwelt revolutioniert und auch Computern eine ganz andere Bedeutung verliehen.

Und das kam so: "Alles fing mit meinem Doktorvater an, der die Idee hatte, dass man Musik doch auch über eine Telefonleitung übertragen könne", erzählt Brandenburg. "Der Patentprüfer in München erklärte ihm dann, das sei nicht möglich. So etwas sagt man nicht zu einem deutschen Professor. Er ging unverzüglich auf die Suche nach einem Doktoranden, der beweisen sollte, dass es doch möglich sei." Dieser Doktorand war Karlheinz Brandenburg. Ende der Achtzigerjahre zog der junge Mann mit zwei Abschlüssen (in Elektrotechnik und Mathematik) aus, um zu beweisen, dass das Unmögliche doch möglich war. Das war sein erster Ausflug in die Grundlagenforschung. Bis heute spricht er sich für die "produktive" Forschung aus, die nicht nur den Kenntnisstand erweitert, sondern auch dessen kommerzielles Potenzial belegt.

In den Medien gilt Brandenburg als Paradebeispiel dafür, was Forschung und Entwicklung bewirken können. Er winkt ab und legt besonderen Wert darauf, diejenigen zu erwähnen, die zusammen mit ihm an der Erfindung gearbeitet haben und die seine Forschung finanziert haben: "Ein solcher Erfolg ist auch ein Glücksfall. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – und die erforderlichen Ressourcen zusammenbekommen."

Die fand er zunächst in Erlangen, wo er insgesamt etwa 25 Jahre studiert und gearbeitet hat. Zuerst war er wissenschaftlicher Mitarbeiter, später dann Professor für Elektrotechnik. Danach wechselte er auf einen Lehrstuhl an der Technischen Universität Ilmenau in Thüringen, wo ein ganzes Netzwerk an Forschungseinrichtungen und Hochschulen zur Förderung der Innovationstätigkeit geschaffen wurde. Inzwischen ist er Direktor des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau und Inhaber von 25 Patenten; einige stehen noch aus.

Karlheinz Brandenburg war nicht der einzige Forscher, der sich mit der digitalen Audiocodierung befasst hat. Mehrere andere Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie mehrere kommerzielle Unternehmen hatten das beträchtliche Potenzial der Technologie ebenfalls gesehen. Brandenburg erinnert sich: "Der Wettbewerb hat wirklich für Bewegung gesorgt. Dann gab es ein internationales Gremium, das die verschiedenen Formate standardisieren wollte. Plötzlich mussten sich die Ingenieure mit Politik befassen, um zu überleben."

Der wirkliche Durchbruch für die Erfindung erfolgte jedoch woanders: im Internet. Dies ist ein beeindruckendes Beispiel für Verbraucherdemokratie. Der Forscher stellte die Technologie im Netz zur Verfügung und trat damit eine Lawine los. Schülerinnen und Studenten tauschten darüber Musik-CDs aus, und das MP3-Format eroberte die Welt im Sturm. Innerhalb von Monaten erzielte das Format Umsätze, von denen andere Produktentwickler nur träumen konnten. Weltweit wurden 2005 über 50 Millionen MP3-Player verkauft, und über 200 Millionen Internetnutzer haben einen Software-Player auf ihrem Computer installiert. Der größte Internet-Musikanbieter hat eine Milliarde Songs im MP3-Format verkauft, und allein die Lizenzgebühren für Brandenburgs Patent beliefen sich auf 16 Millionen EUR. MP3 hat sich zum internationalen Standard für Audiocodierung entwickelt. Musikdateien werden damit auf nicht einmal ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe komprimiert, sodass sie schneller geladen werden können und weniger Speicherplatz benötigen.

Der Erfinder vertritt seit jeher die Auffassung: "Small is beautiful." Als große Hersteller seine Idee als zu kompliziert ablehnten, fand er einen kleinen Halbleiterproduzenten in der ruhigen Universitätsstadt Freiburg, der den Decoder-Chip für den MP3-Player baute. Besonders freut ihn, dass MP3 so vielen kleinen Unternehmen den großen Durchbruch ermöglicht hat. Sein neuestes Projekt ist ein Stereosystem mit Internetanbindung, über die die Nutzer ihre Lieblingsmusik herunterladen können.

Der Forscher Karlheinz Brandenburg sitzt nicht im Elfenbeinturm, sondern hat den Markt immer im Blick. Schon als Student hatte er beim Verfassen seiner Diplomarbeit das Gefühl: "Entweder steht die jetzt auf einem Bibliotheksregal und verstaubt oder sie erschließt einen millionenschweren Markt."

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