In Erinnerung an Paul Braendli
Mit großer Trauer geben wir den Tod von Paul Braendli (1930–2026) bekannt, der von 1985 bis 1995 zweiter Präsident des EPA war. Das EPA wird heute in München, Den Haag und Wien die Flaggen der Europäischen Patentorganisation auf halbmast setzen.
Herr Braendli hinterlässt einen bleibenden Eindruck in der Geschichte der Institution. Als erfahrener Patentanwalt und ehemaliger Direktor des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum brachte er in einer Phase des Wachstums und Wandels eine einzigartige Kombination aus Fachkompetenz, Pragmatismus und Weitblick in das EPA ein.
Seine Amtszeit war geprägt vom Drang, die operative Tätigkeit des EPA zu modernisieren und den Einflussbereich des Amts zu erweitern. Zu seinen Errungenschaften zählt unter anderem die Integration des Wiener Internationalen Patentdokumentationszentrums (INPADOC) in das EPA, die die Fähigkeit des Amts stärkte, seine Nutzer mit zuverlässigen Patentinformationen zu unterstützen. Dieser Dienst wurde einige Jahre später mit der Veröffentlichung der ersten Patentdokumentsammlungen auf CD-ROMs weiter ausgebaut. Die von ihm initiierte Einrichtung eines Büros in Brüssel förderte eine engere Beziehung zur Europäischen Union und unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit in einer sich rasch ändernden Patentlandschaft.
Die Amtszeit von Herrn Braendli war geprägt von einem starken Fokus auf Qualität und einer festen Überzeugung bei der Bereitstellung von Lernmöglichkeiten und der Einführung technischer Innovationen. Er leitete 1988 die Einführung des EPOQUE-Recherchensystems und sorgte dafür, dass Prüfer/innen in diesem wichtigen Tool geschult werden, und trug so maßgeblich zur Verbesserung der Qualität der Recherchenberichte bei. Seine zukunftsorientierte Herangehensweise spiegelte sich auch in der Einführung des BEST-Pilotprojekts (Zusammenführung von Recherche und Sachprüfung) wider, einer Initiative im Bereich der Prozessoptimierung, die deutlich zur Steigerung der Effizienz beim EPA beigetragen hat und das Amt in die Lage versetzte, wirksamer und schneller auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Nutzer/innen zu reagieren. Sein visionäres Denken führte auf der Diplomatischen Konferenz zur Revision des Europäischen Patentübereinkommens (EPÜ) im Jahr 2000 zur Verankerung von BEST im EPÜ.
Herrn Braendlis Wirken war geprägt von seinem Streben nach Exzellenz, Innovation und Zusammenarbeit. Wir alle beim EPA sprechen den Angehörigen und Freunden von Herrn Braendli unser tiefempfundenes Beileid aus.