Nachfrage nach europäischen Patenten übersteigt 2025 erstmals die Marke von 200 000
Das Technologie-Dashboard des EPA (der ehemalige Patent Index) zeigt ein starkes Wachstum der Nachfrage nach Patenten für Digital- und Energietechnologien. Die USA und Deutschland bleiben die führenden Ursprungsländer, während China erstmals unter die Top 3 vorrückt. Die Akzeptanz von Einheitspatenten war hoch, insbesondere unter europäischen Patentinhabern und KMU.
2025 wurde beim EPA eine Rekordzahl von 201 974 Patentanmeldungen eingereicht, was einem Anstieg von 1,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Anmeldungen aus Europa, einschließlich aller 39 EPO-Mitgliedstaaten, stiegen um 0,4 % (EU27: +0,7 %), während Anmeldungen von außerhalb Europas um 2,1 % zunahmen.
"Die Rekordzahl an Patentanmeldungen unterstreicht die Innovationskraft Europas und seine Attraktivität als globaler Technologiemarkt", sagte EPA-Präsident António Campinos. "Das Technologie-Dashboard 2025 erfasst Fortschritte und Lücken in verschiedenen gewerblichen Gebieten und hilft politischen Entscheidungsträgern in Europa dabei, Schwerpunktbereiche zu identifizieren sowie Maßnahmen und Investitionen gezielt einzusetzen, um die technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Das Einheitspatent baut zwar bereits Hindernisse ab und beschleunigt den Übergang zu einem stärker integrierten europäischen Innovationsmarkt, dennoch ist weiterhin ein besonderer Fokus erforderlich, insbesondere auf strategische Sektoren wie KI, Halbleiter, Gesundheit und Quantentechnologien."
Technologietrends: Computertechnologie weiterhin an der Spitze
Die Computertechnologie blieb 2025 mit 17 844 Anmeldungen (+6,1 %) das führende Gebiet, angetrieben durch einen Anstieg der Patentanmeldungen für KI mit Technologien für neuronale Netze und Bilderkennung (+9,5 %) sowie im kleinen, aber schnell wachsenden Bereich der Quantentechnologie (+37,9 %). Während die USA den größten Gesamtanteil an Anmeldungen im Bereich Computertechnologie hatten, hielten europäische Innovatoren den größten Anteil in den Unterbereichen KI und Quantentechnologie und steigerten ihre Anmeldungen um +2,6 % bzw. +22,1 %. [Siehe Insight‑Artikel zur Computertechnologie]
Die digitale Kommunikation, zu der auch Erfindungen für Mobilfunknetze zählen, belegte den zweiten Platz und verzeichnete das stärkste Gesamtwachstum unter den führenden Bereichen (+11,4 %), angetrieben durch das Aufkommen von 6G-Technologien. Die Zahl der Anmeldungen stieg um +23,5 % bei europäischen und um +22,1 % bei koreanischen Anmeldern. Angeführt wurde das Feld von Anmeldern aus den USA, China und Europa, wobei europäische Innovatoren ein Wachstum von 23,5 % verzeichneten.
Im Bereich elektrische Maschinen, Geräte und Energie wurden 16 997 Anmeldungen (+5,3 %) eingereicht, was vor allem auf einen Anstieg der Anmeldungen für Batterietechnologien um 14,6 % zurückzuführen ist, die nun 45,1 % dieses Bereichs ausmachen. Besonders bemerkenswert war das Wachstum bei den Anmeldungen von Anmeldern aus Asien: Japan (+23,8 %), VR China (+25,7 %) und Republik Korea (+34,9 %). [Siehe Insight‑Artikel zu Batterie‑ und Energietechnologien] Auch die Halbleitertechnologie setzte ihren Aufwärtstrend fort (+7,6 %), wobei europäische Anmelder den größten Anteil hatten, gefolgt von den USA.
Die Patentanmeldungen für Medizintechnik stiegen auf 15 905 (+1,3 %) und wurden vor allem von europäischen und US-amerikanischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstituten eingereicht. Die Biotechnologie – mit Einsatzbereichen wie medizinische Behandlung und Diagnose, Landwirtschaft, Industrie oder Meeresforschung – verzeichnete 8 203 Anmeldungen, was nach acht Jahren des Wachstums einen leichten Rückgang (-3,3 %) darstellt. Der Bereich Pharmazeutika kam auf 7 833 Anmeldungen und verzeichnet damit im zweiten Jahr in Folge einen Rückgang (-6,3 %); das Niveau entspricht nun dem von 2019. Dies unterstreicht die Bedeutung der EU-Gesetzesvorschläge für ein einheitliches ergänzendes Schutzzertifikat (ESZ) und für eine Verordnung zur Stärkung der europäischen Biotechnologie- und Bioproduktionsbranche.
Insgesamt lagen europäische Erfinder/innen in acht der zehn führenden Technologien an der Spitze. Europäer dominierten insbesondere in Bereichen wie Transport, Messtechnik (einschließlich Sensoren) und sonstige Spezialmaschinen (einschließlich 3D-Drucker und diverse Produktionswerkzeuge).
Länderentwicklung: VR China und Republik Korea mit stärkstem Wachstum
Die Patentanmeldungen aus allen 39 EPO-Mitgliedstaaten des Europäischen Patentamts stiegen um lediglich 0,4 %, insbesondere dank Zuwächsen bei Anmeldern aus Ländern mit üblicherweise geringerem Anmeldeaufkommen. Die Anmeldungen aus der VR China stiegen um 9,7 %, wodurch Japan mit 1,1 % erstmals auf den dritten Platz verdrängt wurde. Die USA, weiterhin die zweitgrößte Ursprungsregion für Anmeldungen, erlitten einen Rückgang (-1,6 %), während die Republik Korea ein starkes Wachstum (9,5 %) verzeichnete.
Innerhalb Europas wurde das Wachstum von Ländern wie Dänemark (+5,2 %), Österreich (+5,0 %), Spanien (+2,9 %) und insbesondere Finnland (+44,0 %) getragen, während das Anmeldeaufkommen der traditionellen Spitzenreiter wie Deutschland (-2,2 %), Frankreich (-0,4 %), der Schweiz (-0,5 %), den Niederlanden (-0,7 %), dem Vereinigten Königreich (-3,3 %), Italien (‑1,8 %) und Schweden (‑4,3 %) zurückging.
Top-Anmelder: Vier der Top 10 kommen aus Europa
Die drei führenden Unternehmen – Samsung (Republik Korea), Huawei (VR China) und LG (Republik Korea) – festigten ihre Spitzenpositionen aus dem Jahr 2024 durch weiteres Wachstum. Qualcomm (USA) verteidigte den vierten Platz, und Nokia (Finnland) klettere mit einem Plus von 1 000 Anmeldungen gegenüber 2024 um sieben Plätze nach oben auf den fünften Platz. Drei weitere europäische Unternehmen erscheinen in den Top 10: Siemens und BASF aus Deutschland sowie Ericsson aus Schweden. Microsoft war der zweite US-Anmelder in den Top 10, und der Batteriehersteller CATL der zweite Anmelder aus der VR China.
Unter den zehn größten Anmeldern beim EPA im Jahr 2025 gab es drei Neuzugänge: Nokia kletterte um sieben Plätze auf Rang 5, Microsoft um sechs Plätze auf Rang 9 und CATL, ein führender Batteriehersteller aus der VR China, um vier Plätze auf Rang 10.
Jede vierte Patentanmeldung wird von einer Erfinderin eingereicht
2025 war in 26 % aller beim EPA eingegangenen Patentanmeldungen aus Europa mindestens eine Erfinderin genannt (ein Anstieg um 1 % gegenüber 2024). Unter den Ländern mit den meisten Anmeldungen (über 2 000 Anmeldungen) lag Spanien mit 42 % an der Spitze, gefolgt von Finnland (34 %), Belgien (32 %), Frankreich (32 %) und Dänemark (30 %).
Kleine Unternehmen nutzen das Patentsystem als Innovationsmotor
2025 entfielen 26 % der aus Europa stammenden Anmeldungen auf Einzelerfinder/innen oder KMU (Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten) und weitere 7 % auf Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen (siehe Grafik Aufschlüsselung der Anmelder nach Kategorie). Dies unterstreicht die Attraktivität des Patentsystems für kleinere Anmelder, die durch die jüngsten gezielten Gebührensenkungen für Kleinsteinheiten, Einzelpersonen, gemeinnützige Organisationen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen noch verstärkt wurde.
Einheitspatent erfreut sich im dritten Jahr zunehmender Beliebtheit
Das im Juni 2023 eingeführte Einheitspatentsystem bietet Innovatoren einen einfacheren und leichter zugänglichen Patentschutz in 18 EU-Mitgliedstaaten durch einen einzigen Antrag beim EPA. Für 34 357 der 2025 erteilten europäischen Patente wurde einheitlicher Schutz beantragt, was etwa 28,7 % aller Erteilungen entspricht (ein Anstieg gegenüber 25,6 % im Jahr 2024). 2025 lag die Gesamtnutzungsrate unter den Anmeldern aus Europa bei 40,0 % und damit über den Prognosen. Für europäische Hochschulen, öffentliche Forschungseinrichtungen, KMU und Kleinstunternehmen lag die Nutzungsrate des Einheitspatents bei 48,3 % (gegenüber 38,4 % im Jahr 2024), was die Attraktivität des Einheitspatents insbesondere für kleinere Innovatoren belegt. Das Interesse am System außerhalb Europas nimmt stetig zu, wobei bei chinesischen Patentinhabern ein deutlicher Anstieg der Nutzungsrate zu verzeichnen ist (22,6 %, gegenüber 17,8 % im Jahr 2024). Die Nutzungsraten waren bei Patentinhabern aus Kanada, Australien, Indien, Israel, Sonderverwaltungsregion Hongkong und Taiwan, Provinz Chinas, deutlich höher und lagen auf einem Niveau, das mit den europäischen Nutzungsraten vergleichbar war oder diese sogar übertraf.
Weitere Informationen
"Technologie-Dashboard des EPA" ist die neue Bezeichnung des bisherigen jährlichen Patent Index. Es enthält Statistiken zu den im Vorjahr beim Europäischen Patentamt eingereichten Anmeldungen sowie zu erteilten Patenten und Einheitspatenten und stellt diese durch eine Rückschau auf Technologie- und Ländertrends der letzten zehn Jahre in einen längerfristigen Kontext.