Schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige stimulieren Europas Wirtschaft, Handel und Start-up-Finanzierung
Wirtschaftszweige, die Rechte des geistigen Eigentums (IPR) überdurchschnittlich stark nutzen, sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Zwischen 2021 und 2023 erzielten sie fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Europäischen Union, machten mehr als 30 % aller Beschäftigungsverhältnisse in der EU aus und zahlten einen um 41 % höheren Durchschnittslohn; bei patentintensiven Wirtschaftszweigen lag der Mehrverdienst mit fast 59 % sogar noch etwas höher. Darüber hinaus entfielen mehr als 78 % der EU-Ausfuhren und über 76 % der Einfuhren auf diese Branchen. Rund 70,7 Mrd. EUR an Risiko- und privatem Beteiligungskapital – mehr als 88 % der gesamten Wagnisfinanzierung in der EU – flossen in Start-ups aus schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweigen.
Eine neue Studie von Europäischem Patentamt (EPA) und Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) zeigt den erheblichen Beitrag, den schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige zu BIP, Beschäftigung, grenzüberschreitendem Handel und Investitionstätigkeit in der EU leisten. Dabei reicht das Spektrum von stark patentgetriebenen Technologie- und Healthcare-Unternehmen über Mode-, Lebensmittel- und Luxusmarken, die sich auf ihre Marken stützen, bis hin zu Kreativbranchen aus der Musik-, Film- und Spieleszene, die auf Urheberrechte angewiesen sind. Die Gemeinschaftsstudie mit dem Titel Geistiges Eigentum und Innovation in europäischen Sektoren ist die fünfte Ausgabe einer Reihe, die seit mehr als einem Jahrzehnt die Bedeutung von Rechten des geistigen Eigentums für die EU untersucht.
EPA-Präsident António Campinos sagte: "Schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige stehen im Mittelpunkt von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Die Studie belegt ihren enormen Beitrag zur europäischen Wirtschaft, sei es für den Arbeitsmarkt, als Anziehungspunkt für Investoren oder für die Stärkung des Außenhandels. Ein leistungsfähiges und effizientes Schutzrechtsystem auf Grundlage rechtssicherer, hochwertiger Patente ist wesentlich für das Wachstum und den globalen Erfolg von Innovatoren. Das EPA setzt sich kompromisslos dafür ein, technologiegetriebene Unternehmen jeder Größe zu unterstützen,um so nachhaltiges Wachstum, die Entstehung neuer Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit in ganz Europa zu fördern. Dabei setzen wir insbesondere auf Vereinfachungsinitiativen wie das Einheitspatent."
João Negrão, Exekutivdirektor des EUIPO, sagte: "Die Stärkung der Funktion von geistigen Eigentumsrechten als Katalysator für Innovation und Wachstum in Europa ist eine der wichtigsten Prioritäten des vom EUIPO vorgelegten Strategieplans 2030. Der aktuelle Bericht dokumentiert die Bedeutung, die diese Rechte schon heute für wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung haben, und verdeutlicht ihre wesentliche Rolle, wenn es darum geht, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen zu verbessern. Indem er aufzeigt, dass die innovativsten Sektoren auch das meiste Risikokapital anziehen, weist der Bericht einen Weg in die Zukunft, mit dem sich die Zielsetzungen des Draghi-Berichts realisieren lassen. Das EUIPO wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Rechte des geistigen Eigentums als Hebel für innovative Unternehmen einen besseren Zugang zu Finanzmitteln erhalten."
Verantwortlich für fast 50 % des BIP und mehr als 30 % der Arbeitsplätze in der EU
Die aktuelle Ausgabe zum Zeitraum 2021-2023 benennt 361 Branchen, die intensiven Gebrauch von Rechten des geistigen Eigentums machen. Gemeinsam erwirtschaften sie rund 7.7 Bio. EUR pro Jahr und damit fast 48 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der EU. Besonders ausgeprägt war das Wachstum in Sektoren, die sich mit der Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen, elektronischen Bauelementen und der Elektrizitätserzeugung befassen.
Die hohe Produktivität spiegelt sich auch in den Löhnen und Gehältern wider, die um 40,9 % über denen der übrigen EU-Wirtschaft liegen. Zudem entfallen 30,6 % aller Arbeitsplätze in der EU auf schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige (2017-2019: 30,1 %). Damit waren im Berichtszeitraum mehr als 65,5 Mio. Menschen in der EU direkt in Sektoren beschäftigt, die Patente, Marken, Geschmacksmuster und andere Rechte überdurchschnittlich stark in Anspruch nahmen. Allein auf patentintensive Branchen entfielen über 25 Mio. Arbeitsplätze.
Beitrag schutzrechtsintensiver Wirtschaftszweige zu BIP und Beschäftigung, Durchschnitt 2021–2023
Branchen mit intensivem Gebrauch von: | EU-BIP (Mio. EUR) | Anteil am EU-BIP insg. | Beschäftigung | Anteil an EU-Beschäftigung | Mehrverdienst* |
|---|---|---|---|---|---|
Marken | 6 287 376
| 39,1 % | 46 222 899 | 21,6 % | 40,7 % |
Patenten | 2 953 257
| 18,4 % | 25 243 081 | 11,8 % | 58,5 % |
Geschmacksmustern | 2 581 997
| 16,1 % | 28 159 393 | 13,1 % | 33,1 % |
Schutzrechtsintensiv insg. | 7 703 734
| 47,9 % | 65 463 643 | 30,6 % | 40,9 % |
* Als Mehrverdienst wird die Differenz zwischen den Durchschnittslöhnen in schutzrechtsintensiven und nicht schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweigen bezeichnet.
Motor für EU-Handel und Wertschöpfungsketten
Schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige sind deutlich exportorientierter als andere Sektoren. Sie vereinen 76,4 % aller EU-Einfuhren und 78,3 % aller Ausfuhren in Nicht-EU-Länder auf sich, was einem Handelsüberschuss von 108 Mrd. EUR entspricht. Die durchweg höhere Exportorientierung dieser Branchen – insbesondere bei patentintensiven Unternehmen – spielt eine zentrale Rolle für den Handel und die Wettbewerbsfähigkeit der EU. Mit 63 % übersteigt ihr Beitrag zur exportgenerierten Wertschöpfung sogar den Anteil am EU-BIP (48 %).
Starke Korrelation zwischen Schutzrechts- und Finanzierungsintensität zeigt rege Investitionstätigkeit
Die erstmals untersuchten Daten zur Start-up-Finanzierung offenbaren eine ausgeprägte und statistisch signifikante positive Korrelation zwischen der Schutzrechts- und der Finanzierungsintensität. Schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige werben den weitaus größten Teil des Risiko- und privaten Beteiligungskapitals in der EU ein. 70,7 Mrd. EUR – mehr als 88 % der gesamten Wagnisfinanzierung – gingen an Start-ups aus diesen Sektoren. Dabei nehmen die Anleger bewusst ein höheres Risiko in Kauf, da sie mit höheren Gewinnen als in weniger schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweigen rechnen. Adäquate Finanzmittel sind für die Skalierung und Markteinführung innovativer Ideen von grundlegender Bedeutung, was diese Konzentration zu einem entscheidenden Faktor für die wirtschaftliche Zukunft der EU macht.
Verknüpfung von Anlegern mit Technologie-Start-ups
Um die Entwicklung und kommerzielle Verwertung bahnbrechender Technologien zu unterstützen, hat die Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des EPA den Deep Tech Finder entwickelt, mit dem sich europäische Start-ups identifizieren lassen, die über europäische Patente verfügen. Das Gratistool verknüpft die Geschäftsdaten und Finanzierungshistorie von mehr als 11 000 investitionsbereiten Start-ups, Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen (PRO) in Europa mit ihren jeweiligen Patentanmeldungen oder erteilten Patenten. Das auch als mobile App verfügbare Tool enthält einen Filter für Dutzende von Technologien und Branchen. Damit unterstützt der Deep Tech Finder Investoren und potenzielle Partner bei der Suche nach europäischen Start-ups mit wertvollen Erfindungen.