Weniger als eine von zehn Gründer/innen von Startups mit Patentanmeldungen is eine Frau
Die Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des EPA hat eine neue Studie zu Frauen in MINT-Berufen veröffentlicht, der zufolge bei der erfinderischen Tätigkeit, bei der Gründung von Unternehmen mit Patentanmeldungen, im Patentwesen und bei der beruflichen Laufbahn von Promovierten nur langsam Fortschritte gemacht werden und weiterhin Lücken bestehen. Die kurz vor dem Internationalen Frauentag veröffentlichte Studie passt nicht nur zur Strategie der EU zur Gleichstellung der Geschlechter, zu den Zielen des Europäischen Forschungsraums und zu Europas Vorhaben, seine technologische Souveränität durch die Neue Europäische Innovationsagenda zu stärken, sondern liefert auch belastbare Daten für ganz Europa, die als Grundlage für diese politischen Prioritäten dienen und sie unterstützen können.
„Europa kann nur davon profitieren, die Beteiligung von Frauen an Innovationen zu stärken“, sagt EPA-Präsident António Campinos. „Diversität ist kein Luxus, sondern der Treibstoff für bahnbrechende Innovationen. Diese Studie deckt weiterhin bestehende Hindernisse auf unserem Weg zum Fortschritt auf, damit Europa sein volles Innovationspotenzial in Forschung, Patentierung und Unternehmertum ausschöpfen kann. Das EPA nimmt dabei eine aktive Rolle ein. Heute ist rund ein Viertel unserer Prüfer:innen weiblich. Dank gezielter Maßnahmen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter:innen steigt diese Zahl Jahr für Jahr. 2025 lag der Frauenanteil unserer Neueinstellungen bei 31 %. In unserem Young Professionals-Programm liegt er weiterhin bei über 50 %, wodurch eine starke Nachwuchsförderung gewährleistet ist.”
Laut der Studie ist der Anteil weiblicher Erfinderinnen in Europa in den vergangenen Jahren nur geringfügig von 13 % im Jahr 2019 auf 13,8 % im Jahr 2022 angestiegen. Zwar sind Frauen in Erfinderteams zunehmend stärker vertreten (ihr Anteil hat sich von 21,6 % im Jahr 2019 auf 24,1 % im Jahr 2022 erhöht), aber nach wie vor werden sie deutlich seltener als Einzelerfinderinnen oder Gründerinnen von Start-ups mit Patentanmeldungen benannt. Das deutet auf anhaltende strukturelle Hindernisse hin. Auf Länderebene sind die Entwicklungen in Portugal und Spanien vielversprechend; dort sind die Lücken am geringsten.
Der Anteil von Frauen ist in den einzelnen technischen Gebieten sehr unterschiedlich. In der Pharmazie (34,9 %), der Biotechnologie (34,2 %) und der Lebensmittelchemie (32,3 %) ist der Anteil von Erfinderinnen am höchsten, was damit in Einklang steht, dass sie in der Forschung in den Lebenswissenschaften stärker vertreten sind. Dagegen ist der Frauenanteil in einigen der patentintensivsten Technikgebiete am niedrigsten: Am Ende der Skala liegen Werkzeugmaschinen (5,7 %), grundlegende Kommunikationsprozesse (5,5 %) und mechanische Bauteile (4,9 %). Der Anteil von Erfinderinnen ist in Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen mit Abstand am höchsten (24,4 %), bei kleinen Unternehmen am niedrigsten.
Weiterhin deutliche Unterrepräsentation von Frauen in Start-ups, die Patente anmelden
Die Geschlechterlücke ist bei Start-ups mit europäischen Patenten besonders ausgeprägt. Nur 13,5 % der Start-ups mit Patenten wurden von Frauen (mit-)gegründet. Dabei sind die Unterschiede innerhalb Europas beträchtlich: Am höchsten sind die Frauenanteile in Spanien, Portugal und Irland. Diese Ergebnisse werden genau zu dem Zeitpunkt veröffentlicht, zu dem die EU ihren Aktionsplan für Frauen in Forschung, Innovation und Start-ups vorlegt. Darin betont sie, wie wichtig inklusive Innovationsökosysteme für die Stärkung von Europas Wettbewerbsfähigkeit bei strategischen Technologien sind.
Bei jüngeren Start-ups ist der Anteil der Gründerinnen mit über 14 % höher (verglichen mit rund 5,9 % bei Unternehmen, die seit mehr als 20 Jahren bestehen), was dafür spricht, dass die Diversität bei neuen Start-up-Gründungen zunimmt. Allerdings fällt es von Frauen mitgegründeten Unternehmen schwerer zu wachsen: Bei späteren, fortgeschrittenen Finanzierungsrunden sowie bei erfolgreich übernommenen Unternehmen schwindet der Frauenanteil.
Wachsende Lücken im Zeitablauf und ungenutztes Innovationspotenzial
In allen Ländern ist der Anteil von Frauen an der Zahl der MINT-Promovierten, die als Erfindende zur Patentaktivität beitragen, unterproportional – und das, obwohl sie im Promotionsstudium stark vertreten sind. Die Lücke wird mit jeder Laufbahnstufe größer – ein Phänomen, das als "Leaky Pipeline" bezeichnet wird. Besonders deutlich ist dies zu erkennen, wenn Forschende ihre Erfindungen kommerziell verwerten wollen. Der Studie zufolge ist das erfinderische Potenzial der von Frauen durchgeführten Forschung vergleichbar mit dem der Forschung von Männern. Das lässt darauf schließen, dass der geringere Anteil von Frauen bei der Patentierungsaktivität nicht auf einen Mangel an hoch relevanten Forschungsergebnissen zurückzuführen ist, sondern auf gesellschaftliche, institutionelle und wirtschaftliche Einflussfaktoren auf ihre berufliche Laufbahn.
Die Lücke im Patentwesen schließen
Im Patentwesen sind Frauen zunehmend stärker vertreten. 2025 waren 25,5 % der Patentprüfer/innen beim EPA weiblich, und der Frauenanteil bei Neueinstellungen betrug mehr als 30 %. Bei den europäischen Patentvertretern hat sich der Frauenanteil von 28 % vor 10 Jahren auf inzwischen 29,2 % erhöht. Diese Entwicklungen unterstützen die grundsätzlichen Bestrebungen der EU nach mehr Diversität und Inklusion in juristischen und technischen Berufen.
Nehmen Sie an unserer Veranstaltung teil: Die Zukunft braucht sie
Die Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des EPA wird die Studie, die darin beschriebenen Herausforderungen und mögliche Lösungen am Dienstag, den 3. März, um 10.00 Uhr MEZ in einer Online-Veranstaltung vorstellen. Ob Sie nun als Frau in einem MINT-Fach bereits beruflich etabliert sind oder gerade erst einsteigen – diese Veranstaltung kann Ihnen sicherlich Inspirationen und Anstöße für Ihre weitere Laufbahn geben. Verantwortungsträgerinnen und -trägern aus Politik, Forschung, Industrie, dem Finanzsektor oder der Unternehmerschaft bieten wir datengestützte Analysen und mögliche Lösungen für den Aufbau eines inklusiveren MINT-Ökosystems. Nach der Veranstaltung wird eine Aufzeichnung online zur Verfügung gestellt.
In der Studie
Förderung von Frauen in MINT stützt sich auf Beiträge aus 22 nationalen Patentämtern, die zum einen Werbe- und Kommunikationsbemühungen unterstützten und zum anderen die auf nationaler Ebene in Europa entwickelten Initiativen zur Unterstützung von Frauen in MINT-Fächern darlegten. Außerdem gaben die folgenden Organisationen Einblicke in ihre Politiken und Programme: die Europäische Kommission (Generaldirektion Forschung und Innovation), das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT), das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) und das Institut der beim Europäischen Patentamt zugelassenen Vertreter (epi) haben Beiträge zur Studie geliefert.
Die Studie kombiniert aktualisierte Patentindikatoren für alle Mitgliedstaaten des Europäischen Patentübereinkommens (EPÜ), Daten zu europäischen Start-ups aus dem Deep Tech Finder des EPA und neu verknüpfte Daten, die Laufbahnen in MINT-Berufen vom Promotionsstudium bis zu Veröffentlichungen, Patentierungsaktivitäten und unternehmerischer Aktivität im Zeitablauf nachvollziehen. Ermöglicht wird diese Analyse durch das DOC-TRACK-Projekt, eine akademische Forschungsinitiative, die vom Akademischen Forschungsprogramm (ARP) des EPA unterstützt wird.
Als Inspiration und Anstoß für Maßnahmen in der Praxis porträtiert die Studie außerdem vier wichtige Erfinderinnen: Dame Carol Robinson und Cordelia Schmid, die mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet wurden, sowie Pilar Granado und Marie Perrin, die den Young Inventors Prize gewonnen haben.