Patente tragen zu höherer Produktivität und besser bezahlten Arbeitsplätzen in Lateinamerika und der Karibik bei

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Pressemitteilungen
  • Die verarbeitende Industrie, die in der Region Rechte des geistigen Eigentums (Patente und Marken) nutzt, macht 13,6 % des BIP und 1,6 Millionen Arbeitsplätze in Lateinamerika und der Karibik aus
  • Innovation in Lateinamerika und der Karibik wird maßgeblich von Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen vorangetrieben (29 %)
  • Die Region bleibt Nettoimporteur patentierter Technologien, wobei über 85 % der Patentanmeldungen von ausländischen Anmeldern eingereicht werden

München/Santiago de Chile, 19. Mai 2026 – Eine heute veröffentlichte gemeinsame Studie des Europäischen Patentamts (EPA) und der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC) kommt zu dem Ergebnis, dass die auf Patente und Marken angewiesene verarbeitende Industrie (z. B. Automobil, Elektronik, Pharmazeutika) einen starken Beitrag zur Wirtschaftsleistung in Lateinamerika und der Karibik leisten. Gleichzeitig wird in der Studie auf strukturelle Herausforderungen hingewiesen, die die Fähigkeit der Region einschränken, den vollen wirtschaftlichen Nutzen aus Innovationen zu ziehen.  

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass verarbeitende Industrien, die in größerem Umfang auf Rechte des geistigen Eigentums (IPR) zurückgreifen, 13,6 % des BIP und rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze in der gesamten Region ausmachen. Das Produktivitätsniveau in diesen Branchen ist deutlich höher als in anderen Sektoren, was sich in besser bezahlten Arbeitsplätzen mit um rund 30 % höheren Durchschnittslöhnen niederschlägt. Dieser Effekt ist in patentintensiven Branchen besonders ausgeprägt, wo die Produktivitätssteigerungen im Durchschnitt bei 16 % und der Lohnaufschlag bei über 50 % liegen.

"Gewerbliches Eigentum kann die Entwicklung fördern, doch seine wirtschaftlichen Auswirkungen hängen vom gesamten Innovationsökosystem und den politischen Rahmenbedingungen ab, die es unterstützen", erläutert EPA-Präsident António Campinos. "Die Region verfügt bereits über beträchtliche Talente und wissenschaftliches Fachwissen, doch sind Kommerzialisierungskompetenzen, Technologietransferfähigkeiten und engere Verbindungen zwischen Hochschulen und Industrie sowie wirksame staatliche Maßnahmen und eine stärkere regionale Zusammenarbeit unerlässlich, um Innovation in nachhaltige Werte umzuwandeln."

"Die Diskussion über geistiges Eigentum in Lateinamerika und der Karibik muss reifen und sich stärker an bestehenden Ansätzen der Entwicklungspolitik orientieren; eine Diskussion, die sich weniger auf geistiges Eigentum als isoliertes Instrument, sondern mehr auf das Ökosystem konzentriert, in dem es wirkt. Geistiges Eigentum kann hier einen Beitrag zur Entwicklung leisten, aber es wird es effektiver sein, wenn es Teil einer umfassenden produktiven Entwicklungspolitik ist, die darauf abzielt, technologische Lücken zu schließen, die inländischen Kapazitäten zu stärken und die Position der Region in Aktivitäten mit höherer Wertschöpfung zu verbessern", sagt José Manuel Salazar-Xirinachs, Exekutivsekretär der ECLAC.

Patentintensive Industrien erwirtschaften einen hohen Mehrwert, doch ein Großteil wird importiert

Die Handels- und Patentströme aus Ländern außerhalb Lateinamerikas und der Karibik übersteigen die grenzüberschreitenden Ströme innerhalb der Region bei weitem, was deren Abhängigkeit von ausländischen Technologien unterstreicht. Trotz ihres starken wirtschaftlichen Beitrags kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Lateinamerika und die Karibik weiterhin Nettoimporteure patentierter Technologien und Produkte bleiben. Während IPR-intensive verarbeitende Industrien nur 9 % ihrer Exporte ausmachen, stellen sie 19 % der Importe, wobei patentintensive Produkte allein 15 % ausmachen.

Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in der Patentierungstätigkeit wider: Mehr als 85 % der in Lateinamerika und der Karibik eingereichten Patentanmeldungen stammen von ausländischen Anmeldern, während inländische Anmelder, vor allem aus Brasilien und Mexiko, nur 13,5 % der Anmeldungen ausmachen.  

Verstecktes Potenzial für inländische Innovation

Gleichzeitig identifiziert die Studie ein erhebliches, ungenutztes Innovationspotenzial in der Region. Öffentliche Forschungseinrichtungen wie Hochschulen und nationale Labore trugen zwischen 2016 und 2020 zu 29 % aller Patentanmeldungen in der Region bei. Rund die Hälfte ihrer Patentaktivitäten konzentriert sich auf patentintensive Fertigungsprozesse, was sie zu einer wichtigen Innovationsquelle für die lokale Industrie macht.

Die Studie zeigt zudem eine zunehmende Diskrepanz zwischen Innovationsort und Patentinhaberschaft auf. Im Jahr 2020 war der weltweite Anteil der in Lateinamerika und der Karibik erfundenen Technologien fast 80 % höher als der Anteil der Patente, die sich im Besitz von Anmeldern aus dieser Region befanden. Diese Lücke zeigt sich besonders deutlich in der Computertechnologie, wo ein großer Teil der aus der Region stammenden Erfindungen im Besitz ausländischer Unternehmen ist, die ihren Sitz vor allem in den Vereinigten Staaten und Europa haben.  

Die Analyse umfasst die verarbeitende Industrie in neun Ländern Lateinamerikas und der Karibik – Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Mexiko, Peru und Uruguay – und kommt zu dem Schluss, dass eine stärkere Zusammenarbeit sowie Technologietransfer und Innovationspartnerschaften innerhalb und zwischen den Ländern Lateinamerikas und der Karibik dazu beitragen könnten, die regionale Innovationskraft besser zu nutzen und die Abhängigkeit von importierten Technologien zu verringern.

Weitere Informationen

Medienkontakte Europäisches Patentamt

Roberta Romano-Götsch 
EPA-Sprecherin

EPA-Pressestelle
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Über das EPA

Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von rund 700 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.

Über die ECLAC

Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika (ECLAC) – deren spanische Abkürzung CEPAL lautet – wurde durch die Resolution 106 (VI) des Wirtschafts- und Sozialrats vom 25. Februar 1948 gegründet und nahm noch im selben Jahr ihre Arbeit auf.  Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC) mit Sitz in Santiago de Chile ist eine der fünf Regionalkommissionen der Vereinten Nationen. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, zur wirtschaftlichen Entwicklung Lateinamerikas beizutragen, die darauf ausgerichteten Maßnahmen zu koordinieren und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern sowie zu anderen Nationen der Welt zu stärken. Später wurde die Förderung der sozialen Entwicklung der Region in ihre vorrangigen Ziele aufgenommen.