Die griechisch-schwedische Lebensmittelwissenschaftlerin Angeliki Triantafyllou gewinnt den Europäischen Erfinderpreis 2026 für ihre Beiträge zur Weiterentwicklung von Haferdrinks
- Angeliki Triantafyllou erhält den Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „Industrie“ für die Entwicklung eines patentierten enzymatischen Verfahrens, das den Geschmack, die Konsistenz und die Haltbarkeit von Getränken auf Haferbasis verbessert hat.
- Ihre Erfindung erhöhte die Löslichkeit von Proteinen, ohne diese dabei zu zersetzen, wodurch Produkte entstanden, die sich für Anwendungen wie beispielsweise Kaffee eignen
- Das patentierte Verfahren trug dazu bei, Hafergetränke von einem Nischenprodukt zu einer weit verbreiteten Alternative zu Milchprodukten zu machen
- Die Auszeichnung wurde heute im Rahmen der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2026 in Berlin überreicht
München, 2. Juli 2026 – Das Europäische Patentamt (EPA) hat heute die griechisch-schwedische Lebensmittelwissenschaftlerin Angeliki Triantafyllou mit dem Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „Industrie“ für die Entwicklung eines enzymatischen Verfahrens ausgezeichnet, das die Stabilität, den Geschmack und die Funktionalität von Getränken auf Haferbasis verbessert. Wissenschaftlichen Studien zufolge leiden bis zu 65 % der Weltbevölkerung unter einer verminderten Laktoseverdaulichkeit. Zwar gibt es schon seit Langem pflanzliche Alternativen, doch frühere Hafergetränke wiesen häufig eine körnige Konsistenz sowie einen bitteren Geschmack auf und eigneten sich beispielsweise schlecht für die Verwendung im Kaffee. Triantafyllous Erfindung trug dazu bei, diese Einschränkungen zu überwinden, und ermöglichte so stabile, proteinreiche Hafergetränke, die für den täglichen Gebrauch und die industrielle Produktion geeignet sind.
Mit dem Europäischen Erfinderpreis werden Erfinder gewürdigt, deren Innovationen Lösungen für einige der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit bieten. Die weiteren Finalisten in der Kategorie „Industrie“ waren Evangelos Eleftheriou und sein Team aus Griechenland und der Schweiz für die Entwicklung von Schlüsseltechnologien, die das Auslesen, die Speicherung und die Verarbeitung digitaler Daten verbessert haben, sowie Giuseppe Crippa und sein Team aus Italien für die Entwicklung eines Verfahrens zur schnellen, lokalen Herstellung von Halbleiter-Prüfkarten.
„Diese Auszeichnung ist für mich eine große Ehre und eine wohlverdiente Anerkennung der grundlegenden Bedeutung des Lebensmittelsektors. Ein Bereich, in dem Fortschritte in der Forschung und moderne Technologien den Weg ebnen, um die Herausforderungen zu bewältigen, denen unser Planet zunehmend gegenübersteht, und der unser starkes Engagement für die Entwicklung eines innovativen, gesunden und widerstandsfähigen Lebensmittelsystems widerspiegelt“, sagt Triantafyllou.
Verbesserung von Hafergetränken für den täglichen Gebrauch
Hafer gilt seit langem als vielversprechender Rohstoff für Milchalternativen, doch mit den früheren Herstellungsverfahren war es schwierig, Getränke herzustellen, die den Erwartungen der Verbraucher hinsichtlich Geschmack, Aussehen und Funktionalität entsprachen. Um die Löslichkeit der Proteine zu erhöhen, waren häufig Enzyme erforderlich, die die Proteine in kleinere Fragmente zerlegten, was zu einem bitteren Geschmack, unerwünschter Braunfärbung und verminderter Stabilität während der Verarbeitung führte.
Triantafyllou entwickelte ein Verfahren, bei dem Proteindeamidase mit Amylasen kombiniert wird, um die Löslichkeit der Proteine zu erhöhen und gleichzeitig deren Struktur zu erhalten. Die so gewonnene Haferbasis zeichnet sich durch einen verbesserten Geschmack, ein weißeres Aussehen und einen feineren, stabileren Schaum aus. Diese Eigenschaften erwiesen sich insbesondere für Kaffeeanwendungen als wichtig und trugen zur Entwicklung von Hafergetränken bei, die speziell für Baristi konzipiert wurden.
Die Lebensmittelwissenschaft vom Labor zum Verbraucher bringen
Die Erfindung entstand aus Forschungen an der Universität Lund Anfang der 1990er Jahre, wo Wissenschaftler nach Möglichkeiten suchten, aus Hafernebenprodukten einen Mehrwert zu schaffen und gleichzeitig Alternativen für Menschen mit Laktoseintoleranz zu entwickeln. Triantafyllou schloss sich dem Projekt während ihrer Promotion in Biotechnologie an und spielte eine zentrale Rolle bei der Verfeinerung des enzymatischen Verfahrens und der Erhaltung der ernährungsphysiologischen Vorteile von Hafer.
Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen bei Oatly entwickelte sie ein enzymatisches Verfahren, bei dem Protein-Deamidase-Enzyme mit Amylasen kombiniert werden, um Haferprotein löslich zu machen und gleichzeitig Stärke abzubauen. Dieses patentierte Verfahren, dessen Rechte bei Oatly liegen, trug zur Markteinführung der „Barista“-Produktreihe bei, wodurch Hafergetränke nicht mehr nur für Verbraucher mit Unverträglichkeiten attraktiv waren, sondern auch den Mainstream-Markt eroberten.
Im Vergleich zu herkömmlicher Kuhmilch benötigen Alternativen auf Haferbasis heute unter Umständen weniger Anbaufläche und Wasser und verursachen weniger Treibhausgasemissionen. Triantafyllou entwickelt über Cerealiq AB weiterhin enzymatische Verfahren und konzentriert sich dabei auf Getränke der nächsten Generation auf Hafer- und Hülsenfruchtbasis.
Alle Preisträger des Europäischen Erfinderpreises 2026 wurden heute im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Berlin bekannt gegeben. Die Zeremonie können Sie hier online verfolgen. Weitere Informationen zu den Auswirkungen der Erfindung, der Technologie und der Geschichte der Erfinderin finden Sie hier.
Medienkontakte Europäisches Patentamt
Roberta Romano-Götsch
EPA-Sprecherin
EPA-Pressestelle
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Über den europäischen Erfinderpreis
Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und würdigt Einzelpersonen oder Teams, die mit ihren wegweisenden Erfindungen Antworten auf einige der größten Herausforderungen unserer Zeit geben. Die Mitglieder der Jury für den Europäischen Erfinderpreis sind allesamt ehemalige Finalistinnen und Finalisten. Bei der Bewertung der Vorschläge stützt sich die unabhängige Jury auf ihre Expertise in den Bereichen Technik, Geschäftswelt und geistiges Eigentum. Alle Erfinder/innen müssen ein europäisches Patent für ihre Erfindung erhalten haben. Hier erfahren sie mehr über die verschiedenen Kategorien, Preise, Auswahlkriterien und den Livestream der Preisverleihung am 2. Juli in Berlin.
Über das EPA
Mit 6 300 Beschäftigten ist das Europäische Patentamt (EPA) eine der größten Behörden in Europa. Das EPA, das seinen Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien hat, wurde mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten Europas auf dem Gebiet des Patentwesens zu stärken. Dank des zentralisierten Verfahrens vor dem EPA können Erfinderinnen und Erfinder hochwertigen Patentschutz in bis zu 46 Staaten erlangen, die zusammen einen Markt von mehr als 715 Millionen Menschen umfassen. Das EPA ist ferner weltweit führend in den Bereichen Patentinformation und Patentrecherche.