Frauen mit Erfindergeist

9. März 2020

WomenInspireUs

Was haben DNA-Replikation, Biokunststoffe, Stahlbeton und Videostreaming gemeinsam? Wichtige Erfindungen in diesen Bereichen stammen von Frauen. Anlässlich des Internationalen Frauentags richtet das EPA den Blick auf Frauen, deren bahnbrechende Erfindungen uns gesund halten, Arbeitsplätze schaffen, die Wirtschaft ankurbeln und sogar die Grenzen der Innovation ausloten. Seit 2006 hat das Amt viele dieser Frauen bei der alljährlichen Verleihung des Europäischen Erfinderpreises gewürdigt.

Margarita Salas (2019, Lebenswerk und Publikumspreis)

Die Wissenschaftsgemeinde verehrt Margarita Salas, weil sie eine schnelle, genaue und zuverlässige Methode zur Replikation von DNA entwickelt und damit die vollständige Genomanalyse ermöglicht hat. Ihr Beitrag zur Wissenschaft geht aber weit über ihre Erfindung hinaus, die heute aus Gebieten wie der Onkologie, der Forensik oder der Archäologie nicht mehr wegzudenken ist. Sie gründete Spaniens erste Forschungsgruppe auf dem Gebiet der Molekulargenetik und formte aus ihrem Team trotz finanziell begrenzter Möglichkeiten und bestehender Vorurteile gegen Frauen ein äußerst profitables öffentliches Forschungszentrum von Weltrang. Salas inspirierte zudem Generationen junger Frauen dazu, eine Laufbahn in der Wissenschaft in Erwägung zu ziehen: "Als ich 1961 mit meiner Promotion begann, gab es in Spanien fast keine Frauen, die in der Forschung tätig waren. Heutzutage beginnen mehr Frauen als Männer eine Promotion in unseren Labors."

Margarita Salas starb Ende 2019, aber ihr Vermächtnis erinnert eindringlich daran, wie eine Einzelperson die Welt zum Besseren verändern kann.

Catia Bastioli (2007, Gewinnerin, KMU/Forschung)

Der Klimawandel ist die vielleicht größte Herausforderung unserer Zeit, und da Klimasorgen oft mit wirtschaftlichen Aspekten kollidieren, lässt sich diese Herausforderung nicht so leicht bewältigen. Catia Bastioli hat eine Lösung gefunden, die sowohl der Umwelt als auch der Wirtschaft zugutekommt. Zusammen mit ihrem Team hat sie einen Biokunststoff aus Kulturpflanzen entwickelt. Biokunststoffe lassen sich wie gewöhnliche Kunststoffe verarbeiten, sind aber biologisch abbaubar und zerfallen auf einem Komposthaufen innerhalb von Wochen. Gestützt auf den Erfolg des von ihrem Team entwickelten biologisch abbaubaren Materials gründete Bastioli die Firma Novamont, die heute im Bereich Biokunststoffe weltweit führend ist. Bastioli ist derzeit CEO und damit Chefin von rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der ganzen Welt. 2018 erzielte Novamont einen Umsatz von 238 Millionen EUR, ein deutliches Zeichen für die Rolle, die nachhaltige Produkte als Treiber der Wirtschaft spielen können.

Dank ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse und ihrer Führungskompetenz ist Catia Bastioli heute Vorstandsvorsitzende der Terna S.p.A., Vorsitzende der italienischen Non-Profit-Organisation "Kyoto Club" und des italienischen Technologieclusters für grüne Chemie "SPRING" sowie Mitglied des Vorstands der Fondazione Cariplo.

Ann Lambrechts (2011, Gewinnerin, Industrie)

In der Vergangenheit haben die physischen Beschränkungen von Beton die architektonischen Gestaltungsmöglichkeiten oft beschnitten. Bewehrungsstahl hat die Form von Gittern oder Käfigen und wird zur Stabilisierung von Beton verwendet. Dies ist zwar effektiv, das Verfahren zur Herstellung dieser Gitter ist aber teuer und arbeitsintensiv, und aufgrund ihres Designs kann Beton nicht in dynamische Formen gegossen werden. Ann Lambrechts hat das Baugewerbe mit ihrer Erfindung - Stahlfasern für Beton - revolutioniert. Werden diese stiftartigen Komponenten mit nassem Beton vermischt, bilden sie eine Art dreidimensionales Gewebe. Dadurch wird die Zugfestigkeit von Beton deutlich verbessert, und es ist möglich, Strukturen zu entwerfen, die mit käfigartigem Bewehrungsstahl nicht hätten verwirklicht werden können.

Die Erfindung von Ann Lambrecht wurde beim Bau des Gotthard-Basistunnels, des längsten Eisenbahntunnels der Welt, ebenso verwendet wie beim Eurotunnel zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland.

Marta Karczewicz (2019, Finalistin, Lebenswerk)

Wenn Sie Filme auf Diensten wie Netflix streamen und gerne Videos auf Ihren Mobilgeräten anschauen, können Sie sich bei Marta Karczewicz bedanken. Das Mathematikgenie aus Polen wird in rund 130 Patenten als Erfinderin genannt. In den letzten 20 Jahren hat sie eine Technologie entwickelt, die es möglich macht, Videodateien ohne wahrnehmbare Verluste bei der Bildqualität um den Faktor 1 000 zu komprimieren, sodass Zuschauer weltweit Videos über eine Standard-Internetverbindung streamen können. Jedes Mal, wenn ein Video über Online-Dienste gestreamt oder über ein hochauflösendes Fernsehsignal in vielen terrestrischen Fernsehnetzen übertragen wird, wurde es wahrscheinlich mithilfe des Videostandards Advanced Video Coding (AVC) kodiert, zu dem Karczewicz Schlüsselkomponenten beigetragen hat.

Aber Marta Karczewicz ist nicht nur eine herausragende Erfinderin, sondern auch eine dynamische Führungskraft. In ihrer Rolle als Vice President of Technology bei Qualcomm leitet sie das Team, das sich mit Multimedia-Forschung und -Entwicklung befasst.

Die vorstehend genannten Erfinderinnen repräsentieren nur eine Handvoll der Finalistinnen und Gewinnerinnen, die beim Europäischen Erfinderpreis erfolgreich waren. Nach der Verleihung 2020 wird das EPA weitere Namen in diese beeindruckende Liste aufnehmen.

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