Von der Euro 2020 zu Innovationen bei Sportschuhen

Zum Fußballspielen braucht man patentierte Schuhe.

Nachdem die Fußball-EM Fans in ganz Europa und darüber hinaus vor die Bildschirme gelockt hat, ist jetzt sicher ein guter Zeitpunkt für ein paar wissenswerte und unterhaltsame Fakten über eine wichtige Erfindung, die großen Einfluss auf die Entwicklung des Sportschuhs hatte.

Beginnen wir mit einem kurzen Blick auf die Schuhindustrie heute. Arbeitswelt, Einkaufsgewohnheiten und Lebensstil hat die Pandemie verändert und unsere Vorliebe für die Lässigkeit und Bequemlichkeit sportlicher Alltagskleidung noch verstärkt. Im Segment der Freizeitschuhe ist die Popularität von Sneakers parallel zur Anzahl von Patenten für ihre Herstellung gestiegen. Im Sportschuhsegment dominieren große Namen wie Nike, adidas, Puma, New Balance, Asics und Under Armour den Markt wie auch die Patentanmeldungen. Die zunehmende Attraktivität dieser Marken und die hohen Preise, die sie erzielen, haben zu einem Anstieg der Produktfälschungen in Entwicklungsländern geführt, was geistige Eigentumsrechte und ihre Durchsetzung unerlässlich macht.

Sportschuhe und Patente darauf haben eine lange Geschichte

1936 gewann Jesse Owens bei den Olympischen Spielen in Berlin vier Goldmedaillen und sicherte sich damit einen Platz in den Geschichtsbüchern. Seine unglaublichen Leistungen erzielte er mit einem neuartigen Laufschuh, der mit langen Spikes speziell für die Aschenbahn und einem niedrig geschnittenen Schaft aus weichem Leder ausgestattet war, sodass der Fuß beim Laufen abrollen konnte.

Jesse Owens shoe

Foto: Imago images/adidas

Interessanterweise bezog Owens die raffinierten Schuhe von einem gewissen Adi Dassler – dem Gründer von adidas.

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Die Veränderungen im Schuhaufbau seit jenem historischen Sommer haben sich auch auf die Patentprüfung ausgewirkt. Jahrzehntelang wurde die Hauptkomponente des Schuhs, die Sohle, im Spritzguss gefertigt. Die Sohlenkomponenten wurden mit einfachen mechanischen Mitteln, d. h. Kleben und Nähen, am Schaft befestigt. Schichten aus verschiedenen Materialien wurden zu Sohlen zusammengeklebt, und es wurden nur einfache Formen verwendet. Patentprüfer, die den Stand der Technik zu Fußbekleidung recherchierten, beschränkten ihre Recherche meist auf dieses Gebiet. Es stellten sich auch nur einfache Fragen der erfinderischen Tätigkeit, da es im Allgemeinen lediglich Dokumente im Bereich der Fußbekleidung miteinander zu kombinieren galt.

Wie moderne Schuhe heute und in Zukunft hergestellt werden, wird durch neue innovative Entwicklungen wie etwa den 3D-Druck von Schuhkomponenten auf den Kopf gestellt. Dies hat auch die Art und Weise, wie wir recherchieren, komplett verändert. Heutzutage kann Stand der Technik zu Fußbekleidung aus entlegenen Gebieten wie der Luftfahrt stammen, die nicht gerade auf der Hand liegen. Wie schon Stephen Hawking einmal sagte, sollten wir also hinauf zu den Sternen schauen und nicht hinab auf unsere Füße. Die Recherche im Stand der Technik ist heute eine interdisziplinäre Aufgabe, die sich immer weiterentwickelt. Bei der Sachprüfung sind zentrale Fragen der erfinderischen Tätigkeit zunehmend anmeldungsbezogen geworden.

Eines ist sicher: disruptive Innovationen sprengen die Art und Weise, wie wir Patente prüfen. Um die Oberhand zu behalten, müssen wir uns ebenfalls anpassen.

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