European Patent Office
1993

4 - April

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Beilagen / Sonderausgaben
Beilage to OJ 3/1993
Beilage to OJ 9/1993
Beilage to OJ 12/1993
Sonderausgaben

    Seiten 229-234

    Referenz: ABl. EPA 1993, 229

    Online-Veröffentlichungsdatum: 30.4.1993

    MITTEILUNGEN DES EPA

    RECHTSAUSKÜNFTE DES EUROPÄISCHEN PATENTAMTS* - Nr. 5/93 rev.**

    Regel 83 (4) EPÜ

    Regel 85 EPÜ

    Regel 85a (2) EPÜ

    Berechnung von zusammengesetzten Fristen

    Schließt sich eine Frist an den Ablauf einer vorangegangenen Frist an, so ist zur Berechnung des Endes dieser zweiten Frist zunächst das Ende der ersten Frist zu bestimmen. In diesem Fall ist das Ende der vorangegangenen Frist das maßgebliche Ereignis (Regel 83 EPÜ) für die Berechnung der nachfolgenden Frist.

    Dies gilt derzeit für die Nachfrist zur Zahlung von Benennungsgebühren nach Regel 85a (2) EPÜ und ausnahmsweise bei Euro-PCT-Anmeldungen, für die Artikel 39 (1) PCT gilt, für die Nachfrist nach Artikel 86 (2) EPÜ zur Zahlung der Jahresgebühr für das dritte Jahr mit Zuschlag, wenn die Gebühr nach Regel 37 (1) EPÜ vor Ablauf der Frist von 31 Monaten nach Regel 104b (1) e) EPÜ fällig geworden wäre.

    I. Allgemeine Grundsätze

    1. Die im EPÜ festgelegten oder vom Europäischen Patentamt bestimmten Fristen sind in der Regel Monatsfristen. Das Fristende wird dabei nach Regel 83 (4) EPÜ berechnet. Die Frist endet in dem maßgeblichen (d. h. durch die Länge der Frist bestimmten) folgenden Monat an dem Tag, der durch seine Zahl dem Tag entspricht, an dem das Ereignis eingetreten ist (bezüglich der Jahresgebühren für europäische Patentanmeldungen siehe hingegen Nr. II.3).

    Die Länge der Frist kann jedoch je nach Lage des Falls unterschiedlich sein. Hat der betreffende nachfolgende Monat beispielsweise keinen Tag mit der entsprechenden Zahl, so läuft die Frist am letzten Tag dieses Monats ab. Dadurch kann sich die Frist um einige Tage verkürzen (z. B. zweimonatige Frist vom 31. Juli bis 30. September). Fällt dagegen der nach Regel 83 (4) EPÜ berechnete letzte Tag der Frist beispielsweise auf einen Tag, an dem eine der Annahmestellen des Europäischen Patentamts im Sinne des Artikels 75 (1) a) EPÜ zur Entgegennahme von Schriftstücken nicht geöffnet ist oder an dem gewöhnliche Postsendungen aus anderen Gründen dort nicht zugestellt werden1, so erstreckt sich die Frist auf den nächstfolgenden Tag, an dem das Europäische Patentamt zur Entgegennahme von Schriftstücken geöffnet ist und an dem gewöhnliche Postsendungen zugestellt werden (R. 85 (1) EPÜ)2.

    2. Das maßgebliche Ereignis, durch das eine Frist in Lauf gesetzt wird, richtet sich nach den die betreffende Frist regelnden Vorschriften. Es kann dies beispielsweise die Einreichung der Anmeldung (wie bei der in Art. 79 Satz 2 zweiter Halbsatz EPÜ vorgesehenen einmonatigen Frist zur Entrichtung der Benennungsgebühren) oder die wirksame Zustellung einer Aufforderung zur Stellungnahme nach Artikel 96 (2) EPÜ sein.

    Maßgebliches Ereignis für den Beginn einer Frist kann aber auch der Ablauf einer anderen Frist sein. Ein Beispiel hierfür ist die Nachfrist für die Zahlung der Benennungsgebühren nach Regel 85a (2) EPÜ.

    Wie zusammengesetzte Fristen dieser Art zu berechnen sind, wird im folgenden dargelegt.

    II. Beispiele für zusammengesetzte Fristen

    1. Nachfrist nach Regel 85a (2) EPÜ

    Im Fall einer vorsorglichen Benennung verzichtet der Anmelder auf die Mitteilung nach Regel 85a (1) EPÜ. Versäumt er dann die Fristen nach Artikel 79 (2) EPÜ zur Zahlung der Benennungsgebühren, so kann er nach Regel 85a (2) EPÜ die Zahlung noch innerhalb einer Nachfrist von zwei Monaten nach Ablauf der Frist bewirken, sofern er innerhalb der Nachfrist eine Zuschlagsgebühr entrichtet.

    Der letztmögliche Zeitpunkt für die Gebührenzahlung wird damit durch zwei aufeinanderfolgende Fristen, nämlich die maßgebliche Grundfrist nach Artikel 79 (2) EPÜ und eine Nachfrist von zwei Monaten, bestimmt. Da für den Lauf der Nachfrist der Ablauf der ersten Frist das maßgebliche Ereignis ist (R. 83 (4) EPÜ), muß zunächst das Ende der ersten Frist berechnet werden (s. Nrn. I.1 und 2). Der so ermittelte letzte Tag der ersten Frist ist jener Tag, der der Berechnung der Nachfrist zugrunde zu legen ist.

    Unrichtig wäre es, von einer einheitlichen Frist von beispielsweise drei Monaten (die sich aus der einmonatigen Frist nach Art. 79 (2) in Verbindung mit Art. 78 (2) EPÜ sowie der zweimonatigen Nachfrist nach Regel 85a (2) EPÜ errechnen würde) auszugehen und dabei als maßgebliches Ereignis für den letztmöglichen Zahlungstag - unter Einrechnung der Nachfrist -den Tag der Einreichung der europäischen Patentanmeldung zugrunde zu legen. Die richtig bemessene Frist kann nämlich demgegenüber einige Tage früher oder später ablaufen.

    In den nachstehenden Beispielen wird von der Annahme ausgegangen, daß die Benennungsgebühren nicht innerhalb eines Monats nach Einreichung der europäischen Patentanmeldung entrichtet worden sind (Art. 79 (2) in Verbindung mit Art. 78 (2) EPÜ). Sie können dann noch innerhalb einer Nachfrist von zwei Monaten nach Ablauf der Grundfrist wirksam entrichtet werden (R. 85a (2) EPÜ)3.

    Beispiel A:

    Die Frist zur Zahlung der Benennungsgebühren beträgt weniger als drei Monate nach

    Einreichung der Anmeldung:

     

    Anmeldetag

    31. Oktober

    Maßgebliches Ereignis für den

     

    Beginn der einmonatigen Frist

     

    Ablauf der einmonatigen Frist

    30. November

    Ablauf der Nachfrist von zwei Monaten

    30. Januar

     

    (statt 31. Januar)

    Beispiel B:

    Die Frist zur Zahlung der Benennungsgebühren beträgt mehr als drei Monate nach Einreichung der Anmeldung:

    Anmeldetag

    Freitag, 16. April 1993

    Maßgebliches Ereignis für den

     

    Beginn der einmonatigen Frist

     

    Ablauf der einmonatigen Frist

    Montag, 17. Mai 1993

    Ablauf der Nachfrist von zwei Monaten

     

     

    Montag, 19. Juli 1993

    2. Frist nach Artikel 86 (2) EPÜ für Euro-PCT-Anmeldungen, für die Artikel 39 (1) PCT gilt

    In diesen Fällen wird die Jahresgebühr für das dritte Jahr, wenn sie nach Regel 37 (1) EPÜ früher fällig geworden wäre, erst mit Ablauf des 31. Monats, d. h. am letzten Tag der Frist von 31 Monaten nach Regel 104b (1) e) EPÜ, fällig. Dieser verschobene Fälligkeitstag und damit der Ablauf einer anderen Frist (der Frist von 31 Monaten) ist für die Berechnung der Nachfrist zur Zahlung der Jahresgebühr mit Zuschlag maßgebend (s. Entscheidung der Juristischen Beschwerdekammer J 1/89, ABl. EPA 1992, 17, die sinngemäß unter Berücksichtigung der Änderung der Regel 104b EPÜ Anwendung findet).

    Das nachstehende Beispiel dient der näheren Erläuterung der vorstehend dargelegten Grundsätze.

    Beispiel:

    Prioritätstag

    Dienstag, 1. Januar 1991

    Maßgebliches Ereignis für den Beginn

     

    der Frist von 31 Monaten

     

    Anmeldetag

    Montag, 3. Juni 1991

    Fälligkeitstag für die Zahlung der

     

    Jahresgebühr für das dritte Jahr

    Mittwoch, 30. Juni 1993

    Ablauf der Frist von 31 MonatenMontag, 2. August 1993

     

    nach Artikel 104b (1) e) EPÜ

    (verlängert nach

     

    R. 85 (1) EPÜ)

    Ablauf der sechsmonatigen Frist

    nach Artikel 86 (2) EPÜ Mittwoch, 2. Februar 1994

    3. Die Grundsätze für die Berechnung der Frist zur Zahlung der nach Artikel 86 (1) EPÜ für das dritte Jahr fälligen Jahresgebühr für Euro-PCT-Anmeldungen gelten nur ausnahmsweise, wenn nämlich die Gebühr nach Regel 37 (1) EPÜ vor Ablauf der Frist von 31 Monaten nach Regel 104b (1) e) EPÜ fällig geworden wäre. Nach einer neueren Entscheidung der Juristischen Beschwerdekammer in der Sache J 4/91, ABl. EPA 1992, 402, gelten jedoch diese Grundsätze im allgemeinen nicht für die Berechnung der in Artikel 86 (2) EPÜ vorgesehenen sechsmonatigen Nachfrist für die wirksame Entrichtung einer Jahresgebühr nebst Zuschlag, wenn die Jahresgebühr bis zum Fälligkeitstag nicht gezahlt worden ist. In der Entscheidung wurde die Auffassung vertreten, daß die Rechtsauskunft Nr. 5/80 über die "Berechnung von zusammengesetzten Fristen" (ABl. EPA 1980, 149) auf den Beginn der Nachfrist nach Artikel 86 (2) EPÜ nicht anzuwenden ist. Nach Ansicht der Kammer beginnt die Frist auch dann am letzten Tag des in Regel 37 (1) Satz 1 EPÜ genannten Monats, wenn an diesem Tag die in Regel 85 (1), (2) und (4) EPÜ genannten Umstände vorliegen. Daher verschiebt sich das Ende der sechsmonatigen Frist durch solche bei ihrem Beginn vorliegenden Umstände nicht über das Ende des sechsten Monats hinaus in den siebten Monat.

    Beispiel A:

    Anmeldetag

    15. Dezember

    Fälligkeitstag der JGeb

    31. Dezember

    31. Dezember, 1. Januar geschlossene

     

    Tage, daher zuschlagsfreie Zahlung bis

    2. Januar

    (Regel 85 (1) EPÜ)

     

    Wird bis dahin nicht gezahlt:

     

    Ablauf der Frist nach Artikel 86 (2) EPÜ

     

    für Zahlung mit Zuschlag

    30. Juni

    Fällt der 30. Juni auf einen Sa.,

     

    gilt Zahlung mit Zuschlag bis

    2. Juli

    noch als wirksam (Regel 85 (1) EPÜ)

     

    Beispiel B:

     

    Anmeldetag

    15. Februar

    Fälligkeitstag der JGeb

    28./29. Februar

    Ist der 28./29. Februar ein "offener"

     

    Tag und wird bis dahin nicht gezahlt:

     

    Ablauf der Zahlungsfrist nach Artikel

     

    86 (2) EPÜ mit Zuschlag

    31. August

    Fällt der 31. August auf einen Sa.,

     

    gilt Zahlung mit Zuschlag bis

    2. September

    noch als wirksam (Regel 85 (1) EPÜ)

    4. Einen weiteren Sonderfall stellen die Jahresgebühren für Teilanmeldungen dar. Die "aufgelaufenen Jahresgebühren" werden mit Einreichung der Teilanmeldung fällig (R. 37 (3) Satz 1 EPÜ). Ist der Fälligkeitstag der entsprechenden Jahresgebühr oder -gebühren ein Samstag, ein Sonntag oder ein Feiertag, weil die Teilanmeldung an einem solchen Tag eingereicht wurde, so verschiebt sich der Fälligkeitstag der aufgelaufenen Jahresgebühr oder -gebühren nicht.

    Ausgangspunkt für die Berechnung der viermonatigen Frist für die zuschlagsfreie Entrichtung (R. 37 (3) Satz 2 EPÜ) und der parallelen sechsmonatigen Frist für die zuschlagspflichtige Zahlung (R. 37 (3) Satz 3 EPÜ) ist der Fälligkeitstag der aufgelaufenen Jahresgebühr(en) für die Teilanmeldung.

    Beispiel:

    Anmeldetag der Stammanmeldung

    15. Juni 1991

    Fälligkeitstag der Jahresgebühr für

     

    das 3. Jahr der Stammanmeldung

    30. Juni 1993

    Tag der Einreichung der Teilanmeldung

     

    = Fälligkeitstag der aufgelaufenen

     

    Jahresgebühr für das 3. Jahr

    Sonntag, 17. Juli 1993

     

    17. November 1993

     

    (Feiertag)

    Ablauf der Frist von vier Monaten

     

    (R. 37 (3) Satz 2 EPÜ)

    18. November 1993

     

    (verlängert nach

     

    R. 85 (1) EPÜ)

    Ablauf der Frist von sechs Monaten

     

    (R. 37 (3) Satz 3 EPÜ)

    17. Januar 1994

    III. Fristverlängerung nach Regel 84 EPÜ

    Wird eine vom Europäischen Patentamt bestimmte Frist nach Regel 84 Satz 2 EPÜ auf Antrag verlängert, so entsteht dadurch keine zusammengesetzte Frist. Vielmehr wird die ursprüngliche Frist zu einer einheitlichen - verlängerten - Frist (vgl. Richtlinien für die Prüfung im Europäischen Patentamt E-VIII, 1.6). Daher sind die Grundsätze für die Berechnung zusammengesetzter Fristen nicht anwendbar. Maßgebliches Ereignis für den Beginn der verlängerten Frist bleibt das für den Beginn der ursprünglichen Frist maßgebliche Ereignis, das als Ausgangspunkt für die Berechnung der einheitlichen verlängerten Frist heranzuziehen ist (R. 83 (4) EPÜ):

    Beispiel:

    Tag der Zustellung eines Bescheides,

    in dem zur Beseitigung eines Mangels

    eine Frist von zwei Monaten

    gesetzt ist

    30. Dezember

    Vor Fristablauf (28. Februar)

     

    Verlängerung der Frist um einen

     

    Monat

     

    Ablauf der auf drei Monate

     

    verlängerten Frist

    30. März

     

     

    * Unter dieser Rubrik beantwortet das Amt Anfragen von allgemeinem Interesse. Wie der Rubrikbezeichnung zu entnehmen ist, sollen in erster Linie Auskünfte zu formalen Fragen des Verfahrens erteilt werden. Die Auskünfte binden die zuständigen Organe des Europäischen Patentamts, insbesondere die Beschwerdekammern und die Große Beschwerdekammer, in keiner Weise.

    ** Revidierte Fassung der Rechtsauskunft Nr. 5/80 (ABl. EPA 1980, 149) aufgrund der Änderung der Regeln 85a, 85b und 104b (1) EPÜ.

    1 Die Verlängerung von Fristen aufgrund einer allgemeinen Unterbrechung der Postzustellung in einem Vertragsstaat oder zwischen einem Vertragsstaat und dem Europäischen Patentamt ist in Regel 85 (2) EPÜ geregelt. Regel 85 (4) EPÜ bestimmt darüber hinaus folgendes: Ist der ordnungsgemäße Dienstbetrieb des Europäischen Patentamts durch ein außerordentliches Ereignis, zum Beispiel eine Naturkatastrophe oder einen Streik, unterbrochen oder gestört und verzögern sich dadurch amtliche Benachrichtigungen über den Ablauf von Fristen, so können die innerhalb dieser Fristen vorzunehmenden Handlungen noch innerhalb eines Monats nach Zustellung der verzögerten Benachrichtigung wirksam vorgenommen werden. Der Beginn und das Ende einer solchen Unterbrechung oder Störung werden in einer Mitteilung des Präsidenten des Europäischen Patentamts bekanntgegeben.

    2 Am Ende eines jeden Jahres werden in einer Mitteilung des Präsidenten des Europäischen Patentamts die Feiertage bekanntgegeben, an denen die Annahmestellen des Europäischen Patentamts im kommenden Jahr geschlossen sind.

    3 In den Beispielen A und B wird davon ausgegangen, daß die Frist nach Regel 85a (2) EPÜ, sofern sie überhaupt in Lauf gesetzt wird, nicht vor der Frist nach Regel 85a (1) EPÜ abläuft; siehe hierzu Entscheidung der Juristischen Beschwerdekammer J 5/91 (wird noch veröffentlicht), Leitsatz veröffentlicht in ABl. EPA 10/1992.

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