T 0128/87 (Verlorener Scheck) vom 03.06.1988
- Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
- ECLI:EP:BA:1988:T012887.19880603
- Datum der Entscheidung
- 3. Juni 1988
- Aktenzeichen
- T 0128/87
- Antrag auf Überprüfung von
- -
- Anmeldenummer
- 80103498.4
- IPC-Klasse
- B65B 9/04
- Verfahrenssprache
- Deutsch
- Verteilung
- Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
- Download
- Entscheidung auf Deutsch
- Amtsblattfassungen
- Weitere Entscheidungen für diese Akte
- T 0128/87 1989-08-10
- Zusammenfassungen für diese Entscheidung
- -
- Bezeichnung der Anmeldung
- Verpackungsvorrichtung
- Name des Antragstellers
- Krämer & Grebe
- Name des Einsprechenden
- MULTIVAC
- Kammer
- 3.2.01
- Leitsatz
1. Die Tatsache, daß eine fristwahrende Handlung (hier: Einreichung eines Schecks) vorgenommen wurde, kann grundsätzlich durch Beweisführung, also auch durch die Ermittlung einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit festgestellt werden (Fortführung von T 243/86 "Verlorene Beschwerdebegründung/AUDI" vom 9.12.1986, nicht veröffentlicht, und T 69/86 "Verlorene Telexbestätigung/RENK" vom 15.9.1987, nicht veröffentlicht).
2. Eine Beweisführung über die tatsächliche Einreichung einer Unterlage (etwa Beschwerdebegründung, Telexbestätigung, Scheck) muß aber dazu führen, daß für die Einreichung eine durch die Umstände gerechtfertigte wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit spricht als für die Nicht-Einreichung. Unbeweisbarkeit geht zu Lasten des Einreichenden. Er hat verschiedene Möglichkeiten der Beweissicherung. Das EPA stellt für diesen Zweck die Empfangsbestätigungen nach Formblatt EPA/EPO/OEB Form 1037 zur Verfügung (vgl. auch Mitteilung in ABl EPA 1985, 289).
3. Die Beweislast verbleibt beim Einreichenden auch dann, wenn das EPA innerhalb angemessener Bearbeitungszeiten das Fehlen der Eingabe oder Anlage (hier: fehlender Scheck) nicht feststellt und dementsprechend den Einreichenden auch nicht darauf aufmerksam macht, daß er angesichts der noch nicht abgelaufenen Frist die fragliche Handlung noch oder erneut vornehmen kann.
4. Die Aufrechterhaltung dieses Grundsatzes erscheint jedoch dann unbillig, wenn ein ganz erheblicher Zeitraum bis zum Fristende verblieb und mehrere Stellen des EPA, die die Eingabe auf Vollständigkeit hätten prüfen können oder hätten prüfen müssen, das Fehlen einer Anlage nicht festgestellt und somit dem Einreichenden auch nicht die Möglichkeit gegeben haben, die Anlage noch rechtzeitig nachzureichen.
- Relevante Rechtsnormen
- European Patent Convention Art 108 1973European Patent Convention Art 117 1973Rules relating to fees Art 8(1)(c)
- Schlagwörter
- Beschwerdegebühr - Scheckzahlung
Empfangsbestätigung - Beweisssicherung
Verlorener Scheck - Beweislast
Grundsatz von Treu und Glauben - Orientierungssatz
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- Zitierte Akten
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ENTSCHEIDUNGSFORMEL
Aus diesen Gründen wird entschieden:
Es wird festgestellt, daß die Beschwerdegebühr rechtzeitig gezahlt worden ist.