T 0082/93 (Herzphasensteuerung) vom 15.05.1995
- Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
- ECLI:EP:BA:1995:T008293.19950515
- Datum der Entscheidung
- 15. Mai 1995
- Aktenzeichen
- T 0082/93
- Antrag auf Überprüfung von
- -
- Anmeldenummer
- 85112420.6
- IPC-Klasse
- A61B 5/02A61N 1/08A61N 1/365
- Verfahrenssprache
- Englisch
- Verteilung
- Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
- Download
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- Amtsblattfassungen
- Weitere Entscheidungen für diese Akte
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- Zusammenfassungen für diese Entscheidung
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- Bezeichnung der Anmeldung
- Method for adjusting heart/pacer rate relative to right ventricular systolic pressure to obtain a required cardiac output
- Name des Antragstellers
- Telectronics
- Name des Einsprechenden
- Biotronik
- Kammer
- 3.4.01
- Leitsatz
1. Nach Artikel 52 (4) EPÜ ist ein Anspruch nicht gewährbar, wenn er auch nur ein Merkmal enthält, das eine Tätigkeit oder eine Maßnahme (z. B. einen Verfahrensschritt) definiert, die ein "Ver- fahren zur ... therapeutischen Behandlung des menschlichen ... Körpers" darstellt (im Anschluß an Entscheidung T 820/92, ABl. EPA 1995, 113). Ob der Anspruch Merkmale umfaßt, die auf einen an einem technischen Gegenstand ausgeführten technischen Vorgang gerichtet sind, ist für die Anwendung des Artikels 52 (4) EPÜ nicht rechts- erheblich.
2. Eine im Einspruchsverfahren vorgeschlagene Änderung der Patent- ansprüche in Form eines Kategoriewechsels von einem "Verfahren zum Betreiben eines Geräts" zu einem "Gerät" ist nach Artikel 123 (3) EPÜ grundsätzlich nicht zulässig.
3. Enthält ein Patent in der erteilten Fassung nur Ansprüche, die bei richtiger Auslegung ein Verfahren zum Betreiben eines Geräts definieren, das eigentlich ein "Verfahren zur chirurgischen oder therapeutischen Behandlung des menschlichen oder tierischen Kör- pers" ist, und wird gegen dieses Patent Einspruch nach Artikel 52
(4) EPÜ eingelegt, so können die Artikel 52 (4) und 123 (3) EPÜ in Verbindung miteinander insofern eine unentrinnbare Falle bilden, die unweigerlich zum Widerruf des Patents führt, als
a) das Patent nicht in der erteilten Fassung aufrechterhalten werden kann, weil die Ansprüche einen nach Artikel 52 (4) EPÜ von der Patentierbarkeit ausgeschlossenen Gegenstand definieren;
b) das Patent nicht in geändertem Umfang aufrechterhalten werden kann, weil die Ansprüche dann nur noch das Gerät definieren, aber keine Merkmale mehr enthalten, die das Betreiben des Geräts in einem durch Artikel 52 (4) EPÜ ausgeschlossenen therapeutischen Verfahren definieren, und eine Änderung der erteilten Ansprüche durch Streichen dieser "Verfahrensmerkmale" gegen Artikel 123 (3) EPÜ verstoßen würde (in Abgrenzung gegen die Entscheidungen T 378/86, ABl. EPA 1988, 386 und T 426/89, ABl. EPA 1992, 172).
- Relevante Rechtsnormen
- European Patent Convention Art 123(3) 1973European Patent Convention Art 52(4) 1973European Patent Convention Art 84 1973
- Schlagwörter
- Erteiltes Patent enthält nur Ansprüche, die auf ein Verfahren zur therapeutischen Behandlung des menschlichen Körpers gerichtet sind - Ansprüche in der erteilten Fassung verstoßen gegen Artikel 52 (4) EPÜ - vorgeschlagene geänderte Ansprüche, die ein Gerät definieren, erweitern den Schutzbereich und verstoßen gegen Artikel 123 (3) EPÜ - unentrinnbare Falle - Patent widerrufen
- Orientierungssatz
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ENTSCHEIDUNGSFORMEL
Aus diesen Gründen wird entschieden:
1. Der Antrag auf Befassung der Großen Beschwerdekammer wird abgelehnt.
2. Der Beschwerde wird stattgegeben, das europäische Patent wird widerrufen.