G 0003/97 (Einspruch in fremdem Auftrag/INDUPACK) vom 21.01.1999
- Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
- ECLI:EP:BA:1999:G000397.19990121
- Datum der Entscheidung
- 21. Januar 1999
- Aktenzeichen
- G 0003/97
- Antrag auf Überprüfung von
- T 0301/95 1997-06-27
- Anmeldenummer
- 88112875.5
- IPC-Klasse
- B29C 47/10
- Verfahrenssprache
- Deutsch
- Verteilung
- Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
- Download
- Entscheidung auf Deutsch
- Amtsblattfassungen
- Weitere Entscheidungen für diese Akte
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- Zusammenfassungen für diese Entscheidung
- -
- Bezeichnung der Anmeldung
- Vorrichtung zum Aufbereiten thermoplastischer Kunststoffgüter
- Name des Antragstellers
- INDUPACK AG
- Name des Einsprechenden
- Hartdegen Emmerich Ing.
- Kammer
- -
- Leitsatz
1a: Ein Einspruch ist nicht schon deswegen unzulässig, weil der als Einsprechender gemäß Regel 55 a) EPÜ Genannte im Auftrag eines Dritten handelt.
1b: Ein solcher Einspruch ist aber dann unzulässig, wenn das Auftreten des Einsprechenden als mißbräuchliche Gesetzesumgehung anzusehen ist.
1c: Eine solche Gesetzesumgehung liegt insbesondere vor, wenn
- der Einsprechende im Auftrag des Patentinhabers handelt;
- der Einsprechende im Rahmen einer typischer Weise zugelassenen Vertretern zugeordneten Gesamttätigkeit im Auftrag eines Mandanten handelt, ohne hierfür die nach Artikel 134 EPÜ erforderliche Qualifikation zu besitzen.
1d: Eine mißbräuchliche Gesetzesumgehung liegt dagegen nicht schon deswegen vor, weil
- ein zugelassener Vertreter in eigenem Namen für einen Mandanten handelt;
- ein Einsprechender mit Sitz oder Wohnsitz in einem der Vertragsstaaten des EPÜ im Auftrag eines Dritten handelt, auf den diese Voraussetzung nicht zutrifft.
2: Ob eine mißbräuchliche Gesetzesumgehung vorliegt, ist unter Anwendung des Prinzips der freien Beweiswürdigung zu prüfen. Die Beweislast trägt, wer die Unzulässigkeit des Einspruchs geltend macht. Das Vorliegen einer mißbräuchlichen Gesetzesumgehung muß auf der Grundlage eines klaren und eindeutigen Beweises zur Überzeugung des entscheidenden Organs feststehen.
- Relevante Rechtsnormen
- European Patent Convention Art 99 1973European Patent Convention R 55 1973
- Schlagwörter
- Zulässigkeit des Einspruchs - Handeln in fremdem Auftrag
Mißbräuchliche Gesetzesumgehung - Orientierungssatz
- -
- Zitierende Akten
- G 0003/99G 0002/04G 0001/12G 0001/13G 0002/21R 0010/18J 0006/22T 0303/94T 0272/95T 1204/97T 0598/98T 0711/99T 0147/00T 0136/01T 0379/01T 0475/01T 0788/01T 1200/01T 1284/01T 1091/02T 0315/03T 0324/03T 0983/03T 1165/03T 0474/04T 1178/04T 0004/05T 0163/05T 0190/05T 0373/05T 1421/05T 0003/06T 1206/06T 1553/06T 1895/06T 0993/07T 0305/08T 0384/08T 0545/08T 1588/08T 1698/08T 1729/08T 1838/08T 0002/09T 0284/10T 1032/10T 2365/11T 0001/12T 2357/12T 0335/13T 1363/14T 2256/14T 0384/15T 1924/15T 2238/15T 1604/16T 0007/17T 0882/17T 1418/17T 2558/17T 2717/17T 0116/18T 1063/18T 1078/18T 1839/18T 2951/18T 0084/19T 0239/20T 1138/20T 1371/20T 1720/20T 1891/20T 0778/21T 0953/21T 1731/21T 1808/21T 1894/21T 1908/21T 2036/21T 2095/21T 0846/22T 1893/22T 1677/23T 1874/23T 0412/24T 1403/24T 1469/24
ENTSCHEIDUNGSFORMEL
Aus diesen Gründen wird entschieden:
Die der Großen Beschwerdekammer vorgelegten Rechtsfragen werden wie folgt beantwortet:
1a: Ein Einspruch ist nicht schon deswegen unzulässig, weil der als Einsprechender gemäß Regel 55 a) EPÜ Genannte im Auftrag eines Dritten handelt.
1b: Ein solcher Einspruch ist aber dann unzulässig, wenn das Auftreten des Einsprechenden als mißbräuchliche Gesetzesumgehung anzusehen ist.
1c: Eine solche Gesetzesumgehung liegt insbesondere vor, wenn
- der Einsprechende im Auftrag des Patentinhabers handelt;
- der Einsprechende im Rahmen einer typischer Weise zugelassenen Vertretern zugeordneten Gesamttätigkeit im Auftrag eines Mandanten handelt, ohne hierfür die nach Artikel 134 EPÜ erforderliche Qualifikation zu besitzen.
1d: Eine mißbräuchliche Gesetzesumgehung liegt dagegen nicht schon deswegen vor, weil
- ein zugelassener Vertreter in eigenem Namen für einen Mandanten handelt;
- ein Einsprechender mit Sitz oder Wohnsitz in einem der Vertragsstaaten des EPÜ im Auftrag eines Dritten handelt, auf den diese Voraussetzung nicht zutrifft.
2: Ob eine mißbräuchliche Gesetzesumgehung vorliegt, ist unter Anwendung des Prinzips der freien Beweiswürdigung zu prüfen. Die Beweislast trägt, wer die Unzulässigkeit des Einspruchs geltend macht. Das Vorliegen einer mißbräuchlichen Gesetzesumgehung muß auf der Grundlage eines klaren und eindeutigen Beweises zur Überzeugung des entscheidenden Organs feststehen.