T 0666/89 (Waschmittel) vom 10.09.1991
- Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
- ECLI:EP:BA:1991:T066689.19910910
- Datum der Entscheidung
- 10. September 1991
- Aktenzeichen
- T 0666/89
- Antrag auf Überprüfung von
- -
- Anmeldenummer
- 83302450.8
- IPC-Klasse
- -
- Verfahrenssprache
- Englisch
- Verteilung
- Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
- Download
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- Amtsblattfassungen
- Weitere Entscheidungen für diese Akte
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- Zusammenfassungen für diese Entscheidung
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- Bezeichnung der Anmeldung
- -
- Name des Antragstellers
- Unilever
- Name des Einsprechenden
- Henkel
- Kammer
- 3.3.01
- Leitsatz
1. Nach dem EPÜ werden Patente nicht allein deshalb erteilt, weil sie eine "Auswahl" betreffen, sondern nur für neue und erfinderische Gegenstände einer konkret definierten Art. Demgemäß besteht kein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Entscheidung über das Vorliegen von Neuheit in Fällen einer sogenannten "Überschneidung" oder "Auswahl" und der Entscheidung in anderen Fällen (siehe Nrn. 6 und 8 der Entscheidungsgründe).
2. Sachverhalte, die in einem Dokument des Standes der Technik "verborgen" sind, eher in dem Sinne, daß sie in nicht erkennbarer Weise umfaßt als daß sie absichtlich verheimlicht sind, sind der Öffentlichkeit nicht "zugänglich gemacht" worden (vgl. G 2/88). Bei sich überschneidenden Zahlenbereichen physikalischer Parameter in einem Anspruch einerseits und einer Offenbarung des Standes der Technik andererseits kann es zur Feststellung dessen, was "verborgen" im Gegensatz zu zugänglich gemacht ist, nützlich sein zu prüfen, ob ein Fachmann unter Berücksichtigung aller ihm bekannten technischen Gegebenheiten ernsthaft erwogen hätte, die technische Lehre aus dem bekannten Dokument im Überschneidungsbereich anzuwenden (vgl. T 26/85). Wenn die Information in dem bekannten Dokument in Verbindung mit dem allgemeinen Fachwissen des Fachmanns ausreicht, um ihm die Ausführung der technischen Lehre zu ermöglichen, und vernünftigerweise angenommen werden kann, daß er dies auch getan hätte, ist der betreffende Anspruch nicht neu (siehe Nr. 7 der Entscheidungsgründe).
3. Das vorstehend dargelegte Konzept der "ernsthaften Erwägung" beim Übergang von einem breiten zu einem engen (Überschneidungs-)Bereich unterscheidet sich, obwohl scheinbar ähnlich, grundsätzlich von einem Konzept, das die Kammern zur Beurteilung der erfinderischen Tätigkeit anwenden - nämlich zu prüfen, ob der Fachmann "mit einiger Aussicht auf Erfolg versucht hätte", die technische Lücke zwischen einem bestimmten Stand der Technik und einem Anspruch, dessen erfinderische Tätigkeit in Frage steht, zu überbrücken, da es bei der Feststellung einer Vorwegnahme keine Lücke dieser Art geben kann (siehe Nr. 8 der Entscheidungsgründe).
4. Nach dem EPÜ muß über die Neuheit unter Berücksichtigung des gesamten Informationsgehalts einer Entgegenhaltung entschieden werden; bei der Beurteilung des Informationsgehalts im Hinblick auf die Entscheidung, ob ein Anspruch neu ist, kann die Kammer ähnliche rechtliche Konzepte wie bei der Entscheidung über das Vorliegen erfinderischer Tätigkeit anwenden, ohne dabei jedoch die Unterschiede zwischen diesen beiden rechtlich verankerten Gründen für einen Einwand zu verwischen (siehe Nr. 8 der Entscheidungsgründe).
- Relevante Rechtsnormen
- European Patent Convention Art 54 1973
- Schlagwörter
- Neuheit (verneint)
Offenbarungsgehalt eines Dokuments beschränkt sich nicht auf seine Beispiele
Neuheitsprüfung im Falle von 'Auswahl' oder 'sich überschneidender Bereiche'
Gezielte Auswahl
Rolle von 'Tests' in Auswahlfällen
Unterschiedlicher Ansatz zur Feststellung der Offensichtlichkeit - Orientierungssatz
- -
- Zitierte Akten
- -
- Zitierende Akten
- T 0366/90T 0565/90T 0148/91T 0245/91T 0252/91T 0278/91T 0332/91T 0369/91T 0863/91T 0969/91T 0146/92T 0590/92T 0631/92T 0712/92T 0969/92T 0068/93T 0167/93T 0343/93T 0396/93T 0632/93T 0638/93T 0651/93T 0653/93T 0758/93T 0620/94T 0751/94T 0817/94T 0061/95T 0071/95T 0177/95T 0350/95T 0487/95T 0536/95T 0784/95T 0839/95T 0988/95T 0038/96T 0134/96T 0138/96T 0163/96T 0170/96T 0255/96T 0472/96T 0720/96T 0811/96T 0990/96T 0019/97T 0164/97T 0224/97T 0300/97T 0467/97T 0795/97T 1085/97T 0161/98T 0219/98T 0255/98T 0424/98T 0526/98T 0726/98T 0772/98T 0941/98T 0993/98T 0330/99T 0451/99T 0462/99T 0586/99T 1093/99T 0112/00T 0204/00T 0234/00T 0245/00T 0357/00T 0427/00T 0786/00T 0926/00T 1030/00T 0002/01T 0006/01T 0168/01T 0360/01T 0398/01T 0547/01T 0790/01T 1080/01T 0996/02T 0066/03T 0174/03T 0436/03T 1200/03T 0235/04T 0440/04T 0624/05T 0894/05T 1196/05T 1233/05T 0019/06T 0520/06T 0635/06T 1116/06T 1172/06T 0094/07T 0230/07T 0847/07T 0892/07T 0056/08T 1027/08T 1239/08T 1476/08T 1447/09T 1049/10T 0040/11T 0423/12T 1390/12T 1434/13T 1716/13T 1439/15T 2195/15T 0311/18T 0933/18T 0955/18T 1095/18T 1516/18T 1779/19T 2761/19T 1044/20T 1509/21T 0025/22T 0989/22
ENTSCHEIDUNGSFORMEL
Aus diesen Gründen wird entschieden:
1. Der Beschwerde wird stattgegeben.
2. Das Patent wird widerrufen.