T 0640/91 (Prüfungsverfahren) vom 29.09.1993
- Europäischer Rechtsprechungsidentifikator
- ECLI:EP:BA:1993:T064091.19930929
- Datum der Entscheidung
- 29. September 1993
- Aktenzeichen
- T 0640/91
- Antrag auf Überprüfung von
- -
- Anmeldenummer
- 88105342.5
- IPC-Klasse
- H05K 1/00
- Verfahrenssprache
- Englisch
- Verteilung
- Im Amtsblatt des EPA veröffentlicht (A)
- Download
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- Amtsblattfassungen
- Weitere Entscheidungen für diese Akte
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- Zusammenfassungen für diese Entscheidung
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- Bezeichnung der Anmeldung
- A printed wiring board
- Name des Antragstellers
- Nippon
- Name des Einsprechenden
- -
- Kammer
- 3.4.01
- Leitsatz
1. Das Erfordernis in Artikel 96 (2) EPÜ, wonach die Prüfungsabteilung den Anmelder "so oft wie erforderlich" zur Einreichung einer Stellungnahme aufzufordern hat, impliziert, daß die Prüfungsabteilung unter bestimmten Umständen von Rechts wegen verpflichtet ist, den Anmelder vor Erlaß einer ihn beschwerenden Entscheidung zu weiteren Stellungnahmen aufzufordern.
2. Im Hinblick auf Artikel 113 (1) EPÜ besteht für die Prüfungsabteilung eine "notwendige" rechtliche Verpflichtung, den Anmelder zu weiteren Stellungnahmen aufzufordern, bevor sie eine ihn beschwerende Entscheidung trifft, in der das unverzügliche Ergehen dieser Entscheidung damit begründet wird, daß er in seiner früheren Stellungnahme mangelnden guten Willen habe erkennen lassen.
3. Eine Beschwerdekammer sollte sich nur dann über die Art und Weise, in der die erste Instanz bei einer Entscheidung in einer bestimmten Sache ihr Ermessen ausgeübt hat, hinwegsetzen, wenn sie zu dem Schluß gelangt, daß die erste Instanz ihr Ermessen nach Maßgabe der falschen Kriterien, unter Nichtbeachtung der richtigen Kriterien oder in willkürlicher Weise ausgeübt hat.
4. Grundsätzlich ist es nicht Aufgabe einer Prüfungsabteilung, den Grad der Kooperationsbereitschaft eines Anmelders oder seinen guten Willen zu beurteilen, wenn sie im Rahmen des ihr in Artikel 96 (2) EPÜ eingeräumten Ermessens entscheidet, ob sie ihn zu weiteren Stellungnahmen auffordert. Die Ausübung dieses Ermessens hängt in erster Linie davon ab, ob eine gewisse Aussicht besteht, daß die Anmeldung nach einer solchen Aufforderung erteilungsreif wird (im Anschluß an die Entscheidungen T 162/82, ABl. EPA 1987, 533 und T 84/82, ABl. EPA 1983, 451).
- Relevante Rechtsnormen
- European Patent Convention Art 113(1) 1973European Patent Convention Art 54 1973European Patent Convention Art 56 1973European Patent Convention Art 96 1973European Patent Convention R 51 1973European Patent Convention R 67 1973
- Schlagwörter
- Stellungnahme des Anmelders zur Neuheit
Unverzügliche Zurückweisung der Anmeldung aufgrund mangelnder Kooperationsbereitschaft und guten Willens des Anmelders - derartige Feststellung nicht gerechtfertigt
Notwendigkeit der Aufforderung zur Stellungnahme
Willkürliche Ermessensausübung - Orientierungssatz
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- Zitierte Akten
- -
- Zitierende Akten
- R 0001/23T 0855/90T 0891/92T 0951/92T 0487/93T 0516/93T 0520/94T 0921/94T 0953/95T 1008/96T 0142/97T 0201/98T 0958/99T 0989/99T 0424/04T 1131/05T 1209/05T 1254/05T 1379/05T 1576/05T 1578/05T 1035/06T 0520/07T 0905/07T 1614/07T 0849/08T 1652/08T 0299/09T 0690/09T 1253/09T 0379/10T 1190/10T 1734/10T 0082/11T 1499/11T 1199/12T 1258/12T 1788/12T 0259/13T 1882/13T 0918/14T 0089/15T 0203/15T 1577/15T 0043/16T 0400/16T 1222/16T 2035/16T 0002/17T 0020/17T 1965/17T 2732/18T 1869/19T 1913/19T 2730/19T 3212/19T 0133/20T 1088/20T 1919/21T 2217/21T 0291/22T 1099/22T 1758/22T 1951/22T 0989/23T 1178/23T 0146/24
ENTSCHEIDUNGSFORMEL
Aus diesen Gründen wird entschieden:
1. Die Entscheidung der Prüfungsabteilung wird aufgehoben.
2. Die Sache wird an die Prüfungsabteilung mit der Auflage zurückverwiesen, auf der Grundlage des am 1. Juli 1993 eingereichten Hauptantrags ein Patent zu erteilen.
3. Die Beschwerdegebühr wird zurückgezahlt.