Über den Preis
Menschen mit einer Leidenschaft für Entdeckungen treiben Innovationen voran. Ohne ihren wissbegierigen Verstand und ihren Wunsch nach neuen Ideen gäbe es keinen Erfindergeist und keinen Fortschritt. Mit dem Europäischen Erfinderpreis werden Erfinderinnen und Erfinder geehrt, die ihre Ideen in Lösungen für einige der größten Herausforderungen unserer Zeit umsetzen. Er ist eine Hommage an den Erfindergeist, an die individuellen Beiträge talentierter Erfinderinnen und Erfinder und an das europäische Patentsystem, das Erfindungen schützt und Innovationen fördert.
Das EPA hat den Preis im Jahr 2006 ins Leben gerufen, um Erfinderinnen und Erfindern die Anerkennung zu geben, die sie verdienen. Im Jahr 2022 führte das EPA den Young Inventors Prize als Teil des Preises ein und wandelte den Preis bald in eine eigenständige Veranstaltung um. Heute finden jedes Jahr abwechselnd zwei Veranstaltungen statt: der Europäische Erfinderpreis und der Young Inventors Prize.
Im Jahr 2026 verlieh das EPA den Europäischen Erfinderpreis in Berlin. Der Young Inventors Prize kehrt 2027 zurück, diesmal mit Wien als Gastgeberstadt.
Die Siegestrophäe
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Europäischen Erfinderpreises erhalten markante Trophäen in Form eines Segels. Als dauerhaftes Symbol für Entdeckung und Erfindungsreichtum zeigt das Segel, wie erfinderische Ideen die Menschheit zu unbekannten Ufern führen können. Die deutsche Industriedesignerin Miriam Irle hat das ursprüngliche Design entworfen, und jedes Jahr wird die Trophäe aus neuen Materialien gefertigt.
Die Jury
Die Jury für 2026 setzte sich aus früheren Finalistinnen und Finalisten des Europäischen Erfinderpreises und des Young Inventors Prize zusammen. Die unabhängigen Jurymitglieder bewerteten die Vorschläge auf der Grundlage ihres technischen Fachwissens und ihren Erfahrungen. Die Jury wurde von Wolfgang M. Heckl geleitet.

Wolfgang M. Heckl (Juryvorsitzender) ist ehemaliger Generaldirektor des Deutschen Museums in München, eine Position, die er 21 Jahre lang innehatte. Er ist Emeritus of Excellence an der Technischen Universität München Senior Excellence Faculty und Inhaber des Oskar-von-Miller-Lehrstuhls für Wissenschaftskommunikation an der Technischen Universität München, wo er über die molekulare Selbstorganisation in der Nanotechnologie forscht. Er wurde mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Descartes-Preis für Wissenschaftskommunikation der Europäischen Union ausgezeichnet. Professor Heckl ist Autor von über 200 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und veröffentlichte im Jahr 2013 den Bestseller "Die Kultur der Reparatur".
Mark Kennedy Bantugon ist Luftfahrtingenieur, Materialwissenschaftler, Erfinder und Unternehmer mit Schwerpunkt auf nachhaltiger Innovation. Er gründete Pili AdheSeal Inc, um ein Flugzeugdichtmittel und einen Klebstoff aus landwirtschaftlichen Abfällen des Pili-Baumharzes auf den Markt zu bringen. Seine daraus resultierende Technologie – eine sicherere und umweltfreundlichere Alternative zu herkömmlichen Dichtmitteln – hat bedeutende Anerkennung gefunden, darunter den James Dyson Award und den WIPO National Award. Bantugon engagiert sich auch leidenschaftlich für die Förderung seiner Heimat Philippinen und wirbt oft auf der internationalen Bühne für das Potenzial einheimischer Ressourcen und lokaler Innovationen.

Catia Bastioli ist CEO und Präsidentin der Novamont-Gruppe (2023 von Versalis, einem Unternehmen der Eni-Gruppe, übernommen). Sie war Mitglied mehrerer hochrangiger Arbeitsgruppen der Europäischen Kommission und ist seit 2014 Präsidentin des italienischen Clusters für zirkuläre Bioökonomie SPRING. Im Laufe ihrer 30-jährigen Karriere hat sie zahlreiche Patentfamilien in den Bereichen Biopolymere und Umwandlung nachwachsender Rohstoffe entwickelt. Ihre Arbeit basiert auf einem von ihr entwickelten Modell der zirkulären Bioökonomie, das sich auf territoriale Regeneration konzentriert und die Boden- und Wasserqualität in den Mittelpunkt stellt. 2017 wurde ihr vom italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella der Titel "Cavaliere del Lavoro" verliehen. Seit Anfang 2025 ist sie internationales Mitglied der US-amerikanischen National Academy of Engineering (NAE).
Catia Bastioli, Europäischer Erfinderpreis 2007, KMU/Forschung
Esben Beck ist Erfinder, Unternehmer und Gründer von Stingray Marine Solutions. Der Autodidakt, der an der norwegischen Arktisküste geboren und aufgewachsen ist, verbrachte einen Teil seiner Karriere mit der Entwicklung von Produktionslinien in Norwegens größter Brauerei, bevor er in den Bereich der medizinischen Diagnosegeräte wechselte und sich schließlich auf Meerestechnologie konzentrierte. Er leitete die technische Entwicklung eines Systems, das Fischzüchtern eine nachhaltigere Produktion ermöglicht, und ist heute als Senior-Berater für das von ihm gegründete Unternehmen tätig. Er verfeinert seine Erfinderfähigkeiten weiterhin, indem er entweder neue Geräte entwirft oder in seiner Prototypenwerkstatt arbeitet. Sein wegweisendes Stingray-System kombiniert Bilderkennungssoftware mit Hochpräzisionslasern, um winzige Parasiten bei der Lachs- und Forellenzucht zu erkennen und zu beseitigen und das Fischwohl rund um die Uhr zu überwachen.
Esben Beck, Europäischer Erfinderpreis 2019, KMU
Nuria Espallargas ist Professorin an der Fakultät für Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen an der NTNU in Norwegen. Sie verfügt über 20 Jahre Forschungserfahrung in den Bereichen Oberflächentechnik, Chemie und Tribologie. Seit 2011 leitet sie das norwegische Tribologiezentrum der NTNU. Ihr wissenschaftliches Fachgebiet ist die Oberflächenchemie und -technik, Schmierstoffe, Tribokorrosion und Nanotribologie. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte sind umweltverträgliche Schmierstoffe und grüne Schmiermittelzusätze. 2014 war sie Mitbegründerin einer Ausgründung (Seram Coatings) zur Vermarktung von ThermaSiC, einer bahnbrechenden Keramikversiegelung durch thermisches Spritzen.
Joachim Fiedler studierte an der Universität der Künste in Berlin und war als professioneller Cellist in verschiedenen Orchestern und Ensembles tätig. Seine frühesten Erfindungen, wie etwa ein Magnetbogenhalter, waren vor allem auf Probleme von Musikern ausgerichtet. 2007 gründete er die Fidlock GmbH, um magnetisch-mechanische Verschlüsse weiterzuentwickeln und die Produktlinie zu erweitern. Heute werden seine Verschlüsse in einer Vielzahl von Produkten verwendet, darunter Fahrradhelme, Taschen, Schuhverschlüsse, Brustgurtclips für Kindersitze, magnetische Fahrradflaschenhalterungen und magnetische Handyhalterungen.
Marta Karczewicz arbeitet als Vice-President Technology bei Qualcomm, wo sie seit 2006 die Verbesserung von Datencodierungs-Algorithmen vorantreibt. Die von ihr geleiteten Teams haben Methoden entwickelt, um Videodateien ohne spürbare Verluste bei der Bildqualität um den Faktor 1 000 zu komprimieren. Das hat den Aufschwung des Online-Streamings und der Videotelefonie ermöglicht. Sie hat an der Universität Tampere in Finnland ihren Masterabschluss und ihren Doktortitel erworben und ist dann Mitte der Neunzigerjahre in die USA gegangen. Sie wird in über 1 000 Patenten in Europa und den USA als Erfinderin angeführt.
Marta Karczewicz, Europäischer Erfinderpreis 2019, Lebenswerk
Gaute Munch kam 1997 als Elektronikingenieur zur LEGO-Gruppe und leitet derzeit den Bereich Elektrische und digitale Produktsicherheit des Unternehmens. Im Laufe von fast drei Jahrzehnten hatte er verschiedene Positionen inne und spielte eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der technologischen Produktentwicklung des Unternehmens. Mit seinem fundierten technischen Hintergrund war er als Entwickler von LEGO Mindstorms tätig und fungierte als leitender Architekt für das LEGO-Power-Functions-System der ersten Generation. Außerdem leitete er Teams, die für die Entwicklung mehrerer technologischer Produktplattformen der LEGO-Gruppe verantwortlich waren.
Marie Perrin ist Chemikerin und Unternehmerin. Derzeit ist sie ETH Pioneer Fellow und leitet das Start-up-Projekt REEcover, das ein innovatives Verfahren zur Rückgewinnung von Elementen der Seltenen Erden aus Elektronikschrott anwendet. Angetrieben von ihrer lebenslangen Leidenschaft für die Wissenschaft erlangte sie ihren Masterabschluss an der Ecole Polytechnique und Université Paris Saclay und schloss dann ihre Doktorarbeit an der ETH Zürich ab. Neben ihrer Arbeit als Erfinderin und Unternehmerin ist sie ehemalige Präsidentin der Young Swiss Chemical Society und ehemalige Delegierte des European Young Chemist Network, wo sie sich aktiv für Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftspolitik engagierte. Heute setzt sie ihre Öffentlichkeitsarbeit auf Instagram unter dem Namen @theraredoctor fort und konzentriert sich dabei auf Themen rund um Wissenschaft und Nachhaltigkeit.
Marie Perrin, Young Inventors Prize 2025, World Builder
Laura van't Veer ist Forschungsleiterin und Mitbegründerin von Agendia, einem Molekulardiagnostik-Unternehmen, das ausschließlich auf Brustkrebs spezialisiert ist. Sie ist ordentliche Professorin für Labormedizin an der University of California, San Francisco. In den vergangenen 20 Jahren hat sie Pionierarbeit in der Forschung zur molekularen Onkologie geleistet und mehr als 300 wissenschaftliche Veröffentlichungen verfasst. Dank ihrer Arbeit können Mediziner genauere Diagnosen stellen und den Patientinnen daher bessere Behandlungsmöglichkeiten anbieten. Sie hat mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den William L. McGuire SABCS Lecture Award 2024, den ESMO-Lebenswerk-Preis, einen EU-Innovationspreis für Frauen 2014, den ECCO Clinical Research Award 2017 und einen Giants of Cancer Care Award 2020.
Roujia Wen ist Mitbegründerin von Seabound, einem Unternehmen, das modulare, nachrüstbare Kohlendioxid-Abscheidesysteme für Frachtschiffe entwickelt. Ihr technisches Fachwissen umfasst einen Master-Abschluss in theoretischer Physik der Universität Cambridge und die Entwicklung von Produkten für maschinelles Lernen bei Amazon Alexa AI. Ihre kommerzielle Erfahrung wird ergänzt durch Forschungs- und Entwicklungskompetenz in den Bereichen Materialwissenschaften, Strömungsdynamik und Teilchenphysik, darunter die Mitarbeit in einer Gruppe, die an der Large-Hadron-Collider-Forschung am CERN mitwirkt.